Winterhilfe Aargau

FC Aarau: So kämpft Spieler Olivier Jäckle gegen unsichtbare Armut

Olivier Jäckle ist seit 2012 im FCA-Profiteam

Olivier Jäckle ist seit 2012 im FCA-Profiteam

Der FC Aarau und sein Mittelfeldspieler Olivier Jäckle setzen sich im Rahmen der aktuellen Themenwoche der Swiss Football League für sozial schwächere Menschen ein. Das kommende Heimspiel gegen Vaduz ist der Winterhilfe Aargau gewidmet.

Insgesamt nehmen 15 Vereine der Swiss Football League (SFL) an der Themenwoche teil und setzen sich so dafür ein, Fussball für alle zu ermöglichen und werben für Verständnis für Menschen, die von Armut betroffen sind. Der FC Aarau widmet sein nächstes Heimspiel am Sonntag, 10. November 2019 gegen den FC Vaduz der Winterhilfe Aargau, die Menschen im Kanton unterstützt, die von – oft unsichtbarer – Armut betroffen sind.

Olivier Jäckle, Mittelfeldspieler beim FC Aarau: «Als Profifussballer setze ich mich dafür ein, dass jedes Kind die Chance erhalten soll, Fussball zu spielen.» Denn Fussball bringe die Menschen zusammen und es sei egal, wie viel jemand habe oder auch nicht. (Nicht Jäckles erstes soziales Engagement, wie man hier lesen kann)

Olivier Jäckle setzt sich ein für sozial schwächere Kinder

Dass es auch in der Schweiz Armut gibt, ist vielen unbekannt. Armut bedeutet die Unterversorgung in den wichtigsten Lebensbereichen. Der im Wohnland übliche Lebensstandard kann nicht erreicht werden. Gemäss Bundesamt für Statistik sind 2019 in der Schweiz 675'000 Personen von Armut betroffen. Armut hat viele Auswirkungen: kein Geld für den Bus, den Schwimmbad-Besuch, ein Velo oder für die Fussballschuhe. Von Armut betroffene Kinder sind nicht nur öfter krank, sondern können sozial ausgegrenzt werden. Dabei ist es eben diese soziale Integration, die Kinder unterstützt, der «vererbten» Armut zu entkommen, wie der emeritierte Professor und Armutsforscher Ueli Mäder in einem Videobeitrag der Swiss Football League Themenwoche 2019 bestätigt: «Ein Kind, das in einer armutsbetroffenen Familie aufwächst, ist viel mehr gefährdet, selbst wieder arm zu werden.»

Darum hat die Winterhilfe 2012 das Förderprogramm Empowerment Kinder in Zusammenarbeit mit der Roger Federer Foundation ins Leben gerufen. Benachteiligte Kinder erhalten die Möglichkeit, einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung (meist Sport oder Musik) nachzugehen und werden so gefördert. Auch die Eltern profitieren davon, wie eine Wirkungsanalyse im Jahr 2016 zeigte. Viele der Eltern gaben an, dass sie durch die Mitgliedschaft der Kinder in einem Klub selbst in dessen Aktivitäten eingebunden wurden und die oft mit der Armut einhergehende Isolation durchbrechen konnten. Aktuell nehmen mehr als 900 Kinder in der ganzen Schweiz am Empowerment-Projekt teil.

Neben der Unterstützung für Kinder übernimmt die Winterhilfe dringende Rechnungen, zum Beispiel für den Arzt, und gibt Second-Hand-Kleider, -Betten und -Schultheks ab. Der Auftrag der Winterhilfe ist es, das Leben von Menschen in Not zu erleichtern und sie vor dem Abrutschen in die Sozialhilfe zu bewahren. Übrigens: Armut kennt keine Jahreszeiten und dementsprechend ist die Winterhilfe das ganze Jahr hindurch aktiv.

Wenn am Sonntag. 10. November um 15 Uhr der Schiedsrichter das Heimspiel des FC Aarau gegen den FC Vaduz im Stadion Brügglifeld anpfeift, beginnen 90 ganz besondere Minuten für die Winterhilfe Aargau. Denn erstmals in der Geschichte des Hilfswerk ist eine solche Zusammenarbeit zustande gekommen. Nicht nur Olivier Jäckle, der gesamte Club setzt sich für die Winterhilfe und damit für Menschen ein, die von – oft unsichtbarer – Armut betroffen sind. Regina Jäggi, Präsidentin der Winterhilfe Aargau, sagt: «Wir sind überwältigt! Der FC Aarau ermöglicht uns einen ganz grossen Auftritt.» Nicht das Spendensammeln steht am 10. November im Zentrum des Geschehens. «Wir wollen», sagt Regina Jäggi, «darauf aufmerksam machen, was es bedeuten kann, wenn sich eine Familie zum Beispiel den Vereinsbeitrag für den Fussballclub des Kindes nicht leisten kann.» Denn über Armut wird in der Regel nicht gesprochen. (az)

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