Handball-Funktionär

Grosse Ehre für den Mister Handball aus Rothrist: Peter Göbel ist für den Ehrenamtspreis nominiert

Peter Göbel ist seit knapp 20 Jahren Präsident des HV Rothrist.

Peter Göbel ist seit knapp 20 Jahren Präsident des HV Rothrist.

Peter Göbel ist seit 20 Jahren Präsident des Handballvereins in Rothrist. Nun würdigt der Verband sein ehrenamtliches Engagement.

Eine der vielen Eigenheiten des Sports ist es, jemanden als «Mister» zu benennen, wenn dieser eine Ära in einem bestimmten Bereich prägt. Cristiano Ronaldo ist Rekordtorschütze im europäischen Fussball und gilt folgerichtig als Mister Champions League, eben erst wurde Bayerns Javi Martinez zum Mister Supercup, als er seine Farben zum Titel köpfelte. Auch im aargauischen Rothrist, fernab von den Bühnen Münchens oder ­Turins, lebt ein solcher Mister. In einer anderen Sportart zwar, und über die Gemeindegrenzen weitgehend unbekannt.

Peter Göbel heisst er, der in Rothrist den Übernamen Mister Handball trägt, weil er den lokalen Handballverein seit zwei Dekaden präsidiert. 1997 hat Göbel den Verein als einer von fünf Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben, davor war die Handballriege in einem polysportiven Klub integriert. Göbel war Jugendspieler, er lief am Kreis auf. Mit 20 wurde er Trainer des neu gegründeten Männerteams, einer der selbst noch spielt und daneben die Verantwortung für die Kollegen trägt.

Auf der Platte steht er längst nicht mehr, der Körper macht nicht mehr mit. Die Leidenschaft fürs Coaching aber hat sich Göbel bewahrt, heute gilt sie dem Frauenteam des Vereins und der U16 der Frauen, die er als Co-Trainer an die Meisterschaftsspiele führt.

Die Spiele, die seien für ihn das Grösste, sagt Göbel. Doch für den 57-Jährigen fallen auch andere Aufgaben an. Solche, die das Herz nicht unbedingt höherschlagen lassen. Als Präsident ruft er zu Sitzungen auf oder stellt Hallenpläne zusammen. Wenn andere am Samstag ausschlafen, schreibt Peter Göbel E-Mails, füllt Excel-Tabellen aus oder telefoniert.

Er habe das mal durchgerechnet, sagt Göbel. «Im Jahr arbeite ich bis zu 220 Stunden für den Verein.» Wohlgemerkt: die Trainings und die Spiele nicht miteinberechnet. Göbel macht das alles ohne Bezahlung, ehrenamtlich eben. Das ist die Realität von freiwilligen Helfern, wie Göbel einer ist.

Ein wenig Wertschätzung für die freiwilligen Helfer

«Sehr viele handballbegeisterte Menschen tun sehr viel Gutes in ihrem Verein, jedoch meist im Hintergrund», sagt Carolin Thevenin von der Geschäftsstelle des Schweizerischen Handballverbandes SHV. Um jenes Engagement zu würdigen, vergibt der SHV in diesem Jahr erstmals einen Ehrenamtspreis. Zehn Kandidatinnen und Kandidaten hat der Verband für den Preis vorgeschlagen. Als einziger Aargauer steht Göbel auf der Liste. Bis Mittwoch kann man online für ihn abstimmen, die Voten des Publikums zählen zur Hälfte.

Ein wenig Wertschätzung kann nicht schaden, schon gar nicht für die Vereine, die seit jeher Mühe haben, freiwillige Helfer zu finden. Leute aufzubieten, die für einen Nachmittag am Kiosk aushelfen, sei das Eine, sagt Göbel. «Vereinsmitglieder zu überzeugen, Verantwortung zu übernehmen, wird aber immer schwieriger.»

Die Begründungen seien stets dieselben – man würde ja gerne, habe aber keine Zeit. «Mir wäre es lieber, wenn jemand einfach sagt, er habe keine Lust», sagt Göbel. Der Präsident, der hauptberuflich als IT-Projektleiter arbeitet, kennt die Wellengänge eines Vereinslebens, die über Auf- und Abstiege hinausgehen. Wenn einer derart lange an der Spitze eines Klubs steht, heisst das auch: Läuft es nicht, wie es soll, ist der Schuldige schnell ausgemacht. Göbel erzählt von Episoden, in denen er intern Kritik erfahren musste, genauer will er nicht darauf eingehen.

Klar habe er auch Fehler gemacht, «vielleicht war ich manchmal auch zu dominant», sagt Göbel. Die Nomination für den Ehrenamtspreis ist für ihn einerseits eine grosse Genugtuung, andererseits weiss er, dass sich die Aufmerksamkeit in seinem Heimatdorf damit wieder nur auf ihn richtet. Sollte er dereinst aufhören beim HV Rothrist, sagt Göbel, wird er den Platz im Rampenlicht am allerwenigsten vermissen.

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