HSC Suhr Aarau
Das Bauchgefühl des Trainers stimmte: Beim Sieg über St. Otmar trumpfen zwei Spieler gross auf

Gian Attenhofer wird zum besten Akteur gewählt, Diogo Oliveira brilliert als Spielmacher. Nach dem 26:21-Erfolg über St. Otmar St. Gallen schält sich heraus, was der HSC seinem Gegner voraus hat: die Kaderbreite.

Frederic Härri
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St. Gallens Max Höning geht rabiat gegen Tim Aufdenblatten zu Werke.
12 Bilder
HSC-Captain Tim Aufdenblatten wird beim Abschluss hart angegangen.
João Ferraz zog in der Schachenhalle einen starken Tag ein.
Tim Aufdenblatten und Trainer Misha Kaufmann im Zwiegespräch.
Gian Attenhofer feuert seine Kollegen an.
Der St. Galler Maros beim Abschluss.
Misha Kaufmann instruiert seine Spieler im Timeout.
Gian Attenhofer zelebriert den erfolgreichen Torabschluss mit der HSC-Bank.
Martin Slaninka beim Abschluss.
Die HSC-Bank feiert.
Leo Grazioli (Mitte) herzt Gian Attenhofer, der zum besten Spieler des Spiels gewählt wurde.
Nach der Partie lassen sich die Spieler feiern.

St. Gallens Max Höning geht rabiat gegen Tim Aufdenblatten zu Werke.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Höhepunkt war ein Pass quer übers Spielfeld. Ein abgewehrter Ball von Dragan Marjanac landet bei der Nummer 10 des HSC Suhr Aarau. Es folgt ein Blick, ein weiter Ball auf die einstartende Nummer 69 und ein erfolgreicher Abschluss. Es ist das Tor zum 18:13 eine Viertelstunde vor dem Ende, einer der Treffer auf dem Weg zu einem klaren 26:21-Sieg gegen St. Otmar. Der HSC findet den Tritt wieder. Und das hat viel mit einem wilden Portugiesen und einem frechen Basler zu tun.

Drei Tage nach der Niederlage in St. Gallen nimmt Trainer Misha Kaufmann zwei Änderungen an seiner Aufstellung vor. Zum einen kommt Diogo Oliveira ins Spiel, der anstelle von Sergio Muggli auf der Spielmacherposition startet. Am Mittwoch noch hatte Oliveira mit ein paar wenigen Minuten Vorlieb nehmen müssen und war weitgehend wirkungslos geblieben.

Oliveira bringt Torgefahr ins Spiel

Am Samstag nun nimmt der 23-Jährige eine Schlüsselrolle ein. Vom Start weg wirkt er motiviert, phasenweise entfesselt, ja wie von der Leine gelassen. Er gibt dem Spiel des HSC eine wilde Komponente, die in dieser Serie bislang fehlte. Mit schnellen Richtungswechseln überfordert Oliveira die St. Galler Abwehr, er reisst Lücken und spielt Pässe, die an Schärfe und Präzision von keinem zu überbieten sind. Drei Tore wirft Oliveira am Samstag selbst, viele weitere bereitet er vor.

Wenn Diogo Oliveira von den St. Gallern gestoppt wurde, dann nur mit unfairen Mitteln.

Wenn Diogo Oliveira von den St. Gallern gestoppt wurde, dann nur mit unfairen Mitteln.

Alexander Wagner

«Diogo ist topfit und hat super trainiert», begründete Kaufmann seine Wahl. Anhand seines Bauchgefühls entscheide er, wer ein Spiel führe und leite, sagte Kaufmann. «Sergio bringt Struktur und Tempo, Diogo gibt uns etwas mehr Torgefahr. Er hat heute ein Riesenspiel gemacht.»

Das Bauchgefühl führt Kaufmann auch nicht in die Irre, als er am rechten Flügel Gian Attenhofer den Vorzug gegenüber David Poloz gibt. Dass der 19-Jährige nach Abpfiff von HSC-Präsident René Zehnder als Mann des Spiels geehrt wird, kommt nicht von ungefähr: Vier seiner fünf Chancen verwertet der Linkshänder, in der Defensive erledigt er seine Aufgabe ohne Fehl und Tadel.

«Man of the Match» Gian Attenhofer wird nach Spielschluss von Torhüter Leo Grazioli geherzt.

«Man of the Match» Gian Attenhofer wird nach Spielschluss von Torhüter Leo Grazioli geherzt.

Alexander Wagner

Kaufmann sparte nicht mit Lob, als er Attenhofers «Frechheit» hervorhob und dessen Wurfstärke in den Vordergrund stellte. «Gian schliesst aus Winkeln ab, aus denen nicht viele Flügelspieler in der Schweiz treffen.» Jene Qualitäten hätten ihn an Manuel Liniger erinnert, sagt Kaufmann. Der einstige Nationalspieler sitzt in der Schachenhalle als SRF-Kommentator auf der Tribüne.

