Aargauer Sport-Gala

Elena Quirici: «Gefühlt dauert die Qualifikationsphase schon zehn Jahre»

Elena Quirici (rechts) am Paris Open gegen die Japanerin Kayo Someya.

Elena Quirici (rechts) am Paris Open gegen die Japanerin Kayo Someya.

Bereits zum dritten Mal mit nominiert ist Karateka Elena Quirici aus Schinznach-Dorf, die auf die Zielgeraden einer langen Qualifikationskampagne für die Olympischen Spiele in Tokio einbiegt.

Die Konstanz von Elena Quirici ist beeindruckend: Im letzten Jahr hat die 25-jährige Karatekämpferin
aus Schinznach-Dorf an 12 Weltcupturnieren teilgenommen und schaffte es dabei neun Mal aufs
Podest. Zwei Mal stand sie dabei ganz zuoberst – darunter auch beim prestigeträchtigen «Paris
Open», dem wichtigsten Weltcupturnier überhaupt. Hinzu kommen die Silbermedaille an der EM und
die Bronzemedaille an den European Games. «Es war mein bisher konstantestes Jahr und darauf bin
ich sehr stolz. Natürlich hätte ich sehr gerne meinen EM-Titel verteidigt, aber auch so war es
vermutlich mein sportlich erfolgreichstes Jahr», bilanziert Quirici.
Die grosse Konstanz von Elena Quirici im Verlauf des letzten Jahres ist für die 25-Jährige Gold wert.
Denn seit September 2018 läuft die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Und
die sind das grosse Ziel von Quirici. Für die Olympiaqualifikation zählen die Resultate sämtlicher
Wettkämpfe, die im Zeitraum von September 2018 bis April 2020 ausgetragen werden. «Gefühlt
dauert die Qualifikationsphase schon zehn Jahre», sagt Elena Quirici lachend. «Nein, Spass bei Seite.
Es ist wirklich ein sehr harter Selektionsprozess, insbesondere deshalb, weil er so lange dauert und
man sich in diesem Zeitraum keine Ausrutscher und keine Verletzungen leisten kann.»

Mentale Herausforderung

Dies vor allem deshalb, weil sich nur die besten zwei Kämpferinnen in der Klasse bis 68kg und der
Klasse plus 68kg direkt für die Spiele qualifizieren. Dies führt dazu, dass Elena Quirici zwar die
Weltnummer eins in der Klasse bis 68kg ist und im Olympiaranking an zweiter Stelle geführt wird, aber
das Ticket für Tokio noch immer nicht in der Tasche hat. «Es ist mental eine riesige Herausforderung,
nicht permanent an die Olympischen Spiele zu denken. Wenn ich das tun würde, wäre ich schon längst
verrückt geworden. Zum Glück habe ich ein super Team hinter mir, das mich immer wieder beruhigen
kann und mir Kraft gibt.»
Im Kampf ums Olympiaticket überlässt Elena Quirici nichts dem Zufall. Im letzten Sommer hat sie sich
deshalb entschieden, ihren Trainingsstandort ins Ausland zu verlegen. Genauer gesagt nach Toledo
(Spanien), wo sie mit ihrem Freund – ebenfalls ein Karatekämpfer – lebt und trainiert. «Im
Spitzensport musst du Risiken eingehen, wenn du erfolgreich sein willst», sagt Quirici. «Nach etwas
mehr als einem halben Jahr kann ich aber sagen, dass sich der Schritt gelohnt hat und ich die richtige
Entscheidung getroffen habe. In Spanien kann ich in meiner Trainingsgruppe sehr oft auch mit
Männern trainieren und komme so aus meiner Komfortzone raus. Das bringt mich weiter.»

Zeit für die kleinen Dinge

In Spanien lebt Elena Quirici als Profisportlerin. Dank zwei Trainingseinheiten pro Tag erreicht sie ein
Pensum von fünf bis sechs Stunden. Ansonsten widmet sie sich in erster Linie der Regeneration und
dem Mentaltraining. «Ich habe im Moment sehr viel mehr Zeit für die kleinen Dinge, die aber enorm
wichtig sind», sagt Quirici. Und vielleicht sind es genau diese kleinen Dinge, die im heissen Kampf um
die Olympiaplätze den Ausschlag zu Gunsten der Aargauerin geben, die am vergangenen Wochenende
den ersten Wettkampf des neuen Jahres bestritten hat.
Geschwächt von einer Grippe, hat sie in Paris einen kleinen Rückschlag einstecken müssen. Sie verlor
bereits ihren ersten Kampf. Bis Mitte April stehen noch fünf weitere Turniere auf dem Programm. Und
spätestens dann weiss Elena Quirici, ob sie sich einen der vier direkten Startplätze für Olympia
gesichert hat oder ob sie im Mai beim alles entscheidenden letzten Wettkampf noch einmal antreten
muss, um sich ihre Olympia-Traum zu erfüllen.

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