Challenge League

Für Alessandro Ciarrocchi war es ein ganz grosser Abend gegen Chiasso

Mit zwei Toren und einem Assist war Aaraus Stürmer Alessandro Ciarrocchi der Mann des Spiels.

Mit zwei Toren und einem Assist war Aaraus Stürmer Alessandro Ciarrocchi der Mann des Spiels.

Der Stürmer führt den FC Aarau mit zwei Toren und einem Assist zum 3:0-Sieg über den FC Chiasso

Das Zuspiel kommt von Patrick Rossini. Der Aarauer Captain hat gesehen, wie Alessandro Ciarrocchi auf der linken Seite die letzten Reserven seines Energietanks anzapft und Richtung Tor des FC Chiasso rennt.

Als Ciarrocchi den Ball dann in seinen Füssen hat, muss er sich entscheiden: Schiessen oder passen? Der Tessiner Goalie Francesco Russo ist zwar auf dem Weg, die kurze Torecke zu schliessen, doch noch ist diese offen und Ciarrocchi hätte, so sieht es von der Tribüne aus, noch eine Sekunde Zeit gehabt, die Kugel ins Netz zu spedieren.

Challenge League, 2017/2018, 17. Runde, FC Aarau - Chiasso, 1:0 Alessandro Ciarrocchi

6. Minute: Gleich am Anfang fällt das erste Tor für den FC Aarau. Alessandro Ciarrocchi, der als wichtigster FC Aarau-Spieler vom Platz geht, ist der Torschütze.

Statt auf sich zu schauen, gibt er ab

Doch der bullige Stürmer, der den FC Aarau vor der Pause mit zwei Toren (6./37.) in klassischer Torjägermanier 2:0 in Führung gebracht hat, hebt kurz den Kopf und entdeckt, wie sich im Zentrum Michaël Perrier in Position bringt. Der zähe Dauerläufer im Mittelfeld, der seit anderthalb Jahren kein Ligator mehr geschossen hat.

Doch das ist Ciarrocchi in diesem Moment natürlich nicht bewusst. Aber auch nicht, welche grosse Chance für ihn in diesem Augenblick auf dem Silbertablett liegt. Noch nie in seiner mittlerweile elfjährigen Profikarriere sind ihm in einem Meisterschaftsspiel drei Tore gelungen.

Challenge League, 2017/2018, 17. Runde, FC Aarau - Chiasso, 2:0 Alessandro Ciarrocchi

37. Minute: Nach einem Assist von Patrick Rossini, schiesst Alessandro Ciarrocchi sein 2. Tor und macht somit eine 2:0-Führung gegen Chiasso klar.

Vier Doppelpacks

Doppelpacks hat er schon vier geschnürt; den ersten 2011 mit Bellinzona gegen Etoile Carouge, den bis zum Samstag letzten vor drei Jahren mit Chiasso gegen Locarno. Aber einen Hattrick, nein, dieses Kunststück, das sich jeder Mittelstürmer fürs Palmarès wünscht, hat er noch nie geschafft.

Challenge League, 2017/2018, 17. Runde, FC Aarau - Chiasso, 3:0 Michael Perrier

69. Minute: Diesmal ist nicht Alessandro Ciarrocchi der Torschütze, sondern "nur" der Vorleger vom Torschützen Michael Perrier.

Was also macht Ciarrocchi? Schiessen oder passen?

Er hätte sich sagen können: Tasar hat auch geschossen, statt den Ball zu mir zu schieben. Eine Viertelstunde zuvor hätte Varol Tasar den Ball Ciarrocchi zum Hattrick auflegen können, ist aber zu eigensinnig gewesen und an Russo gescheitert.

Ciarrocchi hätte sich nun sagen können: Wie ihr mir, so ich euch! Aber er stellt sein Ego hinten an und spielte den Ball millimetergenau zum 3:0 in den Lauf von Perrier.

