NLA-Handball

Eine Anzeige immer noch im Kopf - Der HSC Suhr Aarau trifft erstmals seit dem Fall «Skvaril» auf Wacker Thun

Ihm geht die Anzeige nach wie vor nicht aus dem Kopf.

Misha Kaufmann

Ihm geht die Anzeige nach wie vor nicht aus dem Kopf.

Am Sonntag (Anpfiff: 16 Uhr) trifft der HSC Suhr Aarau im Schachen auf Wacker Thun. Dabei kommen beim Heimteam gemischte Gefühle auf. Die Anzeige von Nicolas Raemy gegen Ex-HSC-Spieler Milan Skvaril ist bei den Verantwortlichen nach wie vor in den Köpfen präsent. Das Verfahren läuft weiterhin.

Misha Kaufmann kann impulsiv, energisch und fordernd sein. Während der Spiele seiner Mannschaft kann er laute, klare Worte wählen. Aber Misha Kaufmann kann auch ganz anders. Wer mit ihm über den Weggang von Milan Skvaril spricht, merkt schnell, dass er die ganze Geschichte noch immer nicht verdaut hat. Sie beschäftigt ihn weiterhin, obwohl der ehemalige HSC-Topskorer mittlerweile schon zwei Monate nicht mehr für den Verein engagiert ist. Immer wieder braucht Kaufmann einen Moment, um die richtigen Worte zu finden.

Rückblende: Anfang Oktober wird bekannt, dass Nicolas Raemy, Spieler von Wacker Thun, eine Anzeige gegen Milan Skvaril wegen versuchter schwerer Körperverletzung eingereicht hat. Dies aufgrund eines Fouls, das Skvaril am 23. April 2019 während des Playoff-Viertelfinals an Raemy begangen hatte. Daraufhin äusserte der HSC-Akteur den Wunsch, in seine tschechische Heimat zurückkehren zu dürfen. Offiziell aus familiären Gründen. Seine Frau erwartete das zweite Kind. Mittlerweile hat die Familie zwei Kinder. Aber dieser Fall hat auch Skvaril zugesetzt. Auf dem Spielfeld war er gehemmt, konnte sein Leistungsvermögen nicht mehr abrufen. Die Vertragsauflösung schien die beste Lösung.

Das Rencontre zwischen Milan Skvaril (oben) und Nicolas Raemy in den Playoff-Viertelfinals 2019. Bild: Christian Pfander (Thun, 23. April 2019)

Das Rencontre zwischen Milan Skvaril (oben) und Nicolas Raemy in den Playoff-Viertelfinals 2019. Bild: Christian Pfander (Thun, 23. April 2019)

«Wacker Thun hat das alles hochgeschaukelt»

Zurück zu Misha Kaufmann: Der trifft mit seiner Mannschaft am Sonntag zum ersten Mal seit Bekanntwerden der Anzeige auf Wacker Thun. Die beiden betroffenen Akteure werden aber nicht auf der Platte stehen. Skvaril nicht, weil er eben nicht mehr beim HSC ist, Raemy nicht, weil er sich derzeit mit einer Verletzung herumplagt.

Ist derzeit verletzt: Nicolas Raemy

Ist derzeit verletzt: Nicolas Raemy

Die Partie löst gemischte Gefühle aus. Kaufmann sagt: «Je mehr Distanz man zur ganzen Geschichte hat, desto unverständlicher wird das alles.» Kaufmann bedauert das Verhalten von Wacker Thun sehr: «Sie haben das alles hochgeschaukelt und sind klassisch in die vermeintliche Opferrolle geschlüpft.» Wenn man aber ihre Abwehrarbeit unter die Lupe nehme, stelle man fest, dass vor allem auch die Thuner immer hart zu Werke gingen. Gerade auch deshalb kann er die Anzeige nach wie vor nicht verstehen.

Im Berner Oberland wird weiter geschwiegen

Der HSC wird am Sonntag ab 16 Uhr seinem Motto treu bleiben: Mit einer stabilen, fairen Abwehr den Gegner in die Knie zwingen. Statistisch gesehen hat der HSC die beste Abwehr der Liga – und das soll auch so bleiben. Rachegelüste aufgrund der ganzen Vorgeschichte hegt Kaufmann keine.

Auch von Seiten der Vereinsführung hofft man, dass die Geschichte bald gegessen ist und vor Jahresende ad acta gelegt werden kann. Wie es bei den Verantwortlichen im Berner Oberland aussieht, ist nicht bekannt. Auf Anfrage wollte bei Wacker Thun niemand Stellung zum nach wie vor laufenden Verfahren beziehen.

Auch Kaufmann will sich wieder voll dem Handballsport widmen. Am Sonntag wird deshalb wohl kein nachdenklicher Trainer, sondern vielmehr ein fordernder und impulsiver an der Seitenlinie des HSC stehen.

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