Ringen

Haarscharf am Ringerwunder vorbei: Freiamt verpasst gegen Willisau die Sensation im Final

Die Ringerstaffel Freiamt muss sich nach einem turbulenten dritten Finalkampf geschlagen geben und verliert knapp mit 16:17 gegen den hochfavorisierten Ringerclub Willisau. Für die Gastgeber ist es bereits der 14. Schweizer Meistertitel. Allerdings wurde ihnen in der Endrunde alles abverlangt.

Diesen 14. Schweizer Meistertitel wird der Ringerclub Willisau nicht so schnell vergessen. Der haushohe Favorit wäre gegen Erzrivale Freiamt beinahe gestürzt. Im dritten Finalduell vor 2000 enthusiastischen Zuschauern lautete der Stand vor dem letzten Einzelduell auf der Matte 15:15. Das 74-kg-Freistilduell zwischen dem Willisauer Altinternationalen Greco-Ringer Jonas Bossert und Nico Küng musste über den Schweizer Mannschaftsmeistertitel 2019 entscheiden.

Küng kam 70 Sekunden vor Ende der Kampfzeit auf 1:2 heran und rüttelte am physisch stärkeren Luzerner. Ein letzter Angriff des Freiämters scheiterte. In der Challenge wechselte das unsichere Kampfrichtertrio seine Meinung nicht, womit die Dämme in der Willisauer BBZ-Halle brachen. Augenblicklich türmte sich auf der Matte ein Ringerberg, und das Heimpublikum versank in einem Massendelirium.

Kampfkraft gegen Übermacht

Wohl hatte Freiamt die Aufstellung auf drei Positionen verändert. Aber auch Willisau hatte eine gewichtige Veränderung vorgenommen. Deshalb blieben die Aargauer Gäste nach dem Abwägen krasser Aussenseiter. Favorit Willisau verfügte über zu viel ringerische Substanz.

Der Auftakt verlief erwartungsgemäss. Während die Leutert-Zwillinge in den untersten beiden Gewichtsklassen für Freiamt nur ein Plus von drei Mannschaftspunkten herausholten, deklassierten WM-Bronze-Gewinner Stefan Reichmuth und Samuel Scherrer, auch er ein Internationaler, Freiamts Ringerschwinger Jeremy Vollenweider und Roman Zurfluh 7:0.

So schien sich ein klarer Willisauer Erfolg anzubahnen. Doch der stets mit voller Leidenschaft kämpfende Michael Bucher riss das Momentum vor der Pause herum. Das grosse Freistiltalent demonstrierte im griechisch-römischen Stil sein ringerisches Feingefühl. 65-kg-Greco-Spezialist Rasul Israpliov war beim Stande von 0:3 unter Druck und griff zu forsch an.

Bucher konterte mit einem Hüfter und fixierte den russischstämmigen Willisauer auf den Schultern. Der 8:8-Pausenstand versprach für die zweite Hälfte Hochspannung, denn die weiteren fünf Mattenduelle liessen weniger starke Vorteile für Willisau erahnen.

Aischkanows Vorlage

Freiamts Rückkehrer Magomed Aischkanow hatte diesmal in die 86er-Klasse abgespeckt. Zu Wiederbeginn entzauberte er den agilen Gergely Gyurits. Trotz Kampfrichtergeschenken für Willisaus Ungaren siegte der Russe im Aargauer Team 9:3.

Damit führte Freiamt in der Mannschaftswertung 11:9. Aber die Freude währte kurz. Greco-Olympionike Pascal Strebel führte bis 70 kg Freistil vorerst 3:1. Dann brachte der Junioren-Internationale Tobias Portmann seine Freistilstärke durch und siegte 12:3.

Der 12:12-Gleichstand der Mannschaften heizte Spannung und Stimmung an. Das Kampfrichtertrio agierte nun noch lamentabler. Weil die Athleten in den nächsten beiden Duellen nichts riskierten, mussten die Unparteiischen sozusagen die Sieger selber bestimmen.

Zuerst gewann Willisaus Doppellizenzringer Andreas Vetsch 2:1 gegen Kraftathlet Marc Weber. Danach führte der bessere Greco-Stand von Oldie Andrej Malzew gegen den Junioreninternationalen Michael Portmann zu einem 2:1 für das andere Lager.

Ein Angriff entschied

So herrschte im abschliessenden 74-kg-Freistilkampf «High Noon». Immerhin waren die Kriterien hier etwas weniger umstritten. Bei je einem Verwarnungspunkt entschied ein Angriff von Jonas Bossert, bei dem Nico Küng die Kampffläche verliess, die Meisterschaft 2019.

«Das war ein Supermatch von uns», lobte Marcel Leutert sein Team trotz riesiger Enttäuschung nach entglittenem Happy End. «Wir waren technisch eine Spur besser», analysierte auf der Gegenseite Trainer Thomas Bucheli in der Stunde des Triumphs mit seiner bekannten Gelassenheit.

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