Fussball

Fiebermessen und spezielles Waschmittel: So kehrt der FC Aarau auf den Trainingsplatz zurück

Nach über zwei Monaten Pause kehrt der FCA am 25. Mai ins Mannschaftstraining zurück

Nach über zwei Monaten Pause kehrt der FCA am 25. Mai ins Mannschaftstraining zurück

Zurück in den Trainingsalltag? Nicht ganz: Pässe, Zweikämpfe, Schüsse, Paraden und Grätschen sind wieder erlaubt – doch sonst gibt Corona den Takt vor, wenn der FC Aarau am Montag 25. Mai das Mannschaftstraining wieder aufnimmt.

Versetzen wir uns in einen Spieler des FC Aarau – nennen wir ihn Max – der am kommenden Montag erstmals seit dem 16. März wieder zum Training im Brügglifeld erscheint. So in etwa könnte sein Tag ablaufen:

Gemischte Gefühle:
Kurz vor 14 Uhr fährt Max auf den Parkplatz zwischen Keba und Brügglifeld. So wie immer. Aber jetzt sind da Vorfreude, kein Wunder nach über zwei Monaten ohne persönlichen Kontakt mit den Teamkollegen – aber auch Skepsis: Wie wird es sein, Training unter Corona?

Der erste Teamkollege kommt um die Ecke, im Gesicht eine Schutzmaske und mit Handschuhen. Wer mit dem ÖV anreist, muss dies mit Maske und Handschuhen tun. So steht es im Schutzkonzept, gleichzeitig das Regelheft, das FCA-Geschäftsführer Roland Baumgartner allen Angestellten  zugeschickt hat.

Die beiden Spieler winken sich zu, aufs Trainingsgelände aber geht jeder allein. Der Weg führt Max nicht wie üblich durch den Gästesektor und die Geschäftsstelle in die Spielerkabine unter der Brügglifeld-Tribüne, sondern Richtung Keba. Dort hat sich am Eingang zu den Rasenfeldern bereits eine Schlange gebildet, es sind die Teamkollegen, die am «Medical Checkpoint» im Zwei-Meter-Abstand anstehen. Physiotherapeut Phil Tiernan misst jedem Spieler Fieber, jeder muss zudem einen Fragebogen zu seinem Wohlbefinden ausfüllen. Ohne diesen täglichen Check kommt keiner aufs Gelände.

Salutieren wie ein Soldat:
Umziehen muss sich Max in der grossen Keba-Garderobe, wo sich normalerweise die Besucher des Ausseneisfeldes ihre Schlittschuhe schnüren. Die Spieler sind aufgeteilt auf mehrere Kabinen, das Schutzkonzept verlangt 10 Quadratmeter Platz pro Spieler. Drei Mitspieler sind schon da, Max freut sich, die Jungs wieder in echt zu sehen, und salutiert wie ein Soldat, Körperkontakt ausserhalb des Spielfeldes ist verboten. Peinliche Kabinenbilder wie jene aus Berlin, wo sich Spieler und Trainer entgegen allen Vorgaben mit Handschlag begrüssten, sollen vermieden werden. «Ihr seid Vorbilder und steht unter besonderer Beobachtung», appelliert der FCA an seine Fussballer.

Im Regelheft steht auch: «Die Spieler fahren in frisch gewaschenen Kleidern zum Training.» Um die hohen Qualitätsansprüche an die Reinigung und Hygiene garantieren zu können, wird am Montag auch die FCA-Wäscherei den Betrieb wieder aufnehmen – im Coronamodus: Schutzmaske und Handschuhen sind Pflicht. Um die Kleider nicht  nachbehandeln zu müssen, wurde ein Waschmittel mit integriertem Desinfektionsmittel angeschafft, wie es Spitäler oder Altersheime benutzen. Weit vor dem Eintreffen der Spieler bringt das Wäschepersonal die Kleider in die Kabinen und stellt Körbe für die Rückgabe auf. Diese werden erst eingesammelt, wenn die Spieler längst auf dem Heimweg sind.

Endlich auf dem Platz:
Dann, endlich, betritt Max das erste Mal seit zwei Monaten wieder einen Fussballplatz. Sofort schnappt er sich einen Ball, beginnt diesen mit einem Teamkollegen zu jonglieren, dabei kommen sich die beiden immer wieder näher als die obligaten zwei Meter. «E chli witer usenand», mahnt Konditionstrainer Norbert Fischer, der kurz darauf die Spieler zusammenruft. Während er das Warm-up erklärt, müssen die Spieler Abstand halten, über den ganzen Mittelkreis verteilt sich die Gruppe. Das Social Distancing ist nur während der Trainingsübungen ausgesetzt.

Duschen nicht erlaubt:
Ein paar Passübungen und ein «Mätschli», das war’s – im ersten Training sollen sich die Spieler langsam wieder an ihren Beruf herantasten, wegen der hohen Temperaturen fliesst der Schweiss dennoch in Strömen. Doch nach der Verabschiedung durch Chefcoach Patrick Rahmen schlüpfen die Spieler verschwitzt in ihre Privatkleider – Duschen vor Ort ist vorerst nicht erlaubt.

Ausser, ein Spieler braucht eine Behandlung: Max zwickt es seit ein paar Tagen im Rücken, wahrscheinlich hat er es im Home-Office mit den Liegestützen übertrieben. Er darf in der dafür vorgesehen Dusche in einer speziellen Keba-Garderobe duschen und begibt sich anschliessend rüber ins Stadion: Dort geht er durch den mit Gittern errichteten Korridor via Spielfeld in den Tribünenkeller, zieht Maske und Handschuhe an und legt sich auf die Massagebank.

Maskenpflicht gilt auch auf der Geschäftsstelle, sobald sich die Mitarbeiter von ihren Arbeitsplätzen erheben. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, trennt der FCA die Angestellten in zwei Gruppen: In Geschäftsstellen-Mitarbeiter, die sich ausschliesslich im Bürotrakt bewegen dürfen. Und in Spieler, Trainerstab und Betreuer der Profimannschaft, die nur mit Sondererlaubnis hinter die Stadionmauern dürfen. Generell gilt: Personen, die nicht auf der Liste der Zutrittsberechtigten stehen, haben keinen freien Zugang zu den Sportanlagen.

Desinfizierte Hütchen:
Gerade, als er ins Auto steigen will, erspäht Max auf dem Trainingsplatz Assistenztrainer Stephan Keller, der Bälle, Hütchen, Stangen und Freistoss-Dummies mit Desinfektionsmittel besprüht. Der FCA hat dafür spezielles, umweltfreundliches Desinfektionsmittel kaufen müssen, weil das handelsübliche den Rasen schädigt.

Im Auto seufzt Max und erinnert sich an die Worte, die ihm einst ein Trainer eintrichterte: «Fussball ist ein einfaches Spiel!»

Meistgesehen

Artboard 1