Handball
Trotz Rot des Debütanten: Der HSC Suhr Aarau brilliert weiter im Europacup

Der HSC Suhr Aarau findet die passende Antwort auf die jüngste Liga-Schmach: Im Achtelfinal-Hinspiel beim tschechischen Vertreter Karvina gewinnt die Mannschaft mit 27:23. Neuzuzug Rudolf Faluvégi kommt zu wenigen Einsatzminuten – und sieht gleich die rote Karte.

Frederic Härri
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Manuel Zehnder war mit zehn Treffern der beste Werfer seiner Mannschaft.

Manuel Zehnder war mit zehn Treffern der beste Werfer seiner Mannschaft.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Das grösste Kompliment kam vom Moderator des tschechischen Fernsehens. «Eure Defensive war unglaublich!», beschied er Manuel Zehnder im Interview in überraschend passablem Deutsch. Ein wenig mochte man auch Erstaunen erkennen in seiner Stimme. Vielleicht, weil er die Partie am Mittwoch mitverfolgt hatte und sich nun dachte: Das kann doch nicht derselbe HSC Suhr Aarau sein, der heute auf der Platte stand.

Vor wenigen Tagen verlor der HSC in der heimischen Meisterschaft gegen den kaum konkurrenzfähigen Aufsteiger aus Genf. Am Samstag schlug er den Zweiten der tschechischen Liga im Achtelfinal-Hinspiel des EHF European Cup. Und doch standen - mit wenigen Ausnahmen - dieselben Namen auf dem Matchblatt. Suhr Aarau hat gewissermassen den Europacup-Modus eingelegt. In europäischen Spielen ist die Mannschaft bislang zu aussergewöhnlichen Leistungen imstande, wie sich auch in diesem neuerlichen Vergleich bestätigte.

Beeindruckende Effizienz

Der 27:23-Sieg über den HCB Karvina war verdient und hätte durchaus höher ausfallen können. Ein oder zwei Tore mehr wären im Bereich des Möglichen gewesen, doch auch so belohnte sich der HSC Suhr Aarau für eine effiziente Offensivdarbietung. Über 70 Prozent ihrer Würfe übersetzten die Gäste in Tore, was einem überdurchschnittlichen Wert entspricht. Das Auslassen von aussichtsreichen Torchancen ist ja eines der wiederkehrenden Problemfelder in dieser Spielzeit.

Ein anderes Problemfeld: die Verteidigung. Diese hielt in Karvina allen Ansprüchen stand, womit sie auch das Schlusslob des tschechischen Moderators rechtfertigte. Der HSC wechselte regelmässig von einer 5-1- auf eine 6-0-Deckung und verwirrte damit nicht sich selbst, sondern nur den Gegner. So soll das sein. Bemerkenswert war insbesondere jene Phase nach der Halbzeitpause, in der Suhr Aarau den Gastgebern keinen Treffer zugestand und den Abstand zwischenzeitlich auf fünf Tore vergrösserte.

Die HSC-Verteidigung hielt gegen Karvina allen Ansprüchen stand.

Die HSC-Verteidigung hielt gegen Karvina allen Ansprüchen stand.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Freilich entwickelte sich nicht alles zur Zufriedenheit von HSC-Trainer Aleksandar Stevic, das liegt in der Natur eines Handballspiels. Die hohe Rate an Ballverlusten, Schrittfehlern und Offensivfouls missfiel ihm, wie er auf der Heimreise in einer Textnachricht schrieb. Auch die Schlussphase dürfte nicht in seinem Sinne gewesen sein, als der HSC die Tschechen kurzzeitig auf zwei Tore herankommen liess. Letztlich aber befand Stevic trocken: «Die gewünschte Leistungssteigerung ist erfolgt.»

Ein müder Neuzuzug muss kurz vor Schluss mit der roten Karte raus

Ein Matchwinner war im starken Kollektiv von Suhr Aarau indes keiner auszumachen. Zwei Akteure taten sich dennoch hervor: Torhüter Leonard Grazioli und Topskorer Manuel Zehnder. Grazioli hielt über 40 Prozent der Bälle, während Zehnder abermals die meisten Tore für seine Mannschaft warf. Neben zehn eigenen Treffern war der 22-Jährige mit einigen sehenswerten Kreisanspielen erfolgreich.

Leonard Grazioli hatte eine überragende Abwehrquote von über 40 Prozent.

Leonard Grazioli hatte eine überragende Abwehrquote von über 40 Prozent.

Urs Lindt / freshfocus

Einen etwas verhaltenen Einstand gab Rudolf Faluvégi. Der ungarische Neuzuzug aus der französischen Liga handelte sich kurz vor Schluss seine dritte Zeitstrafe ein und sah folglich die rote Karte. Eine gewisse Müdigkeit war Faluvégi anzumerken, nachdem er erst am Donnerstag in der Schweiz gelandet war und sogleich die 1300 Kilometer lange Fahrt nach Karvina auf sich genommen hatte. Im Zusammenspiel mit den Teamkollegen deutete der 28-Jährige sein Potenzial allerdings schon an. «Wir sind sehr glücklich, dass er hier ist», sagt Stevic.

Die Chance auf mehr Spielpraxis bietet sich Faluvégi bereits am kommenden Mittwoch, wenn der HSC den TSV St. Otmar St. Gallen empfängt. Am Samstag findet schliesslich das Rückspiel gegen Karvina statt, wo die gute Ausgangslage mit dem Einzug in den Europacup-Viertelfinal veredelt werden kann.

Telegramm

Karvina - Suhr Aarau 23:27 (11:13)

Karvina, Tschechien. SR Novikov/Rozhkov.

Karvina: Marjanovic (4 Paraden)/Mokros; Patzel (8 Tore), Mlotek, Fulnek (2), Uzek (1), Pelak, Harabis, Solak (7), Skalicky (1), Siroky, Nantel, Sobol (2), Uzek, Franc (2).

Suhr Aarau: Grazioli (14 Paraden, 2 Tore)/Scheidiger; Sarlos, Faluvégi, Reichmuth (1 Tor), Hofer (3), Zehnder (10), Attenhofer (2), Parkhomenko, Pejkovic, Laube, Muggli (3), Strebel, Slaninka (6).

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