Glücklich über den Punkt oder verärgert über den verpassten Sieg? Am Ende sind aus Sicht des FC Aarau beide Gefühlswelten erlaubt. Die letzte Torchance der Partie gehörte den Gästen und die Direktabnahme des eingewechselten Patrick Rossini flog nur haarscharf am Pfosten vorbei, so dass der Ball in der Nachspielzeit genauso gut hätte reingehen können.

Andererseits beanspruchten die Aarauer zuvor in mehreren Aktionen das Glück - und vor allem das Können von Goalie-Debütant Nicholas Ammeter. In der 54. und in der 73. Minute landeten die Abschlüsse der Winterthurer Callà und Sliskovic nach starken Einzelaktionen am Pfosten. Und Schiedsrichter Stephan Klossner verweigerte dem Heimteam in der 57. Minute den Führungstreffer zum 2:1, weil sein Assistent Torschütze Roman Buess im Abseits sah - eine hauchdünne, aber wohl richtige Entscheidung. Glücklich insofern für den FCA, weil manch anderer Linienrichter in dieser Szene die Fahne nicht hochgehalten hätte.

Nun zum 18-jährigen Ammeter: Bereits in der 8. Minute war er bei einem Taipi-Freistoss gefordert und löste diese schwierige Aufgabe mit Bravour. Vor der Pause rettete er noch zwei Mal stark gegen Sliskovic, in der zweiten Halbzeit gegen Buess und Saliji. Der Auftakt in Winterthur war ein starkes Signal von Ammeter, dass er der Aufgabe im FCA-Tor vom Können her gewachsen ist. Aber Ammeter sagt selbst: "Es war ein guter Anfang. Jetzt gilt es, im nächsten Spiel so weiterzumachen und die Dinge zu verbessern, die nicht so gut waren. Ich denke da an meine Abschläge und das Herauslaufen bei Flanken."

Neben Ammeter war Mats Hammerich die positive Überraschung in der FCA-Mannschaft. Letztmals von Anfang an spielte er im Oktober 2018 im Heimspiel gegen Winterthur, den gleichen Gegner also, gegen den er nun wieder eine Chance in der Startelf erhielt. Weil Olivier Jäckle (verletzt) und Gezim Pepsi (im Aufbautraining) ausfielen. Doch Notnagel Hammerich, dem die FCA-Verantwortlichen in der Sommerpause bei einem Angebot keine Steine in den Weg gelegt hätten, machte seine Sache vor allem in der ersten Halbzeit gut. Die Krönung war sein Tor zum 1:0 in der 29. Minute, als sich Hammerich bei einem Konter in den Winterthurer Strafraum schlich und die perfekte Hereingabe von Giger abgezockt verwertete.

Auch Winterthur hatte in der ersten Halbzeit seine Chancen, Aarau diesbezüglich aber ein Übergewicht: Was wäre gewesen, hätte Markus Neumayr zumindest eine seiner beiden Topchancen verwertet und den FCA so mit einer höheren Führung in die Pause gehen lassen?

Vielleicht wären die Winterthurer nicht so angriffig in die zweite Halbzeit gestartet. In den ersten 20 Minuten nach dem Wiederanpfiff spielte nämlich nur das Heimteam. In diese Phase fielen nicht nur die zwei Pfostenschüsse, sondern auch der verdiente Ausgleichstreffer durch Buess nach Vorlage von Callà.

Nach 65 Minuten musste Callà raus, was dem FC Aarau sichtlich gut tat. Linksverteidiger Damir Mehidic, von Callà schwindlig gespielt, sah wieder Land. Und seine Mitspieler trauten sich wieder über die Mittellinie. Daraus ergaben sich zwei Chancen: Doch Markus Neumayr und der enttäuschende Marco Schneuwly vergaben aus bester Position.

Das Endresultat widerspiegelt die Stärkeverhältnisse von Aarau und Winterthur: Zwei Mannschaften auf Augenhöhe, die sich bei einigermassen normalen Saisonverlauf in der Tabelle bis zum Schluss nah sein werden. Entsprechend klaglos reist der FCA mit einem Auswärtspunkt im Gepäck nach Hause. Dort empfängt er im Brügglifeld am kommenden Samstag den SC Kriens - gegen die Innerschweizer hingegen wäre ein Punkt zu wenig.

Haben Sie die Partie verpasst? Lesen Sie hier alles im Liveticker nach: