Kunstturnen
Grundsteine legen für Olympia - Diacci und Hegi fahren an die WM nach Montreal

Vom 27. September bis zum 9. Oktober finden die Weltmeisterschaften in Montreal statt. Mittendrin sind zwei Aargauer Kunstturner: Jessica Diacci und Oliver Hegi

Alessia Bassi
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Jessica Diacci will nach einer langen Verletzungspause bald wieder zu den besten Kunstturnerinnen gehören.

Jessica Diacci will nach einer langen Verletzungspause bald wieder zu den besten Kunstturnerinnen gehören.

EQ Images

Die Freude über das WM-Aufgebot steht Jessica Diacci ins Gesicht geschrieben. Was verständlich ist, vor allem wenn man ihre Vorgeschichte kennt. Nach ihrer Schulteroperation im April 2016 folgte eine lange und schwere Zeit für die 23-Jährige. 18 Monate Reha und selbst dann konnte ihr niemand garantieren, dass sie je wieder Spitzensport betreiben kann. Doch sie gab nie auf, denn das Turnen bedeutet ihr alles. Umso erfreulicher war es für sie, dass sie die WM-Qualifikation geschafft hat. Und das, obwohl sie erst seit Januar wieder vollumfänglich trainieren kann.

Wertvoll für Diacci waren unerwartete Trainingserfolge. Wie ein Flugelement am Barren, das ihr nach der Verletzungspause zum ersten Mal wieder geglückt ist. Seit ihrer Verletzung schätze sie das Turnen viel mehr, sagt sie. Im Hinblick auf die kommende Weltmeisterschaft hat sie sich keine konkreten Ziele gesetzt. Ihr Saisonziel, die WM-Qualifikation, hat sie bereits erreicht. Dort geht es für sie darum, saubere Übungen zu turnen.

Noch ist unklar, an welchen Geräten Diacci zum Einsatz kommt. Die Entscheidung fällt erst am Donnerstag vor der WM. Dass sie sich kein Ziel entlocken lässt, hat aber auch damit zu tun, dass zu Beginn des Olympia-Zyklus nur schwer abschätzbar ist, wie stark die Gegner sind. Wie 2013 in Antwerpen, als die damals 16-jährige US-Amerikanerin Simon Biles bei ihrer ersten WM auf Anhieb zwei Gold- und eine Bronzemedaille gewann.

Noch keine WM-Prognose

Bei den Männern startet neben Pablo Brägger (24) und Eddy Yusof (22) auch der Aargauer Oliver Hegi. Hegi (24), der bei den diesjährigen Europameisterschaften hinter Brägger Silber am Reck gewonnen hat. Die Form stimme, nur etwas müde sei er nach der strengen Vorbereitungsphase, sagt Hegi. Voraussichtlich wird er, wie seine beiden Teamkameraden, im Mehrkampf antreten.

Kunstturner Oliver Hegi

Kunstturner Oliver Hegi

Stephan Zinner

Der Fokus werde aber klar auf seinen drei Paradegeräten Reck, Barren und Pauschenpferd liegen. Er rechnet sich aber auch Chancen aus, den Final im Mehrkampf zu erreichen. Das könnte zu Problemen führen, denn pro Nation sind nur jeweils zwei Athleten pro Disziplin zugelassen. Dass sich Hegi auf drei Geräte konzentriert, ist dem Umstand geschuldet, dass er sich im Trainingslager in Tenero an der rechten Schulter verletzt hatte. Erst an den Schweizer Meisterschaften von Anfang September ist Hegi zum ersten Mal wieder an allen sechs Geräte angetreten.

Auch für ihn ist es ungewohnt, dass mit ihm, Brägger und Yusof nur drei Männer im Schweizer Aufgebot stehen. Schliesslich würden sie nicht nur gemeinsam trainieren, sondern auch zusammen leben, «da leidet man mit den anderen auch mit», sagt Hegi. Wie Diacci möchte auch er keine WM-Prognose abgeben. Darum sagt er, sein Ziel sei es, sauber zu turnen. Hegi träumt jedoch davon, sich wie 2015 für einen der Gerätefinals zu qualifizieren. «Dort ist dann vieles möglich, denn jeder der acht Turner kann auch stürzen und somit ist alles offen», sagt er. Sowohl für ihn als auch für Diacci sollen die Weltmeisterschaften nur eine erste Etappe auf dem Weg zum ganz grossen Ziel sein: den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

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