Und so langsam schält sich in dieser Viertelfinalserie heraus, was der HSC Suhr Aarau seinem Gegner voraus hat: die Kaderbreite. Wenn Stammkräfte fehlen, müde sind oder der Mannschaft wegen einer Leistungsbaisse nicht weiterhelfen, sind andere da, die Ersatz bieten. Kräfte verteilen nennt das Kaufmann und spricht von der Wichtigkeit, «allen Spielzeit geben zu können». Auch im Hinblick auf die kommenden Wochen: «Wir planen schliesslich nicht nur für die Viertelfinals.»

Oliveira erinnert an Kobe Bryant

Die Gegenwart allerdings heisst St. Otmar St. Gallen, Spiel vier findet am Donnerstag erneut in der Fremde statt. Der HSC möchte die Entscheidung herbeiführen, spätestens seit vergangener Woche ist jedem bewusst, dass das kein Selbstläufer wird. Das Bonmot der Runde lieferte am Samstag Diogo Oliveira, als er die verstorbene Basketball-Ikone Kobe Bryant zitierte: «The job is not done», meinte Oliveira. Die Arbeit ist noch nicht getan.

Telegramm

Suhr Aarau - St.Otmar 26:21 (13:8)

Schachenhalle - 50 Zuschauer - Sr. Jergen/Zaugg.
Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau. 3-mal 2 Minuten gegen St.Otmar.


Suhr Aarau: Marjanac (9 Paraden); Reichmuth (1 Tor), Zehnder (5/4), Ferraz (5), Oliveira (3), Aufdenblatten (5), Parkhomenko, Muggli, Poloz (3), Strebel, Slaninka, Attenhofer (4).


St.Otmar: Bringolf (7 Paraden)/Kindler (2); Hörler (4 Tore), Fricker, Gwerder (2), Geisser (4), Jurilj (3), Haas, Kaiser (1), Schmid, Maros (5/1), Höning (2).


Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Müller, Muggli, Peter (ohne Einsatz) und Laube (verletzt) – Verhältnis vergebener Penaltys: 1:0.

Das Spiel in der Zusammenfassung:

Der HSC wirkt in der Schachenhalle von Beginn weg konzentrierter als noch am Mittwoch. Zwar wirft der Gast aus St. Gallen das erste Tor und Suhr Aarau verdaddelt zwei aussichtsreiche Chancen im Angriff, doch danach geben die Hausherren den Ton an. Erst trifft Manuel Zehnder zum Ausgleich, dann geht der HSC in der 8. Minute das erste Mal in Führung. Joao Ferraz, der in Spiel zwei einen ganz schwachen Auftritt hingelegt hatte, vollendet. Nur wenige Sekunden später veredelt Tim Aufdenblatten einen Gegenstoss zum 3:1.

Die Führung hat auch danach Bestand, weil der HSC die St. Galler in ihren Angriffsbemühungen konsequent stört und Dragan Marjanac wichtige Bälle abwehrt. Kontinuierlich baut Suhr Aarau den Vorsprung aus – nach 15 Minuten steht es 8:3. Im Angriff weiss in der Startviertelstunde neben Captain Tim Aufdenblatten besonders Diogo Oliveira zu gefallen. Der Portugiese nimmt seine Rolle als Spielmacher wahr, verteilt die Bälle und stösst selbst in die Lücken vor. Auf diese Weise verschafft er seiner Mannschaft wiederholt Möglichkeiten durch Siebenmeter.

In den zehn Minuten vor der Pause erholt sich das Spiel ein wenig. Der HSC erlaubt sich Schwächephasen mit ungenauen Abspielen und Fehlwürfen. Weil auch St. Otmar im Abschluss sündigt, schmilzt der Vorsprung nicht ein, sondern verharrt bei fünf Toren. Zur Pause steht es 13:8 für Suhr Aarau.

Nach dem HSC-Timeout wirds wieder besser

Die zweite Halbzeit beginnt mit einer Marjanac-Parade und einem Ferraz-Tor. Der HSC erhöht seinen Vorsprung in der Folge zwischenzeitlich auf sechs Treffer und hat alles im Griff. Weil St. Otmar kaum noch zu Torerfolgen kommt, können es sich die Gastgeber auch erlauben, etwas Tempo aus der Partie zu nehmen. Ganz geht die Strategie jedoch nicht auf. Als die St. Galler nach 40 Minuten wieder auf vier Tore herankommen, reagiert HSC-Trainer Misha Kaufmann mit dem Timeout.

Fortan wird das Spiel des HSC wieder besser, die Angriffe werden strukturierter und stringenter. Zehnder, Ferraz und Attenhofer schliessen erfolgreich ab, doch auch St. Otmar trifft dreifach. Bei einigen strittigen Schiedsrichterentscheidungen wird es zwischen den Spielern der beiden Teams noch einmal hitzig, doch Suhr Aarau lässt sich davon nicht mehr beeindrucken. So gewinnt der HSC letztlich souverän mit 26:21.

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