Curling

Ein Saisonende mit Schönheitsfehler

Die Aargauer Curler Marcel Käufeler (l.) und Romano Meier blicken trotz WM-Absage auf eine erfolgreiche Saison zurück.

Die Aargauer Curler Marcel Käufeler (l.) und Romano Meier blicken trotz WM-Absage auf eine erfolgreiche Saison zurück.

Die Aargauer Curler Marcel Käufeler und Romano Meier beenden die Saison nach der WM-Absage im Team Schwaller als Weltnummer 6. Die beiden können mit ihrem Team auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Die WM-Absage stellt den einzigen Makel dar.

Die Absage der WM von Ende März in der schottischen Hauptstadt Glasgow kam für das Team Schwaller nicht ganz überraschend. Trotzdem: Die Enttäuschung bei den Curlern, welche die Schweiz vertreten hätten, sitzt tief.

So auch beim 24-jährigen Romano Meier aus Ehrendingen. Er sagt, dass die Absage noch gar nicht wirklich angekommen sei: «Es ist irgendwie noch völlig surreal. Wir haben seit dem Titel an den Schweizer Meisterschaften darauf hingearbeitet.» Dem pflichtet sein 25-jähriger Teamkollege Marcel Käufeler aus Wettingen bei: «Es ist natürlich hart für uns. Aber es relativiert sich, wenn man die gesamte Situation sieht.» Die beiden Aargauer sind sich einig: Das Curling steht derzeit im Hintergrund.

Noch am vergangenen Wochenende bestritten die Schweizer in Schottland ein Weltcup-Turnier. Es hätte als Vorbereitung für die Titelkämpfe dienen sollen – stattdessen wurde es wegen des Corona-Virus zum letzten Turnier der Saison. Immerhin: Das Team Schwaller holte sich den Sieg und beschloss die Saison damit erfolgreich. Das i-Tüpfelchen: Käufeler, Meier und Co. kletterten in der Weltrangliste noch auf den sechsten Platz.

Im Gegensatz zu den Frauen, wo die WM in Kanada erst kurz vor dem Auftakt abgesagt worden war, kam die Absage bei den Männern mit genügend Vorlauf. Das kam den Schweizern entgegen: Statt die Pause zwischen Weltcup und WM aufgrund der Pandemie unplanmässig in Schottland zu überbrücken, reisten sie nach ihrem Triumph im Weltcup zurück in die Heimat. «Wir sind froh, nun zu Hause bei der Familie zu sein. Ich glaube, wir können trotz allem froh sein, dass wir in der Schweiz leben, wo der Bundesrat Entscheide fällt. Es ist wichtig, dass wir diese Vorgaben jetzt befolgen», sagt Käufeler.

Nächste Woche trifft sich das Team nochmals: «Wir analysieren die Saison mit unserem Sportpsychologen und den Coaches», sagt Meier. Danach haben sie eine Pause, die unter normalen Verhältnissen nach Saisonende sowieso angestanden wäre: «Nur kommt das jetzt halt eineinhalb Monate früher», sagt Käufeler. Die gemeinsame Vorbereitung auf die neue Saison soll Ende April oder Anfang Mai wieder beginnen – wenn es das Corona-Virus denn zulässt.

Es war eine erfolgreiche Saison voller Premieren

Meier studiert bis dahin weiter nebenbei Sport und Betriebswirtschaft an der Universität Bern. Dass das Lehrinstitut aktuell geschlossen ist, macht für den Curler keinen grossen Unterschied: «Die Uni bemüht sich sehr, digitale Lösungen zu bieten und ich habe auch vorher wegen des Curlings meine Arbeiten oft zu Hause erledigt.» Eine grosse Umstellung ist das also nicht. Etwas anders sieht das bei Käufeler aus, der als Leiter Finanzen in der Fricktaler Gemeinde Herznach arbeitet. «Aktuell bin ich mehr im Geschäft, da wir dort viele Ausfälle haben. Die Jungen müssen nun mehr aushelfen», sagt er.

Der Rückblick auf die Saison gestaltet sich trotz vorzeitigem Abbruch sehr erfreulich: Es war für das Team Schwaller die bisher erfolgreichste Saison. Käufeler, Meier und Co. holten bei ihrer EM-Premiere gleich Silber, wurden zum ersten Mal Schweizer Meister, gewannen drei Turniere auf der World Tour, hätten erstmals an der WM teilgenommen – und sind jetzt die Weltnummer 6. «Es ist der Lohn für unsere harte Arbeit der vergangenen Jahre», sagt Meier. Doch das soll noch nicht alles gewesen sein: «Es ist erst der Anfang unserer harten Arbeit, die sich auszahlt», sagt Käufeler.

Die kommende Saison soll noch besser werden. Auch wenn sich die Planung derzeit schwierig gestaltet, weil das Ende der Corona-Krise nicht absehbar ist. Man müsse wohl verschiedene Pläne in Bezug auf verschiedene Szenarien erstellen, sagt Käufeler. Teamkollege Meier ergänzt: «Unsere Zielsetzung ist ausgelegt auf die Olympischen Winterspiele 2022. Die Frage ist aber, wie es nun nach der WM-Absage mit dem Qualifikationssystem dafür weiter abläuft.»

Käufeler, Meier und Co. werden sich weiterhin hohe Ziele stecken, vorerst aber spielt das Curling angesichts des Corona-Virus nur eine Nebenrolle.

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