FC Aarau Frauen

«Ich möchte für meine Girls da sein»: Ex-Nati-Goalie Brunner reitet mit den FCA Frauen auf der Erfolgswelle

Brunners Handschrift macht sich bei den FC Aarau Frauen bemerkbar.

Brunners Handschrift macht sich bei den FC Aarau Frauen bemerkbar.

Seit fast einem Jahr hat die ehemalige Rekord-Nationalspielerin Marisa Brunner bei den FC Aarau Frauen den Posten als Goalietrainerin übernommen. Ihre Handschrift macht sich seither bemerkbar: Kein Team hat so wenig Gegentore erhalten wie die Aarauerinnen.

Den FC Aarau Frauen läuft es derzeit wie geschmiert: Nach acht Partien grüsst das Team mit 18 Punkten vom ersten Tabellenplatz der NLB. Mittendrin ist seit vergangenem Januar auch Goalietrainerin Marisa Brunner. Die erfahrene Ex-Nationalspielerin hat neben dem neuen Trainer-Duo Guerino Luongo (Chef) und Vincenzo Azzarito (Assistenztrainer) bemerkbaren Anteil am Erfolg der Frauen. 

«Mit der Leistung zufrieden sein, können die Wenigsten»

Fünfmal Schweizer Meister, viermal Cup-Sieger, zweimal «Spielerin des Jahres» und ehemalige Rekord-Nationalspielerin (78 Länderspiele): Die Erfolge von Marisa Brunner sprechen für sich. Als ehemalige Torhüterin bringt sie viel Erfahrung mit. «Im mentalen Bereich kann ich die Spielerinnen am besten unterstützen. Einfach mal mit sich und seiner Leistung zufrieden sein, das können die Wenigsten. Hier kann ich weiterhelfen», betont Brunner. 

Marisa Brunner bestritt 78. Länderspiele der Dress der Nationalmannschaft.

Marisa Brunner bestritt 78. Länderspiele der Dress der Nationalmannschaft.

Als aktive Spielerin verbrachte sie die meiste Zeit bei Aarau, Sursee (später SC LUwin) und beim Bundesliga-Verein SC Freiburg. 2013 hängte die Torhüterin ihre Fussballschuhe definitiv an den Nagel. 

Marisa Brunner hütete zwischen 2001 und 2006 das Tor des FC Sursee (später SC LUwin).

Marisa Brunner hütete zwischen 2001 und 2006 das Tor des FC Sursee (später SC LUwin).

Nach Zwischenstationen als Goalietrainerin beim FC Basel und GC ist Brunner nun zurück in Aarau. Nicht zuletzt wegen der Nähe zum Arbeitsort: Die gebürtige Aarauerin arbeitet als Kommunikations-Verantwortliche sowie als Teil der Geschäftsleitung bei der Lindenapotheke. Das von ihrem Vater Ernst gegründete Familienunternehmen mit 12 Apotheken und 150 Mitarbeitern hat den Hauptsitz in Oberentfelden.

Durch die Geschäftstätigkeit hatte Brunner in den vergangenen Jahren auch immer mit FCA-Frauen-Sportchef Andreas Zürcher Kontakt, der sie schon lange im Staff haben wollte. «Irgendwann habe ich eingewilligt, ich kann einfach schlecht <Nein> sagen, wenn es um den Sport geht».

Goalie-Wechsel bewährt sich

Brunner hat diese Entscheidung nie bereut. Im Gegenteil: «Die Leistungsbereitschaft der Goalies ist enorm hoch, das gibt mir viel zurück. Drei Juniorinnen haben mich gefragt, ob ich zusätzlich ein Training mit ihnen über den Mittag machen könne und haben dabei alles selber organisiert. Das hat mich beeindruckt.» 

Kein Zweifel, Brunner und der FC Aarau Frauen – das passt wie Salz und Pfeffer und ihre Arbeit zeigt Wirkung. Mit ihrer Amtsübernahme leitet sie einen Wechsel auf der Goalie-Position ein: Brunner setzt auf die 19-jährige Laura Vogt. 

Liga-Bestwert: Laura Vogt musste in der laufenden Saison in acht Partien nur achtmal hinter sich greifen.

Liga-Bestwert: Laura Vogt musste in der laufenden Saison in acht Partien nur achtmal hinter sich greifen.

Und Vogt zahlt Brunner das Vertrauen mit guten Leistungen zurück. Einen Gegentreffer pro Partie hat sie in der aktuellen Saison erhalten, das ist Liga-Bestwert. «Laura macht einen grossartigen Job im Tor. Mit ihrer Grösse hat sie zwar nicht die besten Voraussetzungen, aber sie ruft ihr Potential sehr gut ab», schwärmt Brunner. 

Das mit dem Potential ausschöpfen, sei generell so eine schwierige Sache beim Frauenfussball: «Viele Spielerinnen schaffen es nicht, ihre volle Leistung auf dem Platz abzurufen, weil sie sich zu lange mit ihren Fehlern beschäftigen. Das gelingt den männlichen Fussballer besser, was aber auch mit der Förderung zu tun hat.»

Auch die FC Aarau Frauen müssen noch daran arbeiten, ergänzt die Goalietrainerin. Das Ziel sei es, bis zum Schluss in der Spitzengruppe zu bleiben und damit auch vom Aufstieg träumen zu dürfen.

 «Posten als Cheftrainer ist nichts für mich»

Es sind zurückhaltende Worte, die Brunner wählt. Immerhin befindet sich das im Jahr 2016 definierte Ziel: «Wir wollen mit den FC Aarau Frauen in der Königsklasse spielen und die beste Adresse im Schweizer Frauenfussball sein» nach wie vor auf der Vereins-Webseite. «Ich bin nicht der grösste Fan von diesem Satz. Das Team ist zwischenzeitlich auf- und abgestiegen, wir müssen zuerst für Konstanz sorgen. Langfristig kann ich mich mit dem Ziel allerdings anfreunden.»

Die FC Aarau Frauen reiten derzeit auf der Erfolgswelle.

Die FC Aarau Frauen reiten derzeit auf der Erfolgswelle.

Wie lange Brunner die Frauen auf dem Weg zu diesem Ziel begleiten wird, möchte sie nicht vom Erfolg abhängig machen. «Ich schaue von Saison zu Saison, wie es mit dem Berufsleben vereinbaren lässt.»

Dementsprechend hat Brunner noch keine konkreten Pläne für die Zukunft. Was sie allerdings weiss, ist, dass sie auch weiterhin mit den Goalies arbeiten möchte. «Einen Posten als Cheftrainerin ist nichts für mich, das habe ich als Assistentin beim FC Basel gemerkt. Ich schätze das persönliche Verhältnis im kleinen Rahmen mit den Goalies enorm und möchte immer für meine Girls da sein.» So auch beim letzten Hinrundenspiel in Walperswil am Samstag 19 Uhr.

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