Ein Image-Film für ein Nachwuchsprojekt des Aargauischen Fussballverbandes (AFV) in Eigenregie an die Firma seines Sohnes vergeben, den Projektleiter und Trainer dieses Nachwuchsprojekts und dessen Wunsch-Assistenzcoach rausgeschmissen, mindestens zwei Vorstandsmitglieder vor den Kopf gestossen und mit all diesen Aktionen drei Kündigungen auf der Geschäftsstelle provoziert: AFV-Präsident Hans Aemisegger schaute in den vergangenen Monaten weder nach links noch nach rechts und pflegte einen diktatorischen Führungsstil.

Da drängt sich die Frage auf: Hat ein Verbandspräsident in Führungsfragen die totale Narrenfreiheit? Nein! Die hat er natürlich nicht! Aemisegger hat in letzter Zeit gleich mehrmals übers Ziel hinausgeschossen. Der 62-jährige Architekt muss sich vor allem den Vorwurf der Vetterliwirtschaft gefallen lassen. Bei ihm hätten alleine schon beim Gedanken, seinem Sohn einen 50 000-Franken-Auftrag zu geben, die Alarmglocken läuten müssen. Wie kann ein erfahrener Verbandsverantwortlicher so naiv sein?

Aemisegger ist seit Jahren Präsident und hat vieles richtig gemacht. Seine beste Idee war die «Nacht des Aargauer Fussballs», die er 2012 eingeführt hat. Diese Gala im November jeden Jahres ist der verdiente Lohn für die ehrenamtliche Arbeit der zahlreichen Funktionäre der 85 Aargauer Amateurvereine. Sie ist bei allen Beteiligten äusserst beliebt. Dafür kann man Aemisegger ein Kränzchen winden. Das ändert nichts an der Tatsache, dass er sich in den vergangenen Monaten wegen unüberlegter Aktionen und Alleingängen bei vielen wichtigen Exponenten des AFV unbeliebt gemacht hat.

Was nun, Hans Aemisegger? Der Druck auf den AFV-Präsidenten fünf Monate vor der diesjährigen Delegiertenversammlung in Turgi ist gross. Eigentlich hat Aemisegger nur zwei Möglichkeiten für einen Befreiungsschlag: Entweder er lässt nach den jüngsten Vorfällen vollste Transparenz walten, steht also hin, kommuniziert offen, ehrlich und beantwortet die unangenehmen Fragen, die auf ihn zukommen. Oder er zieht wegen der von ihm verschuldeten verbrannten Erde rund um den Verband die Konsequenz: Rücktritt!