Challenge League
Doppelte Ironie des Schicksals beim Auswärtssieg des FC Aarau

Der FC Aarau sichert sich mit dem 2:1-Auswärtssieg in Schaffhausen den zweiten Saisonsieg. Im Fokus standen dabei Mats Hammerich und Elsad Zverotic.

Sebastian Wendel
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Der FC Aarau wollte auswärts gegen Schaffhausen seine gute Form bestätigen.
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Schaffhausens Guillermo Padula gegen Filip Stojilkovic.
Der Verteidgier musste nach 20 Minuten mit Rot vom Platz.
Aaraus Raoul Giger versucht Sangone Sarr den Ball abzunehmen.
Aarau-Abwehrchef Leon Bergsma im Zweikampf mit Ivan Prtajin.
Aarau-Verteidiger Thiesson steigt höher als Valon Hamdiu und Raoul Giger.
Kevin Spadanuda behauptet sich gegen Valon Hamdiu vom FC Schaffhausen.
Zur Halbzeit gab es Gesprächsbedarf zwischen Shkelzen Gashi und Captain Olivier Jäckle.
Jubel beim FC Aarau in der 50. Minute nach dem 1:0 Führungstreffer durch Mats Hammerich.
Der Torschütze zum 1:0 führt den Ball im Mittelfeld.
Randy Schneider kam nach 59 Minuten für Shkelzen Gashi ins Spiel.
Kevin Spadanuda und Randy Schneider gegen Schaffhausens Mirza Mujcic.
Schock für Aarau nach 85 Minuten. Nach einer langen Freistossflanke trifft Pollero mit dem Kopf zum Ausgleich.
Doch Filip Stojilkovic erlöst den FCA in der 90. Minute. Der Torschütze und Kevin Spadanuda jubeln nach dem 2:1-Siegtreffer.
Stephan Keller darf sich über drei Punkte freuen.

Der FC Aarau wollte auswärts gegen Schaffhausen seine gute Form bestätigen.

Claudio Thoma/Freshfocus

84 Minuten lang plätschert die Partie in Schaffhausen vor sich hin. Der FC Aarau, seit der 16. Minute in Überzahl, führt dank des Treffers von Mats Hammerich gegen das harmlose Heimteam mit 1:0 und ist auf Kurs Richtung zweiter Saisonsieg. Passiert hier noch etwas Aufregendes?

Oh ja! Und wie! Eingeleitet wird die heisse Schlussphase von FCA-Einwechselspieler Randy Schneider, der es zum wiederholten Mal mit der Eigensinnigkeit übertreibt. Nach einem verlorenen Dribbling kann er den Gegenspieler nur per Foul stoppen, Freistoss für Schaffhausen. Hoch und weit segelt das Spielgerät in den Aarauer Strafraum, wo Rodrigo Pollero steht und mit einem listigen Kopfball Simon Enzler im FCA-Tor überlistet. Stephan Keller, der Gäste-Trainer, ist ausser sich vor Wut. Was für ein billiges Gegentor! War der riesige Aufwand und der phasenweise starke und reife Auftritt seiner Mannschaft für die Katz?

Neuzugang mit der späten Entscheidung

Nein! Denn der FC Aarau hat seit der Länderspielpause endlich einen Vollblutstürmer im Kader. Der heisst Filip Stojilkovic und steht in der 89. Minute dort, wo ein Vollstrecker stehen muss: Zentral vor dem Tor, im Rücken des Verteidigers auf den Ball lauernd. Stürmer brauchen ab und zu ein bisschen Glück – und genau das hat Stojilkovic, als ihm der Ball nach einem missratenen Schuss von Elsad Zverotic vor die Füsse springt und der 20-Jährige den Ball nur noch ins Tor abzulenken braucht.

Die Last, die dem von der Sittener Ersatzbank nach Aarau gewechselten U21-Nationalspieler von den Schultern fällt, muss riesig sein: Beim Jubel lässt er sich zu einer verbalen Provokation gegenüber den Heimfans hinreissen und hält zum Gruss sein Trikot in Richtung Haupttribüne.

Kurz darauf ertönt der Schlusspfiff. Der zweite Saisonsieg für den FC Aarau, er ist doch noch Tatsache. Ein Sieg, der vor allem auch Trainer ­Stephan Keller etwas Ruhe verschafft.

Trainer Keller: «Freue mich für Zverotic»

Wie drei Tage zuvor gegen Stade Lausanne-Ouchy (1:1) hat Keller auch in Schaffhausen seinen Captain Elsad Zverotic auf die Bank gesetzt. Eine unpopuläre, mutige Massnahme. Mit vier Punkten aus zwei Spielen ohne Zverotic hat Keller resultatmässig Recht bekommen.

Erste Ironie des Schicksals: Ausgerechnet der Mann, der Zverotics Platz übernommen hat, bringt den FC Aarau in Schaffhausen auf die Siegerstrasse: Mats Hammerich. Fünf Minuten nach der Pause steht er im Anschluss an einen Corner am hinteren Pfosten goldrichtig und muss für das 1:0 nur noch den Fuss hinhalten.