«Stimmt, das wäre mein erster Hattrick gewesen, aber ich bin auch so überglücklich. Zwei Tore und ein Assist − eine solche Bilanz schafft man auch nicht jeden Tag», sagt Ciarrocchi.

Beachtlicher Leistungsausweis

Erst zum fünften Mal in dieser Saison ist er, der schon im Alter von 18 Jahren mit bescheidenem Erfolg sein Glück in der italienischen Serie B bei Piacenza gesucht hat, in der Startformation gestanden.

Daher ist sein aktueller Leistungsausweis von fünf Treffern durchaus beachtlich. «Auf einen Moment wie diesen habe ich lange gewartet», sagt der 29-Jährige. Sechs Minuten vor Schluss hat er das Spielfeld humpelnd verlassen und ist danach mit einem Eisbeutel am Knöchel in die Kabine gegangen.

FC Aarau-FC Chiasso 3:0 – Stimmen zum Spiel

FC Aarau-FC Chiasso 3:0 – Stimmen zum Spiel

Interviews mit den Torschützen Alessandro Ciarrocchi und Michael Perrier sowie mit Cheftrainer Marinko Jurendic.

Gute Laune

Ob ihn die Verletzung verfrüht in die Winterpause zwingt oder er das abschliessende Spiel am Sonntag in Rapperswil bestreiten kann, bleibt abzuwarten.

An diesem Abend kann diese Blessur der guten Laune Ciarrocchis jedoch nichts anhaben. Er hat keine einfachen Monate hinter sich, ist oft auf der Ersatzbank gesessen und es ist auch schon darüber spekuliert worden, ob der 1,90-Meter-Mann den FC Aarau in der Winterpause verlassen müsse oder wolle.

Während am Samstag vor dem Spiel nun aber Stéphane Besle, Ivan Audino und Paulinho vom FC Aarau verabschiedet worden sind, ist ein Wegzug von Ciarrocchi kein Thema mehr. «Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich jene Rolle annehme, die er mir zuteilt», sagt der Stürmer.

«Ich will nicht weg vom FC Aarau und fühle mich wohl hier.» Klar sei es nicht immer einfach gewesen, aber seine Familie mit der kleinen Tochter habe ihm viel Energie gegeben.

Negative Gedanken schaden

«Ich habe auch gespürt, dass die Mannschaft zu mir steht und versucht, keine negativen Gedanken aufkommen lassen. Solche schaden nur. So sehe ich das Leben.»

Und er vergisst nicht, sich bei Rossini und Tasar zu bedanken, die ihm die beiden Tore mit guten Pässen ermöglicht hätten. «Heute haben wir mit Herz gespielt», sagt Ciarrocchi, «aber das dürfen die Fans des FC Aarau von uns auch erwarten.»

Höchster Saisonsieg

Das sieht Marinko Jurendic nicht anders. Dem Aarauer Trainer ist ein Stein vom Herzen gefallen nach dem höchsten Saisonsieg. Der auch nach dem Platzverweis von Gilles Yapi nicht mehr in Gefahr geraten ist, weil Chiasso nach der roten Karte gegen Bruno Martignoni ebenfalls nur noch zu zehnt auf dem Platz gestanden ist. Und der mit einer guten, konzentrierten Leistung und dank seltener Zielstrebigkeit errungen worden ist.

«Bobo (Spitzname von Ciarrocchi; die Red.) hat in dieser Saison viel leiden müssen, weil ich mich für Patrick Rossini als Stossstürmer entschieden habe», sagt Jurendic.

«Gut, dass wir Bobo haben»

«Aber er hat einen Topcharakter und seine Rolle total positiv angenommen. Ich bin froh, dass wir Bobo haben», sagt Jurendic. «Ich mag es ihm von Herzen gönnen, dass er das Team und sich selber mit zwei Toren beschenkt hat.» Und natürlich auch den in die Kritik geratenen Trainer.

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