NLA-Handball
«Was ist mit euch los?»: Der HSC Suhr Aarau quält sich gegen St. Gallen zum ersten Playoffsieg

Der HSC Suhr Aarau legt in der Viertelfinalserie gegen St. Otmar St. Gallen vor: In der Schachenhalle setzt es zum Auftakt einen 24:20-Sieg. Die Partie glich zuweilen mehr einer wilden Achterbahnfahrt denn einem wirklichen Handballspiel.

Frederic Härri
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Der HSC Suhr Aarau ist in den Playoffs angekommen. Der 24:20-Erfolg zum Auftakt gegen St. Otmar St. Gallen reisst zu dieser Aussage hin, die sich jedoch als trügerisch erweist. Eigentlich müsste man sagen: So richtig ist er es noch nicht.

«Es war der erwartete Knorz», sagte Misha Kaufmann im Nachgang dieser Partie, die zuweilen mehr einer Achterbahnfahrt denn einem Handballspiel glich. Vor allem zu Beginn war zu erahnen, welchen Matchplan sich der Trainer des HSC zurechtgelegt hatte. Seine Rückraumspieler rotierten und rotierten, verschoben ihre Positionen und verwirrten damit den neu zusammengewürfelten St. Galler Mittelblock, in welchem der verletzte Abwehrchef Tobias Wetzel merklich fehlte.

Und so kam am Ende eines Spielzugs oftmals ein HSC-Akteur völlig blank zum Abschluss. Nur: Allzu häufig resultierte eben auch ein Fehlwurf. Ob Aufdenblatten per Schlenzer, Oliveira per Kernwurf, Ferraz im schnellen Gegenstoss oder Manuel Zehnder per Siebenmeter – jeder sündigte. «Ja, wir müssen vielleicht noch einmal über unsere Abschlüsse reden», fand auch Tim Aufdenblatten nach dem Spiel.

Der HSC hatte Mühe, sich frühzeitig abzusetzen

Das Spiel folgte in der ersten Halbzeit stets demselben Muster: Der HSC legte ein Tor vor, St. Otmar glich aus. Die Ostschweizer waren zäh. Und bewiesen, dass man mit Mentalität eben doch über fehlende Kaderbreite oder Limitationen im Angriffsspiel hinwegtäuschen kann. In der 22. Minute bestrafte St. Otmar den fahrlässigen Umgang der Hausherren mit ihren Möglichkeiten, als Liga-Topskorer Pendic einen Penalty zum 8:7 verwertete. Von aussen hörte man Kaufmann schreien: «Was ist mit euch los?» Es war eine berechtigte Frage. Trotz aller Nervosität und allen Unzulänglichkeiten biss sich der HSC zurück und rettete einen Eintorevorsprung in die Pause.

Immer wenn man in Halbzeit zwei dachte, jetzt sei der HSC über den Berg, wurde man eines Besseren belehrt. Sinnbildlich war eine Spielpassage gegen Ende, als Martin Slaninka und David Poloz den Spielstand mit einem Doppelschlag auf 22:20 stellten. Was wie die endgültige Befreiung aussah, entpuppte sich als abermalige Laune. Das dritte Tor zur Vorentscheidung? Nein. Oliveira vergab völlig freistehend und warf an den Pfosten. Der Speaker hatte den Finger schon auf den Knopf für die Tormusik gedrückt.

Dragan Marjanac war der Fels in den unruhigen Wellenbewegungen

Und so hatten die Hausherren kurz vor Schluss auch ein wenig Glück, dass die Sekunden auf der Uhr zerronnen. In der vorletzten Minute erlöste Rechtsaussen Poloz die 50 Fans in der Schachenhalle schliesslich mit zwei Toren zum 24:20. Der Tscheche grinste, schüttelte den Kopf. Er konnte es wohl selbst kaum glauben, was da gerade abgelaufen war.

Einen bemerkenswerten Abend hatte, wie schon so oft in dieser Spielzeit, Torhüter Dragan Marjanac. Der 36-jährige Routinier war der Fels in den unruhigen Wellenbewegungen dieses Spiels und durfte sich zwölf Paraden notieren lassen. Diese Leistung verhalf ihm zur Auszeichnung als bester Spieler auf HSC-Seite. Positiv hervorzuheben gilt es auch den Defensiveffort der Mannschaft. Lediglich 20 Gegentore gegen St. Otmar zu erhalten ist ein starker Wert. «Normalerweise machen sie jeweils mindestens 30 gegen uns», sagte Aufdenblatten. Und so geht der HSC Suhr Aarau trotz der Wirrungen in Spiel eins mit einem durchaus guten Gefühl in die zweite Partie dieser Viertelfinalserie, die am kommenden Mittwoch in der Kreuzbleiche in St. Gallen stattfinden wird.

Telegramm

Suhr Aarau - St. Gallen 24:20 (11:10)

 Schachen, Aarau. - 50 Zuschauer. - SR Hennig/Meier. - Strafen 3-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 1-mal 2 Minuten gegen St. Gallen.

Suhr Aarau: Marjanac (12 Paraden)/Grazioli; Aufdenblatten (6 Tore), Ferraz (3), Muggli (1), Oliveira (2), Poloz (5), Reichmuth (2), Slaninka (3), Strebel (1), Zehnder (1), Willecke.

St. Gallen: Bringolf (12/1); Fricker (1), Geisser (1), Haas (2), Höning (4), Jurilj (3), Kaiser (4), Pendic (4), Gwerder, Maros.

Hier gibt es das Spiel in unserem Liveticker zum Nachlesen:

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