Landhockey

Eine Heim-EM, Los Angeles und grosse Träume: Die Landhockeyspieler wollen ein neues Zeitalter einläuten

An der Heim-EM in Luzern wollen die Landhockeyspieler der Schweizer Nationalmannschaft nicht nur den Aufstieg realisieren, sondern nebenbei auch ein neues Zeitalter einläuten. Mit von der Partie sind dabei vier Spieler von Rotweiss Wettingen.

In der luzernischen Utenberghalle lassen die Landhockeyspieler der Schweizer Nationalmannschaft den Ball nur so hin und her klatschen. Geschickt kombinieren sie sich durch die Abwehrreihe des Luzerner SC. Das Freundschaftsspiel ist lebendig. Dynamisch. Energisch. Schnell.

Auf eine ähnliche Art und Weise will auch der Verband in ein neues Zeitalter treten. Die Generalprobe soll an der heute startenden und bis Sonntag dauernden Heim-EM in Luzern über die für einmal aussergewöhnlich grosse Bühne gehen. Während sich der Verband viele Zuschauer und eine verbesserte Reichweite erhofft, so will auch die Nati ihre ganz eigenen Ziele erreichen.

Um an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, muss das in der Hallen-Weltrangliste auf Platz 8 gesetzte Team aus dem B-Pool aufsteigen. «Wenn man eine Heim-EM ausrichtet und derart gut vorbereitet in das Turnier geht, dann ist es ganz klar das Ziel, den Aufstieg zu realisieren», sagt Christoph Elste, Nationaltrainer bei den Männern.

Kein gewohnter Wettinger Block

In der Gruppenphase trifft seine zwölfköpfige Mannschaft auf Kroatien, Italien und die Slowakei. Mit von der Partie ist dabei auch Marco Michel, Spieler des HC Rotweiss Wettingen und einer von vier Aargauern im Team. Der Routinier, der bereits seine dritte Hallen-EM erlebt, glaubt ebenfalls an das grosse Ziel.

Dennoch zeigt er sich vorsichtig: «In einer B-Division ist es immer sehr eng und ausgeglichen. Wir dürfen sicher niemanden unterschätzen.» Dass die Schweizer im engen Kampf von ihrer Eingespieltheit profitieren können, bestreiten Coach und Spieler. Selbst wenn sich im Aufgebot vier Spieler von Wettingen befinden, wollen sie sich nicht darauf verlassen.

«Ich denke wir sind langsam flexibel genug, dass dies nicht mehr gross eine Rolle spielt», sagt der 31-Jährige Michel. Coach Elste verweist zusätzlich auf die vorgenommenen Kadermutationen: «Einen Block aus Wettingen gibt es dieses Mal eigentlich nicht. Mittlerweile spielen viele Schweizer in Deutschland oder Holland. Das ist ein Vorteil für die Nationalmannschaft, aber gleichzeitig ein Nachteil für die Liga.»

Nicht mehr nur für Familie, Freunde und Verrückte

Dass sein Team einen Heim-Bonus hat, lässt sich hingegen nicht bestreiten. Um die 3000 Zuschauer sollen die Mannschaft unterstützen. Und auch wenn die Gegner auf dem Papier weit hinter der starken Schweiz liegen, hofft man der Stimmung wegen doch auf enge Spiele. Der Sport soll schliesslich bald mehr sein als nur für Familie, Freunde und Verrückte, wie man beim Verband witzelt. «Sonst haben wir eher wenig Publikum, in Luzern einen kleinen Hexenkessel. Wir hoffen, dass der Funke überspringt», sagt Trainer Elste.

Nebst der Unterstützung von den Rängen zählt Spieler Michel auf eine gute Vorbereitung und seine Erfahrung: «Wir haben einen Gameplan, den müssen wir konsequent durchspielen. Wenn es mal nicht läuft oder wir in Rückstand geraten, dürfen wir den Faden nicht verlieren. Es liegt an den routinierten Spielern, den jüngeren Teilnehmern die Nervosität zu nehmen.»

Schliesslich steht der Nachwuchs für einmal besonders im Fokus. Die Hoffnungen der Sportart lasten auf der Jugend. Nebst dem Aufstieg in den A-Pool will der Verband noch viel Historischeres schaffen: Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. «Wir wollen aus der Nische heraus und die Olympischen Spiele in den Vordergrund rücken. Wenn junge Menschen erkennen, dass dies ein Lebenstraum sein kann, dann kann das klappen», sagt Frank Schneider, Präsident von Swiss Hockey.

In Luzern dürfen die Nachwuchstalente erstmals als Zuschauer Turnierluft schnuppern, sich an Workshops weiterbilden. Von Luzern nach Los Angeles –noch klingt alles nach einer fernen Zukunft. Auch, weil sich die Nati an der Generalprobe vor dem grossen Auftritt dem LSC geschlagen geben muss. Doch bei Swiss Hockey zeigt man sich zuversichtlich. «Wenn wir die Mauern jetzt solide bauen, dann werden wir ein schönes Haus haben», sagt Schneider.

Meistgesehen

Artboard 1