Curling

Jannis allein im Haus – der Schweizer Juniorenmeister will am Baden Masters Erfahrungen sammeln

Jannis Spiess spielt hoch konzentriert den nächsten Stein ins Haus.

Jannis Spiess spielt hoch konzentriert den nächsten Stein ins Haus.

Als Schweizer Juniorenmeister erhält der 19-jährige Jannis Spiess aus Dättwil eine Wildcard für das internationale Baden Masters – er sagt: «Wir können nur lernen und profitieren.»

In drei Minuten ist der 19-jährige Jannis Spiess zu Fuss in der Curlinghalle in Dättwil. Dort frönt er mit viel Aufwand und Talent seiner sportlichen Leidenschaft. Dumm nur, dass die drei Teamkollegen von «Glarus Belvédère AM» für ein gemeinsames Training etwas länger unterwegs sind.

So spielt Spiess, der bei den Gründen für seine Curling-Karriere ausgerechnet den Teamgedanken hervorhebt («Ich brauche im Sport ein Team.»), unter der Woche die Steine oft mutterseelenallein möglichst präzise ins Haus.

Am Wochenende nach Glarus

Der Wirtschaftsmittelschüler, der zurzeit als Abschluss der Ausbildung ein einjähriges Praktikum bei Miele in Spreitenbach absolviert, muss selber schmunzeln ob dieses Widerspruchs. Sein Team sieht er meistens am Wochenende für gemeinsame Trainings. Momentan in Baden, weil es in Glarus noch kein Curling-Eis gibt. Im Winter reist Spiess dann regelmässig in die Bergwelt des Zigerschlitzes.

Ein Flachländer und drei Bergler – kommt das gut? An den Resultaten gemessen ganz bestimmt. Das Team ist aktueller Schweizer Meister und als solcher qualifiziert für die Weltmeisterschaft im kommenden Frühjahr in Liverpool. Nicht die Fussball-Hochburg in England, sondern das Curling-Zentrum im Norden Kanadas.

Betreut werden die Schweizer WM-Teilnehmer übrigens von prominenten Nachwuchs-Nationaltrainer Martin Rios. Auch der Olympia-Silbermedaillengewinner von Pyeongchang ist Glarner. Man kennt sich, denn der eigentliche Team-Coach Rolf Hösli war einst auch Trainer von Rios.

Kernstück von Glarus Belvédère sind die beiden Söhne von Hösli, Marco und Philipp. Daneben Marco Hefti und als geografischer Farbtupfer Jannis Spiess. «Sie sind schon speziell», sagt der Aargauer über den Charakter der Glarner, «aber auf eine gute, humorvolle Art».

Mit Wildcard in Baden

Die Erfolge des Teams, zu welchem Jannis Spiess im Sommer 2014 auf der Suche nach einer persönlichen Weiterentwicklung stiess, haben dem Quartett auch die Türen geöffnet für den ersten Auftritt bei der Elite auf grösstmöglicher Bühne. Glarus darf mit einer Wildcard beim Start zur neuen Saison der World Curling Tour (WCT) in Baden antreten.

Dort trifft man auf einige der weltbesten Curler. Wird man da besonders nervös? Spiess sagt, es halte sich in Grenzen, «denn wir haben ja nichts zu verlieren. Wir können nur lernen und profitieren». Er sei sehr gespannt, wie diese Premiere ausgeht.

Spiess selber hat 2009 nach einem Tag der offenen Tür im Curlingcenter Baregg zu diesem Sport gefunden. Zuvor versuchte er sich beim Tennis. Beim Curling fasziniert ihn die Abwechslung. Gefragt seien in wechselnder Intensität Konzentration wie Kondition. Wischen und übers Eis gleiten erweisen sich als durchaus kräftezehrend. So sehr, dass Jannis Spiess im Zweiwochenrhythmus beim Physiotherapeut seine Rückenmuskulatur lockern lässt.

Ab nach Kanada

Nach dem Baden Masters folgt für den 19-Jährigen bereits der nächste sportliche Höhepunkt. Mit dem Team geht es zwei Wochen nach Kanada zum Training und einer prestigeträchtigen Turnierteilnahme in Gatineau nahe Quebec. «Ich freue mich sehr, zu erleben, wie Curling dort gelebt wird. Die Sportart hat in Kanada einen ganz anderen Stellenwert als bei uns.»

Auch wenn der Dättwiler Fitness, Kondition und Technik häufig alleine trainiert, muss er sich nicht einsam fühlen. Dafür sorgen die verschiedenen Gruppenchats im Team – unter anderem zu organisatorischen Fragen und zur Taktik.

Dort tauscht man sich untereinander beinahe täglich aus. Spiess und seine drei Kollegen betreiben einen grossen Aufwand, denn sie haben ein ebensolches Ziel: Die Schweiz eines Tages bei Olympischen Spielen vertreten. Zuerst aber will man in Baden eine Duftmarke setzen.

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