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Formel-1-Hoffnung vor Showdown: «Auf dieser Strecke bin ich sehr schnell»

Der Rothrister Fabio Leimer kann am Wochenende in Abu Dhabi die GP2-Gesamtwertung für sich entscheiden. Damit wäre er dem Ziel Formel 1 einen Schritt näher, denn die GP2 gilt als Vorstufe zur Formel 1.

Melanie Gamma und Michael Wyss
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Fabio Leimer ist startklar für den Showdown.

Fabio Leimer ist startklar für den Showdown.

GP2-Media

Wie haben Sie die Zeit seit den letzten Rennen Ende September in Singapur genutzt?

Fabio Leimer: Es war ein sehr langer Unterbruch. In den ersten Wochen habe ich ein bisschen weniger gemacht, mir eine Pause gegönnt. Dann hat aber bereits wieder die Vorbereitung für Abu Dhabi begonnen. Abschalten kann man nie hundertprozentig, wenn man weiss, dass noch ein Rennen zu fahren ist.

Sie hatten nach dem letzten Rennen in der Auslaufrunde einen Zusammenstoss mit Alexander Rossi und erlitten dabei eine Verstauchung an der rechten Hand. Wie geht es der Verletzung?

Ich verspürte noch zwei Wochen lang leichte Schmerzen, aber mittlerweile ist alles wieder tipptopp.

Die Ausgangslage vor der Entscheid

In Abu Dhabi fällt am Wochenende die Entscheidung um den Meistertitel in der GP2-Rennklasse. Der Rothrister Fabio Leimer ist als Leader der Gesamtwertung der Gejagte. Auf dem letzten Abschnitt seines Weges zum ersehnten Titel hat Leimer auf dem Yas Marina Circuit wohl nur noch einen Konkurrenten zu fürchten - den Briten Sam Bird, der in der Gesamtwertung lediglich sieben Punkte zurückliegt. Mit einem Sieg im Hauptrennen vom Samstag kann der 24-Jährige den Titel holen und so die Chance auf den Sprung in die Formel 1 erhöhen. Die GP2-Meisterschaft ist bekanntermassen die Vorstufe zur Formel 1. Erfolgreiches Wirken macht einen Fahrer selbstredend zum Thema für den Aufstieg in die Elite-Klasse. Leimer hat einen Startplatz in der Formel 1 längst offiziell zu seinem Ziel erklärt. Wie es um seine Möglichkeiten steht, ist schwierig abzuschätzen - selbst als Gesamtsieger in der GP2-Serie.
Als Gesamt-Erster der 2005 als Nachfolgerin für die Formel 3000 ins Leben gerufenen GP2-Serie würde Leimer Nachfolger anerkannter Grössen wie Nico Rosberg, Lewis Hamilton, Nico Hülkenberg, Pastor Maldonado und Romain Grosjean. Einen Titel ähnlicher Strahlkraft hatten vor Leimer erst zwei Schweizer gewonnen. Clay Regazzoni und Marc Surer waren 1970 respektive 1979 Europameister in der Formel 2 geworden. Die 1967 gegründete Serie wurde 1985 von der Formel 3000 abgelöst. (gam/sda)

Nach den beiden Rennen in Monaco Ende Mai betrug Ihr Rückstand auf den damaligen Leader Stefano Coletti in der Gesamtwertung bereits 66 Punkte. Haben Sie zu diesem Zeitpunkt noch an einen möglichen Gesamtsieg geglaubt?

Sicher, wir waren erst am Anfang der Saison. Es kann schnell was passieren und man hat die Punkte gutgemacht. Mein Ziel war es, immer noch an die Meisterschaft zu glauben. Am Schluss hat es auch funktioniert. Ich war konstant in den ersten Fünf und Coletti begann zu schwächeln. So konnte ich die Punkte schnell wieder aufholen und ihn mittlerweile sogar um mehr als 40 Punkte distanzieren.

Nach einem guten Start mit zwei Siegen in den ersten drei Rennen haben Sie Mitte der Saison in sieben Rennen nur einmal gepunktet.

In Monaco und Barcelona wurde ich Opfer von Unfällen. Danach hatten wir bei zwei Rennen Probleme mit dem Auto. Wir fingen uns aber sehr schnell und sind wieder auf Speed gekommen. In einer Meisterschaft erleben das alle, dass man ein, zwei Rennen untendurch muss. Die entscheidende Frage ist, wie schnell man aus einem Loch herausfindet.

Seit dem GP von Deutschland auf dem Nürburgring läuft es, was hat sich Anfang Juli geändert?

Nicht viel. Am Schluss kann man auch nicht sagen, weshalb es so gekommen ist. Es kann an einer Kleinigkeit liegen, dass man plötzlich wieder lockerer fährt.

Vor den letzten beiden Rennen am Wochenende in Abu Dhabi beträgt Ihr Vorsprung auf den ersten Verfolger Sam Bird sieben Punkte. Wie beruhigend ist dieses Polster?

Das Polster ist sehr klein, wenn man bedenkt, dass man in einem Rennen 25 Punkte holen kann, aber es ist gleichzeitig auch viel, weil wir in den letzten vier Rennen immer ähnlich stark waren. Er muss wirklich ein sehr gutes Rennen zeigen, um die sieben Punkte aufzuholen – immer, sofern ich ins Ziel komme. Für mich ist klar, ich will in Abu Dhabi die Poleposition holen und das Hauptrennen gewinnen, das wäre die einfachste Variante, auch die Meisterschaft zu gewinnen.

Worauf gilt es auf dem Yas Marina Circuit zu achten?

Es ist eine sehr schwierige Strecke. Die erste Hälfte ist sehr schnell und der zweite Teil ist dann fast wie in einem Stadtkurs – eng und die Mauern sind sehr nahe. Man muss die richtige Balance finden.

2011 haben Sie das Hauptrennen in Abu Dhabi gewonnen und danach den Sauber C30 getestet. Mit welchen Emotionen reisen Sie nach Abu Dhabi zurück?

Mit sehr positiven Gefühlen. Ich habe dort mein allererstes GP2-Rennen bestritten und kam im Qualifying auf Anhieb auf Rang drei. Ausserdem habe ich in Abu Dhabi das letzte Rennen gewonnen. Auf dieser Strecke bin ich immer sehr schnell.

Wie realistisch wäre es bei einem GP2-Meistertitel, dass der Sprung in die Formel 1 klappt?

Das ist im Moment sehr schwierig zu sagen. Klar ist, dass, wenn ich die Meisterschaft für mich entscheiden könnte, die Chancen gross wären – auf jeden Fall grösser, als wenn ich Zweiter würde. Aber man muss immer noch ein freies Cockpit finden und das ist derzeit nicht so einfach.

Welche anderen Optionen gäbe es?

Es gibt viele Möglichkeiten: DTM oder Indycar in Amerika oder auch Langstreckenrennen. Aber das schauen wir erst nach dem letzten Rennen an. Momentan gilt die volle Konzentration Abu Dhabi.

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