NLA-Handball
Endingens Simon Huwyler ist der Strafenkönig der Liga – doch seine Teamkollegen sind «nicht aggressiv genug»

Nur zwei andere Spieler in der Nationalliga A haben bislang so viele Zeitstrafen kassiert wie Endingens Kreisläufer Simon Huwyler. Wie der Abwehrchef seiner Mannschaft damit hilft – und warum der TV Endingen in der Strafenstatistik trotzdem brav daherkommt.

Frederic Härri
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Die beiden Strafenkönige im direkten Duell: Endingens Simon Huwyler (r.) hat bislang 14 Zeitstrafen erhalten, ebenso wie Suhr Aaraus Martin Slaninka.

Die beiden Strafenkönige im direkten Duell: Endingens Simon Huwyler (r.) hat bislang 14 Zeitstrafen erhalten, ebenso wie Suhr Aaraus Martin Slaninka.

Alexander Wagner

Ein Pfiff, die Pfeife zwischen den Lippen. Die rechte Hand zeigt senkrecht nach oben, Zeige- und Mittelfinger sind abgespreizt. Mit der linken Hand weist der Schiedsrichter auf den Spieler mit der Nummer zehn. Simon Huwyler braucht gar nicht mehr hinzusehen, um zu wissen, was kommt: Er muss für zwei Minuten auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Gemeinsam mit Martin Slaninka (Suhr Aarau) und Samuel Weingartner (Bern) ist der Kreisläufer des TV Endingen bislang der Strafenkönig der Liga. 14 Zeitstrafen hat Huwyler in 15 Meisterschaftspartien erhalten. Eine Errungenschaft, auf die Huwyler «jetzt nicht so stolz» ist, wie er am Telefon sagt. Meistens ärgere er sich fürchterlich über die Strafen. «Wenn ich damit nicht mal das Tor nicht verhindern kann, umso mehr.»

Huwyler will jedoch verstanden wissen, dass es zwei Arten von 2-Minuten-Strafen gebe. Die einen würden gepfiffen, wenn der Gegenspieler in der Verteidigung «zu lange bearbeitet» werde. Schieben, stossen, am Leibchen zupfen – wenn man eng dran ist, kommt es schnell vor, dass man zu hart rangeht. Dann, so Huwyler, passierten aber auch Fouls, bei denen man den Gegenspieler von der Seite schubst. Aus Frust, ohne Aussicht auf Erfolg. «Das sind die dummen Strafen.»

Zu wenig Zeitstrafen sind auch nicht gut

Ohnehin ist es mit den Strafen im Handball so eine Sache. Einerseits sind sie ärgerlich, weil durch sie ein Spieler in der Abwehrarbeit fehlt. Andererseits können sie aber auch Strategie sein, weil sie dem Gegner zeigen: Wenn du hier durch willst, tut es weh. Das Ausbleiben von Zeitstrafen kann man in dieser Lesart auch als Ausdruck fehlender Härte werten. Im Falle von TV Endingen fällt auf, dass Huwyler zwar der Spieler ist, der in der Liga die meisten Strafminuten akkumuliert. Auch seine Teamkollegen Justin Larouche und Oliver Mauron rangieren mit zwölf respektive elf Zeit­strafen in den Top Ten der Sünder-Statistik. Insgesamt aber kommt die Mannschaft ziemlich brav daher: 3,67 Strafen kassieren die Endinger pro Spiel. Das ist der dritttiefste Wert der Liga.

Zoltan Majeri ortet darin etwas Positives. «Ich bin kein Fan davon, dass meine Spieler unsportlich vorgehen», sagt der TVE-Trainer. Mit guter Beinarbeit könne man Strafen verhindern, so gut es geht. Dennoch räumt Majeri ein: «Wir sind nicht aggressiv genug.»

Majeri nimmt Huwyler die vielen Zeitstrafen nicht übel

Majeri macht das nicht an den gesammelten Zeitstrafen fest, doch sieht er in jeder Partie, dass die Spieler zu wenige technische Fehler beim Gegner provozieren. Den Ball auf korrektem Wege erobern – das ist das, was Majeri sehen will. Es ist das, was dem Team noch zu oft fehlt. «Wir müssen keine Hooligans in der Verteidigung sein», sagt ­Majeri. Aber wacher und flinker, das dann bitteschön schon.

Die vielen Zeitstrafen Huwylers nimmt Majeri seinem Abwehrchef indes nicht übel. Im Gegenteil: «Simon bringt eine unglaubliche Intensität mit, er ist unser Aggressiv-Leader.» Majeri wünscht sich, dass die anderen von Huwyler lernen, richtig zuzupacken. Damit letztlich nicht alles am zentralen Mann im Mittelblock hängen bleibt. «Viele meiner Jungs verteidigen mit zu viel Respekt», sagt Majeri. Den hat Huwyler bereits abgelegt. Und auch den Unterschied zwischen guten und schlechten Fouls kennt er inzwischen bestens.

Coronafälle im Umfeld: Gegen Kriens-Luzern sitzt Endingen-Trainer Majeri als Goalie auf der Ersatzbank

Am Samstag um 18 Uhr empfängt der TV Endingen den HC Kriens-Luzern in der GoEasy-Arena. Coronabedingt müssen die Endinger dabei auf zwei Leistungsträger verzichten: Topskorer Justin Larouche ist nach einem Kontakt mit einer mit Corona infizierten Person in Selbstisolation, genau wie Stammgoalie Vit Schams.

Anstelle von Schams wird gegen Kriens-Luzern der zweite Goalie Yves Imhof zwischen den Pfosten stehen. Weil die Endinger für den zweiten offenen Platz im Kader nicht rechtzeitig einen Ersatz aufbieten konnten, kommt es zu einer skurrilen Rochade: Trainer Zoltan Majeri, der vor seiner Trainerkarriere jahrelang Erfahrungen als Handballgoalie sammelte, wird seine Spielerlizenz aktivieren und als Ersatzmann auf der Bank Platz nehmen, wie Majeri am späten Freitagabend der AZ mitteilte.

Neben Larouche und Schams werden auch die Namen von Joel Huesmann, Yannick Mühlebach und Killian Hirsbrunner auf der Kaderliste fehlen. Rückraumspieler Huesmann ist wegen privaten Gründen vom Spiel freigestellt worden. Backup-Kreisläufer Killian Hirsbrunner, der nach einem auskurierten Fingerbruch wieder einsatzfähig gewesen wäre, steckt – wie Larouche und Schams – in häuslicher Quarantäne. Und Flügelspieler Mühlebach muss wegen einer Kopfverletzung pausieren.

Die Ausfälle stellen einen herben Verlust für die gebeutelten Endinger dar, für die es gegen den Tabellenfünften Kriens-Luzern damit noch schwieriger wird, wichtige Punkte im Abstiegskampf zu holen. Eine Spielverschiebung kommt für den TV Endingen jedoch nicht in Frage. Eine solche ist gemäss Protokoll der Liga nur dann vorgesehen, wenn mehr als fünf Spieler coronabedingt – das umfasst sowohl positiv getestete als auch in Quarantäne versetzte Spieler – nicht zur Verfügung stehen. (frh)

Verfolgen Sie die Partie am Samstag ab 18 Uhr bei uns im Livestream.