Handball-Playoffs
Ein Knorz – aber egal: Der HSC Suhr Aarau ringt St. Otmar nieder und feiert den Einzug in den Halbfinal

Es war keine Gala. Aber am Ende spielt das keine Rolle mehr: Der HSC Suhr Aarau gewinnt gegen St. Otmar mit 27:26 und spielt im Playoff-Halbfinal gegen Pfadi Winterthur um den Einzug in den Final.

Frederic Härri und Martin Probst
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Nach Spielschluss fällt der Druck ab. Die Spieler liegen sich in den Armen, voller Freude und Erleichterung. Der Einzug in den Halbfinal ist perfekt, der erste Schritt getan. Und das erst noch in der Heimhalle des nächsten Kontrahenten.

Wie schon der dritte Vergleich der Serie wurde auch diese Partie im Schweizer Fernsehen übertragen. Weil die Kreuzbleiche in St. Gallen aber über keinen fernsehtauglichen Hallenboden verfügt, wich St. Otmar auf die moderne Halle im 50 Kilometer entfernten Exil in Winterthur aus. Und so kommt es, dass der HSC Suhr Aarau seinen ersten Auswärtssieg einfährt, noch bevor die Halbfinalserie gegen Pfadi überhaupt angepfiffen worden ist. Es verkommt zu einer Randnotiz in einer Partie, die genug Erzählenswertes hergibt.

Mit der ruppigen Gangart kommt der HSC nicht klar

Zwar startet Suhr Aarau wesentlich konzentrierter als noch im ersten Auswärtsauftritt in St. Gallen vor einer Woche, doch in der Offensive müht es sich erst vergeblich ab. St. Otmar erwies sich schon in den ersten drei Duellen als äusserst zäher Kontrahent – und zäh sind sie auch dieses Mal. Allen voran Aurel Bringolf merkt man an, dass er die Saison der Ostschweizer noch ein bisschen verlängern wollte. Vier der ersten fünf Schüsse auf seinen Kasten entschärft der Torhüter. Früh reagiert HSC-Trainer Misha Kaufmann mit der ersten Auszeit.

Danach beissen sich auch die Gäste fest, sie finden Vertrauen in ihr Spiel, in die Abläufe und Automatismen. Nach zwölf Minuten geht der HSC ein erstes Mal in Führung, von da an scheint die Mannschaft im Fluss, doch der Faden reisst. Der HSC lässt einen taumelnden Gegner herankommen, die ruppige Gangart der St. Galler bringt die Spieler völlig aus dem Konzept. Und so gerät der HSC erneut in Not, zur Pause liegt er mit zwei Toren zurück.

Auch in der zweiten Halbzeit wähnt man sich in einer Neuerzählung aus Kapitel zwei dieser Viertelfinalserie. Wie vor einer Woche kommt der HSC heran, gleicht aus und geht in Front, angeführt von einem starken Leo Grazioli im Tor und einem effizienten Diogo Oliveira im Angriff. Doch der HSC setzt sich nicht ab. Es bleibt ein Auf und Ab.

Doch dann, wenige Minuten vor dem Ende, beim Stand von 23:23, folgt der Befreiungsakt. Tim Aufdenblatten, Manuel Zehnder, Timothy Reichmuth und abermals Tim Aufdenblatten heissen die Entfesselungskünstler, die mit ihren Toren die Vorentscheidung herbeiführen. Dass die Spieler in der Folge noch einmal die Nerven all jener strapazieren, die es mit dem HSC halten, und um ein Haar den abermaligen Ausgleich hinnehmen – es passt zum Spiel. Und irgendwie auch zu der gesamten Playoffserie.

Ein schweissgetränkter Aufdenblatten wollte nach Spielschluss die Freude ob des Weiterkommens nicht geschmälert wissen. «Das sind eben Playoffs», sagte der Captain. «Wir wollten einfach diese Serie gewinnen, und das ist uns gelungen. Die Art und Weise ist uns im Moment egal.»

Und klar, nahe am Optimum seien sie ohne Zweifel nicht gewesen. Die Mühen hätten aber auch viel mit ihrem Gegner zu tun gehabt, der das «sehr gut» gemacht habe. «Dass wir es besser können, wissen wir.» Ab nächster Woche darf der HSC zeigen, wie das geht. Immerhin nimmt er ja schon einmal einen Vorsprung mit in den Halbfinal – wenn auch einen inoffiziellen.

Telegramm

St. Otmar – Suhr Aarau 26:27 (13:11)


AXA Arena, Winterthur. – 50 Zuschauer. – SR Boshkoski/Stalder. – Strafen: 7-mal 2 Minuten gegen St. Otmar plus rote Karte (Haas), 5-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau.

St. Otmar: Bringolf (11 Paraden)/Kindler (1); Gwerder (2 Tore), Hörler, Fricker, Geisser (5), Jurilj (3), Haas, Kaiser (6), Schmid, Maros (8), Höning (2).

Suhr Aarau: Marjanac (5 Paraden)/Grazioli (7); Reichmuth (5 Tore), Zehnder (2), Ferraz (2), Oliveira (6), Aufdenblatten (5), Parkhomenko (1), Muggli, Poloz (1), Slaninka (3), Attenhofer (2).

Suhr Aarau ohne Joël Willecke, Mathias Müller, Jan Peter (ohne Einsatz), Lukas Laube und Patrick Strebel (verletzt).

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