FC Aarau

Goalie-Talent Lars Hunn zieht Aarau der Bundesliga vor – auch dank Roger Geissberger

Lars Hunn sagt seinem Gegenüber: «Falls ich überheblich wirke, sagen Sie es mir sofort.»

Lars Hunn sagt seinem Gegenüber: «Falls ich überheblich wirke, sagen Sie es mir sofort.»

Lars Hunn, ein grosses Schweizer Goalietalent, hat sich für den FC Aarau und gegen die Bundesliga entschieden. Er hat seinen Vertrag in Aarau bis 2020 verlängert.

Roger Geissberger, Vizepräsident und Herr über die sportlichen Geschicke beim FC Aarau, hat es nicht einfach: Für viele ist er das Gesicht und der Hauptverantwortliche des FCA-Sinkflugs in den vergangenen Monaten. Doch diese Meldung darf sich Geissberger vor allem auf seine Fahne schreiben: Der 18-jährige Goalie Lars Hunn hat seinen Vertrag bis 2020 verlängert.

Roger Geissberger musste in letzter Zeit viel einstecken. Die vertragliche Bindung von Lars Hunn kann man dagegen als Coup bezeichnen.

Roger Geissberger musste in letzter Zeit viel einstecken. Die vertragliche Bindung von Lars Hunn kann man dagegen als Coup bezeichnen.

Im gleichen Förderprogramm wie Sommer und Benaglio

Wer ist Lars Hunn? Notabene erst 18 Jahre alt? Warum ist diese Meldung eine grössere Story wert? Antwort: Hunn gehört zu den grössten Talenten der Schweiz. Das sagen sie nicht nur in Aarau. Das findet auch Patrick Foletti, Goalietrainer der A-Nationalmannschaft. Dieser Meinung ist man auch im Ausland, etwa beim Bundesliga-Spitzenteam Hoffenheim, das seit Jahren an Hunn baggert.

Und dies wird untermauert durch Hunns Aufnahme ins Programm «Footuro» des Schweizerischen Fussballverbandes, das die vielversprechendsten Talente von fünf Nachwuchsjahrgängen (aktuell 1996 bis 2000) speziell fördert. Hunn ist von 32 Talenten der einzige (!) Goalie. Auf dieser Position ist die Konkurrenz besonders gross, gilt die Schweiz doch als exzellente Goalieschmiede. Hunns «Footuro»-Vorgänger sind mit Diego Benaglio und Yann Sommer die frühere und aktuelle Nummer 1 der Nationalmannschaft. Kurz: Ihn darf man getrost als Talent mit vielversprechenden Perspektiven bezeichnen.

Auch Yann Sommer war im gleichen Förderprogramm wie jetzt Lars Hunn.

Auch Yann Sommer war im gleichen Förderprogramm wie jetzt Lars Hunn.

Geissberger erkannte das Talent

Dieser Hunn hat sich nun entschieden, seinen ersten Profivertrag in Aarau zu unterschreiben. Und nicht bei einem der Interessenten mit grösserem Namen. Dem FC Aarau bleibt sein jüngstes Vorzeigeobjekt erhalten. Dazu, so Hunn, haben die vielen Gespräche mit Geissberger «einen sehr grossen Teil» beigetragen. Doch viel wichtiger: Dank Geissberger ist Hunn überhaupt beim FC Aarau gelandet. Seit den E-Junioren spielte der in Gränichen aufgewachsene und immer noch wohnhafte Hunn beim FC Seengen. Sein Vater war dort Juniorenobmann. Roger Geissberger, seit vielen Jahren Veteranen-Goalie in Seengen, erkannte Hunns Talent und brachte ihn 2010 ins Probetraining beim FC Aarau.

Wächst er noch?