Zweite Ironie des Schicksals: Zverotic wird in der 79. Minute als Linksverteidiger eingewechselt und hat entscheidenden Anteil am 2:1-Treffer: Ausgerechnet sein missratener Schuss ist es, der Siegtorschütze Stojilkovic erreicht.

Degradierung hat sportliche Gründe

Keller betont nach dem Schlusspfiff, dass Zverotics Degradierung keine persönlichen, sondern einzig Leistungsgründe habe. Heisst: In den Partien vor der Länderspielpause hat Zverotic nicht geliefert, was Keller von ihm erwartet.

Zur Leistung seiner Mannschaft sagt der Trainer: «Wir sind dominant aufgetreten und haben die Partie jederzeit im Griff gehabt. Der Ausgleich hat mich verärgert, aber solche Sachen passieren im Fussball. Der späte Siegtreffer ist ein verdienter Lohn. Dass Zverotic das Tor vorbereitet hat, freut mich besonders für ihn.»

Telegramm: FC Schaffhausen - FC Aarau

FC Schaffhausen - FC Aarau 1:2 (0:0)

Brügglifeld. - 607 Zuschauer. - SR: Horisberger. - Tore: 50. Hammerich (Gashi) 0:1. 84. Pollero 1:1. 90. Stojilkovic (Zverotic) 1:2.


Schaffhausen: Da Costa; Padula, Neitzke, Mujcic; Krasniqi (57. Müller), Hamdiu, Sarr (57. Bislimi), Del Toro (46. Bunjaku); F. Rodriguez (76. Djoulou), Prtajin (57. Pollero), R. Rodriguez.


Aarau: Enzler; Giger, Thiesson, Bergsma, Qollaku (79. Zverotic); Spadanuda, Jäckle, Hammerich, Rrudhani (55. Aratore); Gashi (59. Schneider), Stojilkovic.


Bemerkungen: Schaffhausen ohne Menezes (verletzt), Alvarez, Bajrami, Barry, Deronjic, Furrer, Kastrati, Lika, Mozzone, Talic, Tanzillo und Vukasinovic (alle nicht im Aufgebot). Aarau ohne Schindelholz (krank), Balaj, Hajdari, Lujic, Peralta, Thaler, Verboom (alle verletzt) und von Arx (nicht im Aufgebot). - 53. Lattenschuss Rrudhani. - Verwarnungen: 20. Krasniqi, 40. Giger, 52. Rrudhani, 70. Bislimi, 73. Thiesson, 84. Schneider (alle Foulspiel), 90. Stojilkovic (Unsportlichkeit). - Platzverweis: 17. Padula (Notbremse).

Das sind die Stimmen zum Spiel:

Das sind die Noten zum Spiel:

Simon Enzler: Note 4.5 Der 23-jährige Torhüter verbrachte einen ruhigen Abend. Beim einzigen Gegentreffer schuldlos.
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Raoul Giger: Note 4.5 Er liess auf der rechten Abwehrseite nichts anbrennen und setzte auch offensiv einige Akzente.
Jérome Thiesson: Note 4 Er wächst mehr und mehr in die Rolle des Innenverteidigers hinein. Mit einigen Flüchtigkeitsfehlern.
Léon Bergsma: Note 5 Der holländische Neuzugang erfüllte seine Rolle als Abwehrchef mit Bravour und schaltete sich oft in die Offensive ein.
Arijan Qollaku: Note 4.5 Der frühere Schaffhauser ist auf der linken Abwehrseite ein sicherer Wert. Harmoniert gut mit Rrudhani.
Kevin Spadanuda: Note 4 Mit guten Ansätzen und einigen hübschen Einlagen. Aber im Abschluss viel zu harmlos.
Olivier Jäckle: Note 4.5 Er ist der unbestrittene Chef und Ballverteiler im zentralen Mittelfeld. Aber nicht fehlerlos.
Mats Hammerich: Note 4.5 Stand beim achten FCA-Corner goldrichtig und bugsierte den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 ins Netz.
Donat Rrudhani: Note 4.5 Der feine Techniker und starke Dribbler wird immer stärker. Pech bei einem Schuss an die Lattenoberkante.
Shkelzen Gashi: Note 4 Vergab zu Beginn der zweiten Halbzeit die erste Topchance für die Aarauer. Mit viel Einsatz für das Team.
Filip Stojilkovic: Note 5 Er holte den Platzverweis von Schaffhausens Padula heraus und schoss kurz vor Schluss den Siegestreffer zum 2:1.
Marco Aratore: Note 3.5 Er kam in der 55. Minute für Donat Rrudhani, konnte sich aber nicht in Szene setzen.
Randy Schneider: Note - Er kam in der 59. Minute für Shkelzen Gashi. Zu kurzer Einsatz für eine Note.
Elsad Zverotic: Note - Er kam in der 79. Minute für Arijan Qollaku. Spielt den Assist zum 2:1-Siegtreffer. Zu kurzer Einsatz für eine Note.

Simon Enzler: Note 4.5 Der 23-jährige Torhüter verbrachte einen ruhigen Abend. Beim einzigen Gegentreffer schuldlos.

Sarah Rölli

Spiel verpasst? Lesen sie hier den Verlauf der Partie im Liveticker nach:

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