Der Einfluss des neuen Interimstrainers? Gering. Das sagt Ton Verkerk selber: «Ich habe mir heute alles angeschaut und mir meine Gedanken gemacht. Zur Mannschaft gesprochen habe ich nicht.»

Aber nur schon die Präsenz des 63-jährigen Holländers scheint etwas bewirkt zu haben: Der FC Aarau luchst Aufsteiger Xamax auch im zweiten Heimspiel Punkte ab, nach dem 2:0 im vergangenen September gibt es gestern ein 2:2. Eine Ehrenmeldung nach den ernüchternden Auswärtspleiten in Vaduz und Schaffhausen.

FC Aarau - Neuchatel Xamax 2:2 (18.04.2018, Stimmen zum Spiel)

FC Aarau - Neuchatel Xamax 2:2 (18.04.2018, Stimmen zum Spiel)

Interviews mit Varol Tasar sowie mit dem Trainerduo Ton Verkerk und Stephan Keller

In der Schlussviertelstunde steht Aarau dem Sieg gegen Xamax gar näher, der eingewechselte Nikola Gjorgjev vergibt in der 81. Minute eine Chance, die ein Fussballprofi im Schlaf verwerten muss.

Verkerk sagt weiter: «Was ich phasenweise gesehen habe, hat mir gefallen. Vor allem, wie die Mannschaft auf den Gegner eingestellt war.» Er zeigt auf Stephan Keller, der neben ihm steht: «Ein Punkt gegen den Tabellenführer, das Lob gebührt ihm.»

Keller, in der Praxis weiterhin der Interimstrainer, auf dem Papier aber zurückgestuft zum Assistenten wegen fehlender Diplome, lächelt und sagt: «Ton und ich, das ist keine Alibi-Übung. Er ist hier, weil wir uns seit gemeinsamen Zeiten in Holland beim RSC Waalwijk kennen und schätzen und ähnlich über Fussball denken. Er war mein Mentor.»

Nachdem er sich in den ersten zwei Tagen im Brügglifeld einen Überblick verschafft hat, will Verkerk nun vermehrt eigene Inputs geben: «Es gibt einige vielversprechende junge Spieler, denen ich den einen oder anderen Rat geben kann.»

Die zwei Gesichter des FC Aarau

Bis zum Saisonende coacht das Duo Verkerk/Keller den FC Aarau. Doch seit einigen Tagen ist bekannt, wie es danach weitergeht: Patrick Rahmen (49) hat vergangene Woche einen Vertrag bis 2020 als Cheftrainer unterschrieben. Der Basler sass gestern auf der Haupttribüne neben Sportchef Sandro Burki und Präsident Alfred Schmid und sah einen FC Aarau, der wie so oft in dieser Saison zwei Gesichter offenbarte.

Nach zähem Beginn erzielte Tasar nach einer schönen Kombination mit Rossini das 1:0. Doch keine 60 Sekunden später stand es 1:1 – ein Abbild für die fragile Psyche der Aarauer in dieser Spielzeit. Eine Schwäche, die Rahmen in der kommenden Saison so schnell wie möglich beheben muss.

Ein Tor zu kassieren, ist nie gut: Aber auch das 1:2 durch Corbaz fiel in einem Moment, nämlich Sekunden vor der Pause, in dem ein Gegentor mit besonderer Vehemenz vermieden werden sollte: Doch Corbaz konnte ungehindert erst mit dem Fuss schiessen und dann den Abpraller per Kopf verwerten.

Die zweite Halbzeit gehörte indes dem Heimteam, insbesondere die Schlussphase, in der eine Mischung aus ansprechenden Kombinationen und grossem Willen zu vielversprechenden Chancen für den FCA führte. Die beste vergab GC-Leihgabe Gjorgjev, dessen Ballbehandlung eine Augenweide ist, der im Abschluss aber wiederholt viel zu harmlos agierte.

Warum Xamax das 2:2 nicht wehtut

Was Rahmen auch bewusst sein dürfte: Will der FCA in der nächsten Saison in der oberen Tabellenhälfte eine gute Figur abgeben, braucht er eine neue Innenverteidigung, einen Patron vor der Abwehr und einen, wenn nicht zwei überdurchschnittlichee Offensivspieler: Spieler, wie Xamax sie in Person von Charles-André Doudin oder Raphaël Nuzzolo hat.

Spieler, die jederzeit aus dem Nichts eine Partie entscheiden können. Bei der gestrigen Partie kam der Gedanke auf: Es braucht in dieser Challenge League nicht viel – aber würden Nuzzolo und Doudin beim FCA statt bei Xamax spielen, würden vielleicht auch die Rollen der beiden Teams in dieser Saison vertauscht sein...

Xamax wird aufsteigen. Wenn nicht gestern im Brügglifeld, dann wahrscheinlich am Montag in Genf gegen Servette. So gesehen dürfte der Punktverlust den Neuenburgern nicht allzu wehtun. Oder mit den Worten von Goalie Laurent Walthert: «Im Stadion des Erzrivalen aufzusteigen, wäre das Grösste.»