Challenge League

FCA-Toptorschütze Liridon Balaj und das spezielle ­Wiedersehen mit seinen Liebsten

Liridon Balaj erzielte in der vergangenen Saison acht Treffer.

Liridon Balaj erzielte in der vergangenen Saison acht Treffer.

Warum der 20-jährige Aarauer Flügelstürmer Liridon Balaj die Ferien mit seiner Familie nicht im Kosovo sondern in der süd­albanischen ­Hafenstadt Vlora verbringt.

Bei der Wahl einer Fachjury zum besten Spieler des FC Aarau in der abgelaufenen Saison wurde Liridon Balaj hinter Sieger Elsad Zverotic, Olivier Jäckle und Markus Neumayr Vierter. Eine gute Klassierung für einen Spieler, den man vor kurzer Zeit kaum auf dem Radar hatte.

Balaj ist beim FC Aarau so etwas wie der Mann der Stunde. In bester Erinnerung bleiben seine drei Tore beim spektakulären 5:4-Sieg gegen Aufsteiger Lausanne und sein Doppelpack beim 2:2 gegen die Grasshoppers. Mit seinen acht Treffern teilt sich Balaj mit dem früheren Klassestürmer und Goalgetter Marco Schneuwly die Rolle des FCA-Torschützenkönigs der Meisterschaft 2019/20.

Der schnelle, trickreiche und unberechenbare Balaj sorgt momentan sportlich für Schlagzeilen. Er ist der Aufsteiger der Saison. Interessant ist auch eine Geschichte mit Balaj in der Hauptrolle, die nichts mit Fussball zu tun hat. Weil der 20-Jährige seine Eltern und seine Schwester seit März dieses Jahres nicht mehr gesehen hat, war ursprünglich geplant, dass er seine Familie Anfang August im Kosovo besuchen wird.

Kurzfristige Flug-Umbuchung

Der Flug nach Pristina war bereits gebucht. Von der kosovarischen Hauptstadt wäre Balaj mit dem Auto ins rund 100 Kilometer entfernte Dorf Decan gefahren. Dort wohnt seine Familie. Der Flügelstürmer des FC Aarau wäre eine Woche im Kosovo geblieben, hätte nach der Rückkehr in die Schweiz allerdings für zehn Tage in Quarantäne gehen müssen.

Der Grund: Die Schweiz hat den Kosovo wegen Corona auf die Liste der Risikoländer genommen. Weil der FC Aarau mit den Vorbereitungen auf die neue Saison am Montag, 17. August, beginnen wird, hätte Balaj zwei Trainingseinheiten verpasst.

Alles für die Karriere als Profi-Fussballer

Aarau-Trainer Stephan Keller und Sportchef Sandro Burki gaben Balaj die Erlaubnis für die Reise in den Kosovo. «Wegen Corona haben wir unsere Spieler vor der zweiwöchigen Pause nochmals aufgefordert, die grundsätzlichen Sicherheitsregeln zu befolgen», sagt Burki.

«Im Fall von Liridon Balaj ist die Situation speziell. Er hat seine Familie seit mehr als vier Monaten nicht mehr gesehen. Dass er sich nach einem Wiedersehen sehnt, ist verständlich. Deshalb waren wir mit seiner Reise in den Kosovo von allem Anfang an einverstanden. Wir hätten nach Balajs Rückkehr darauf geachtet, dass es ihm an nichts fehlt und dass er die nötigen Sicherheitsmassnahmen einhält.»

Kurz vor dem Flug nach Pristina kam alles anders. Ganz anders. Einerseits wollte Balaj das Risiko, in den Kosovo zu reisen, plötzlich nicht mehr eingehen, andererseits wollte er den Trainingsstart mit dem FC Aarau auf keinen Fall verpassen. Die Karriere als Profi ist für den aufstrebenden Offensivspieler das ein und alles. Die Chance, früher oder später von einem Grossklub verpflichtet zu werden und einen lukrativen Vertrag zu bekommen, will er nützen. Um jeden Preis!

Vorgezogene Geburtstagsparty in Albanien?

Damit Liridon Balaj seine Familie trotzdem sehen kann, trifft er seinen Vater, seine Mutter und seine Schwester jetzt in Albanien, das nicht auf der Liste der Risikoländer der Schweiz figuriert. Die Balajs werden in dieser Woche in der südalbanischen Hafenstadt Vlora Ferien machen.

Die Stadt mit 80'000 Einwohnern liegt an der Strasse von Otranto, der engsten Stelle der Adria. Die Bucht von Vlora und die zahlreichen Strände in Stadtnähe sind beliebte Ziele von Touristen aus aller Welt.

Ob Ferien im Kosovo oder Ferien in Albanien: Der FC Aarau zeigt Herz! Es ist schön, dass Präsident Philipp Bonorand, Trainer Keller und Sportchef Burki Liridon Balaj das Wiedersehen mit seiner Familie ermöglichen.

Bleibt allerdings ein klitzekleines Problem, welches die Familie Balaj in den kommenden Tagen lösen muss: Liridon wird am 15. August 21 Jahre alt, kehrt aber schon einige Tage vorher in die Schweiz zurück. Was tun, damit die Balajs den Geburtstag trotzdem gemeinsam feiern können? Ganz einfach! Die kleine Party zu Ehren des jungen Mannes wird wohl um einige Tage vorverschoben.

Na dann, Happy Birthday!

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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