Mountainbike
«Ich muss den ganzen Körper ummodeln»

Die Weltmeisterin von 2014 Kathrin Stirnemann gewann zusammen mit weiteren Topfahrern erste Eindrücke der Olympiastadt Rio de Janeiro.

Rainer Sommerhalder
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Kathrin Stirnemann

Kathrin Stirnemann

Keystone

Die Gränicher Eliminator-Weltmeisterin Kathrin Stirnemann kam am Wochenende von einem gut zweiwöchigen Besichtigungstrip aus Rio de Janeiro zurück. Zusammen mit Jolanda Neff, Nino Schurter und drei weiteren Fahrern des Nationalkaders wagte die 25-Jährige eine erste Annäherung an die Olympischen Spiele von 2016 in der brasilianischen Millionenstadt.

Kathrin Stirnemann, wie war es in Rio de Janeiro?

Es ist eine megacoole Stadt, zwar hektisch und mit sehr viel Verkehr. Aber auch mit sehr freundlichen Einwohnern. Viele haben mich vor der Reise gewarnt, ich müsse aufpassen und dürfe nicht alleine auf die Strasse. Ich bekam aber nie das Gefühl, ich müsste Angst haben. Wir gingen auch Rios bekannteste Sehenswürdigkeiten anschauen, Zweck war es, die Stadt kennen zu lernen, damit wir uns während der Olympischen Spiele ein wenig wie zu Hause fühlen.

Die 14-tägige Reise diente der Olympia-Vorbereitung. Mit welchen Erkenntnissen kehren Sie zurück?

Wir müssen uns auf ein Olympia-Rennen einstellen, das bei grosser Hitze stattfindet. Die Cross-Country-Strecke wird in einem Talkessel gebaut, zudem fährt man dort kaum je einmal im Schatten. Ich persönlich habe auch die Gewissheit erhalten, in Rio alles vorzufinden, was ich in der unmittelbaren Rennvorbereitung brauche.

Ergibt sich daraus ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz?

Ja, auf jeden Fall. Es werden in den nächsten Monaten zwar sicher weitere Nationen dorthin reisen, um einen Eindruck zu gewinnen. Aber wir haben bereits einen mentalen Vorteil. Die Konkurrenz denkt: Die Schweizer waren schon da, sie sind uns einen Schritt voraus. Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Sie reisten im südamerikanischen Sommer nach Brasilien, die Olympischen Spiele finden jedoch im «winterlichen» Rio statt. Kann man die Bedingungen überhaupt vergleichen?

Wir haben viel mit den Einheimischen über die Wetter-Voraussetzungen gesprochen. Die Temperaturen in Rio sind während des Jahres ziemlich konstant. Derzeit herrscht dort eher Regenzeit, im August während der Olympischen Spiele wird es trocken und eher noch heisser sein, obwohl dort eigentlich Winter ist. Dafür ist die Luftfeuchtigkeit tiefer.

Nur dumm, dass Ihre Paradedisziplin – das Eliminator-Rennen – nicht olympisch ist!

Ja, das ist so. Mir ist natürlich schon länger bewusst, dass Eliminator in Rio nicht gefragt ist. Ich werde deshalb auf nächste Saison umsatteln. Mein zukünftiger Fokus liegt auf Cross Country. Ich bin überzeugt, ohne die bisherige Doppelbelastung in dieser Disziplin einen grossen Schritt nach vorne machen zu können.

Wie weit nach vorne?

Ich habe im Weltcup schon gezeigt, das die Top 10 ein realistisches Ziel sind. Der nächste Schritt ist nun, konstant in diese Region zu fahren, an einem sehr guten Tag liegen auch die Top 5 drin.

Wie sieht der weitere Fahrplan in Richtung Rio aus?

Im Moment bin ich daran, Ausdauer zu büffeln. Ich muss den ganzen Körper ummodeln – weniger Krafttraining, mehr längere Einheiten. Im März fahre ich in Südafrika das Cape Epic.

Mit wem?

Ich weiss es zwar, darf es aber noch nicht sagen. Es ist noch nicht offiziell.

Wann fällt der definitive Olympia-Entscheid?

Erst im Mai 2016. Aber im nächsten Jahr zählen bereits zwei Weltcuprennen zur Qualifikation. Mit einem Top-5-Resultat hat man die Kriterien schon mal erfüllt.

Sie wechseln auf die nächste Saison hin auch das Team!

Ja, die Velomarke Haibike bietet mir die Chance, ein neues Team um mich herum aufzubauen. Mit der Tourismusregion Ötztal wurde ein perfekter Co-Sponsor gefunden. Neben mir sind noch die Bündnerin Corina Gantenbein sowie vier österreichische Fahrer im Team.

Sicher eine besondere Motivation?

Auf jeden Fall. Bisher im Team von Sabine Spitz konnte ich viel von der ehemaligen Olympiasiegerin profitieren. Meine Rolle war aber eine ganz andere als zukünftig jene der Teamleaderin.

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