Sieben Jahre später sitzen wir mit Hunn im «Onya Resort Spa» in Bellwald. Geissberger, hauptberuflich Reiseunternehmer, hat die Mannschaft und den neuen Trainerstaff um Marinko Jurendic in dieser Woche zum Kennenlernen in sein Hotel in Bellwald gebeten. Für das Interview mit Hunn bittet Geissberger in seine Suite. Ein Kamerateam des SRF ist ebenfalls vor Ort, um im Rahmen eines Dokumentarfilms über die «Footuro»-Spieler mit Hunn zu drehen. Der Blick auf die Walliser Alpen ist atemberaubend, Hunns Tempo auf der Karriereleiter bislang ebenfalls.

«Wenn ich überheblich wirke, sagen sie es mir»

Zu Beginn des Gesprächs weist uns Hunn auf etwas hin, das ihm sehr wichtig sei: «Falls ich überheblich wirke, bitte sagen Sie es mir sofort.» Tut er nicht. Also zurück zum Thema. «Eigentlich», sagt er, «wollte ich gar nicht Goalie werden. Doch beim Probetraining in Aarau stellten sie mich ins Tor und sagten danach: Du kannst wiederkommen, aber nur als Goalie.» Drei Jahre später, 2013, folgt das erste Natiaufgebot. Seither ist er in jeder Auswahl Stammgoalie. Durch seine Anfänge als Feldspieler ist Hunns grösste Stärke die Spielauslösung mit dem Fuss. «Verbessern muss ich meine Reflexe und die Strafraumbeherrschung», sagt er. Und er hofft, noch weiter zu wachsen, um nicht dereinst wegen zu geringer Körpergrösse bei Interessenten durchzufallen: «Momentan bin ich 1,80. Einst hat es geheissen, ich werde 1,85 gross. Mal schauen.»

In diesem Spiel gegen Chiasso debütierte Lars Hunn:

Hoffenheim ruft an

Vor zwei Jahren, nach einem Turnier in Deutschland, ruft der Goalietrainer von Bundesligist Hoffenheim an. Hunn folgt der Einladung in eines der modernsten Trainingszentrender Welt – und ist Feuer und Flamme. Für ihn ist klar: «Hier gehe ich hin.» Doch nach Gesprächen mit seinen Eltern, die auf eine Berufslehre als Absicherung pochen, und wegen des unpassenden Bildungsangebots in Deutschland sagt er ab. «Wenn ich mich gut entwickle, ist es möglich, meinen Traum von der Bundesliga auch auf diesem Weg zu erfüllen.» Nun steht Hunn vor dem dritten und letzten Jahr in der Ausbildung zum Automatik-Monteur. Sein Arbeitgeber gibt ihn für alle Trainings und Spiele frei, solange er in der Schule den Notenschnitt von 4,5 nicht unterschreitet.

Berater anstatt Eltern beim ersten Profivertrag

Für die Verhandlung des ersten Profivertrags haben er und seine Eltern einen Berater engagiert, um Fehler zu vermeiden. «Meinen Eltern verdanke ich alles, ihr Leben dreht sich inzwischen um meine Karriere, sie begleiten mich an alle Spiele. Aber Anfang Jahr sagten sie: ‹Nun brauchen wir Profis an unserer Seite.›» Die Familie wählte die Agentur «IFM Sport», die unter anderem die Transfers von Xherdan Shaqiri zu Bayern und Yann Sommer zu Mönchengladbach begleitete.

Noch ist es bei Hunn nicht so weit. Vorerst bekleidet er in Aarau die Rolle des Stellvertreters von Steven Deana. Möglich, dass er im Cup zum Einsatz kommt. Aber: Muss einer wie er nicht regelmässig spielen? «Wegen der Ausbildung kann ich nicht in jedem Training dabei sein, das müsste ich aber als Nummer 1. Wenn der Spielplan es erlaubt, spiele ich in der U21. In einem Jahr kann ich dann voll angreifen.»

Bleibt zu hoffen, dass es mit Hunn endlich wieder ein Eigengewächs zum Aarauer Stammgoalie schafft. Vor ihm gab es etliche hochgelobte Talente, die im Schatten auswärtiger Goalies versauerten. Wer weiss, vielleichthat Roger Geissberger ein besonderes Auge auf «seinen» Lars Hunn ...

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