Handball
Kreisläufer Leonard Pejkovic spielt jetzt beim Kantonsrivalen HSC: «In Endingen hat mir den Wechsel keiner übel genommen»

Nach zehn Jahren bei seinem «Heimverein» TV Endingen wechselt Leonard Pejkovic innerhalb des Kantons zum HSC Suhr Aarau. Will er dort viel spielen, muss er sich gegen grosse Konkurrenz durchsetzen.

Frederic Härri
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Leonard Pejkovic streifte sich zehn Jahre lang das Dress des TV Endingen über.

Leonard Pejkovic streifte sich zehn Jahre lang das Dress des TV Endingen über.

Claudio Thoma / freshfocus

Was ist Heimat? Es ist eine grosse, eine existenzielle Frage, und eine, die sich auch Leonard Pejkovic schon gestellt hat. Vor rund zehn Jahren, da verliess er Slowenien, das Land, in dem er geboren wurde. Vom RD Slovan wechselte er in die Schweiz und schloss sich den Handballern vom TV Endingen an. Dort blieb er – so lange, dass er sich irgendwann gar nicht mehr sicher sein konnte, welcher der beiden Klubs denn nun tatsächlich sein Heimverein ist. Wenn man Pejkovic heute fragt, findet er eine klare Antwort. «Endingen», sagt er, das sei sein Heimverein. «Geworden», zumindest.

Doch nun ist es für Pejkovic an der Zeit, von zu Hause auszuziehen. Die sportliche Heimat zu verlassen. Der Kreisläufer orientiert sich um. Von Osten Richtung Westen. Vom TV Endingen zum HSC Suhr Aarau.

Beim Angebot des HSC kam Pejkovic ins Grübeln

«Die Ambitionen des HSC und diejenigen von mir stimmen überein», sagt Pejkovic über die Gründe. Er lässt das pragmatisch erscheinen, fast so, als ob für Emotionen kein Platz mehr wäre. Zum Ende der vergangenen Saison hin suchten die Verantwortlichen in Suhr Aarau den Kontakt zu Pejkovic.

Der HSC näherte sich da schon den Playoffs an, während der TV Endingen als Tabellenletzter im Abstiegskampf verharrte. Erste Anzeichen verdichteten sich, dass sich die Endinger mit dem abermaligen Gang in die Zweitklassigkeit anfreunden müssen. Pejkovic kam ins Grübeln. Noch einmal ein Jahr in der Nationalliga B, aufsteigen und dann eventuell alles noch einmal von vorne? Er entschied sich dagegen – und für das Abenteuer mit dem HSC. «Den Wechsel», sagt Pejkovic, «hat mir in Endingen keiner übel genommen».

Mit den Endingern ist Pejkovic in der vergangenen Saison in die Nationalliga B abgestiegen.

Mit den Endingern ist Pejkovic in der vergangenen Saison in die Nationalliga B abgestiegen.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

In Pejkovic schlummern noch immer Wünsche, die er sich erfüllen will in den Jahren, die ihm in seiner Handballkarriere noch bleiben. Und natürlich: Auch in Endingen wachsen die Ansprüche. Das Projekt ist ambitioniert, die Ziele sind gross. Doch ein Vorhaben wie ­jenes im Surbtal benötigt Zeit. Zeit, die Pejkovic vielleicht nicht mehr hat. «Ich bin nicht mehr der Jüngste», sagt er, was seltsam anmuten mag, wenn man bedenkt, dass Pejkovic in diesem Jahr 31 Jahre alt wird.

In der Welt des Sports aber, wo die körperlichen Verschleisserscheinungen so gross sind wie in wenigen anderen Bereichen, ist es ein Alter, das die Gedanken jedes Athleten kreisen lässt. Pejkovic sagt, er sehe sich reif für den nächsten Schritt. Reif dafür, mit dem HSC «schöne Dinge zu erreichen». Der Halbfinaleinzug des Klubs hat auch bei ihm Lust auf mehr geweckt.

«Ich laufe vor der Konkurrenz nicht weg»

In Endingen, da war Pejkovic für die meisten nur «Leo». So werden ihn wohl auch die neuen Kollegen in der Schachenhalle rufen, doch wohnt dem Spitznamen längst nicht dieselbe Selbstverständlichkeit inne wie noch zuvor. Von «Leo am Kreis», der praktisch immer spielt – wenn er denn fit ist. Beim HSC ist der Verdrängungskampf ungleich härter. Martin Slaninka ist Stammspieler, als Vertreter drängen sich der junge Lukas Laube und der noch jüngere Joël Willecke auf.

«Ich laufe vor der Konkurrenz nicht weg», sagt Pejkovic. Er weiss um die Qualitäten der Nebenbuhler, ihm ist bewusst, dass diejenigen, die schon länger dabei sind, das System des HSC bereits verinnerlicht haben. Als Auffüllposten für den Kader ist Pejkovic allerdings nicht gekommen. Er will spielen, so viel wie es nur geht. «Einfach nur dabei sein, das bin nicht ich.»

Wenngleich er eingesteht, dass im defensiven Mittelblock am baumlangen Martin Slaninka wohl kein Weg vorbei führen wird. Im Angriff aber, «da kann ich mir gut vorstellen, dass wir uns ergänzen und uns gegenseitig besser machen.»

Beim HSC wird Pejkovic auch Juniorentrainer sein

Pejkovic ist lange genug dabei, um heraus zu spüren, welche Faktoren eine Mannschaft reifen lassen. Nicht umsonst bringt er seine Erfahrungen seit einiger Zeit auch als Jugendtrainer ein. Die Junioren der Spielgemeinschaft HSG Aargau Ost führte er jüngst in die Eliteklasse, beim HSC Suhr Aarau wird er als Assistenzcoach für zwei U17-Teams fungieren. «Die Trainerbranche gefällt mir», sagt Pejkovic, der sich gut vorstellen kann, dereinst eine Profimannschaft zu trainieren. Dass er beim HSC ein Traineramt übernimmt, war von Beginn weg von beidseitigem Interesse. «Sie wollten, ich wollte. Es hat alles gepasst.»

Es scheint, als ob Leonard Pejkovic bereit ist, Wurzeln zu schlagen. Und wer weiss, vielleicht bekommt der Begriff von Heimat ja noch einmal eine ganz neue Bedeutung.

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