John Koch will mehr, als einfach nur dabei sein beim grossen Hosenlupf in der Zug-Arena. Der athletische Farmersohn ist einer von vier Kanadaschweizerin, die an diesem Wochenende am 45. Eidgenössischen Schwingfest teilnehmen. Kochs Eltern waren 1984 in die kanadische Provinz Ontario ausgewandert, seine Wurzeln liegen in Meisterschwanden.

Die Szene beim Empfang in Richterswil war symptomatisch: Der 1,93 m grosse und 112 kg schwere Schwinger streift sich das offizielle T-Shirt des kanadischen Teams in Grösse L über, aber es spannt zu sehr. Koch muss mit Thomas Badat, der nominellen Nummer 1 der Kanada-Schwinger, das Leibchen tauschen. Grösse XL passt knapp.

Der 28-jährige Farmer Koch, der mit seiner Familie in Saint-Pascal eine 800-Hektaren-Farm mit 300 Kühen betreibt, tritt zum zweiten Mal nach 2016 an einem Eidgenössischen an. Zwölf Kränze hat er in Kanada erkämpft, einen in diesem Jahr in den USA.

Bestes Training in Meisterschwanden

John Kochs Problem ist das Schwingertraining. Der einzige Schwingklub in Kanada, der «Club de lutte Suisse du centre du Québéc», ist zu weit entfernt. Für ein einziges Sägemehltraining müsste er zweimal vier Stunden Auto fahren. Deshalb beschränkt er sich auf die vier Schwingfeste bei den Québécois und trainiert meist alleine. Trotzdem hat er bei sich zu Hause einen kleinen Schwingplatz mit Sägemehl installiert, eingefasst mit Heuballen.

Während in anderen Jahren Praktikanten auf dem Hof als Sparringpartner herhalten mussten, ergab sich in dieser Saison eine geradezu ideale Trainingssituation. Nur eine halbe Stunde von Kochs Farm entfernt absolviert der Luzerner Matthias Elmiger ein Praktikum. Mit ihm übt Koch seit Monaten einmal wöchentlich in den Schwinghosen.

Aber: Das beste Training bestritt Koch während eines dreiwöchigen Aufenthaltes bei seinen Grosseltern in Meisterschwanden zu Beginn dieses Jahres. Da absolvierte er zwölf Schwingereinheiten bei den Aarauern und Freiämtern. Er unterzog sich sogar zwei knüppelharten Trainingseinheiten bei Schwingerkönig Matthias Sempach in Kilchberg. Die verbesserte Technik vertieft er seither in Kanada mit Elmiger.

Mit Kranzgewinn gekrönter Abstecher nach Kalifornien

Beim Empfang in Richterswil staunte Spitzenschwinger Samir Leuppi nicht schlecht, als John Koch von seinem Schwingfestbesuch im kalifornischen Truckee erzählte. «Wie lange bist du dorthin gefahren?», fragte der Winterthurer, worauf der Kanadier entgegnete: «Fünf Stunden geflogen.» Immerhin bezahlten die Amerikaschweizer dem willkommenen Gast die Hälfte des Fluges und gewährten ihm Kost und Logis.

Koch bekam an der US-Westküste bestätigt, dass die «Amis» ein höheres Schwingerniveau als die Kanadier aufweisen. Das Fest gewann Jakob Schallberger, der ebenfalls für Zug qualifiziert ist. Koch war ihm im ersten Gang unterlegen. Immerhin kehrten er und sein Schweizer Trainingskollege mit jeweils einem Kranz nach Kanada zurück.

Sechs Gänge sein grosses Ziel

Kurz danach tankte John Koch beim Bundesfeierschwinget in der Québec-Skistation Mont Sutton neues Selbstvertrauen. Er meisterte im Schlussgang Roger Koch, der in Zug ebenfalls sein zweites Eidgenössisches bestreitet.

Vor drei Jahren hatte der Ontarier John Koch in Estavayer-le-Lac einen Nordostschweizer bezwungen, was aber nicht für den Ausstich am Sonntag reichte. Dies will er nun nachholen. «Mein grosses Ziel ist, diesmal sechs Gänge zu bestreiten», sagt der ehrgeizige Kanadier mit Seetaler Wurzeln.

Er habe nebst dem Schwingertraining mit Elmiger jede Woche bis zu zehn Stunden Kraft- und Ausdauertraining absolviert. «Ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich auf den Wettkampf», sagt der Farmer und strahlt dabei Zuversicht aus.