Kuhns Fussballwelt
Jeff Saibene wird getreten und ich denke an seine Zeit beim FC Aarau

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den Aargauer Fussball. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

Ruedi Kuhn
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AZ-Autor Ruedi Kuhn.

AZ-Autor Ruedi Kuhn.

Sandra Ardizzone / INL

Ich sitze vor dem Fernseher, schaue mir die Highlights des Spiels zwischen Ingolstadt und dem 1. FC Kaiserslautern an und traue meinen Augen nicht. Nach dem 1:1 bedankt sich Kaiserslautern-Trainer Jeff Saibene bei den Unparteiischen, als ihn Ingolstadt-Sportdirektor Michael Henke von hinten in die Beine tritt.

Saibene gerät in Rage, dreht sich um, will sich wehren, wird aber zurückgehalten. Der Luxemburger war bis im März dieses Jahres Trainer von Ingolstadt, mischte lange Zeit im Aufstiegsrennen mit, wurde in der Schlussphase der Saison nach fünf sieglosen Spielen aber entlassen. Henke soll damals hauptverantwortlich für den Rausschmiss Saibenes gewesen sein.

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Ganz einfach! Beim Betrachten der TV-Bilder mit Saibene in der Rolle eines der beiden Hauptdarsteller habe ich schlechte Erinnerungen. Der FC Aarau erarbeitete sich nach dem Aufstieg in die Nationalliga A 1981 während 29 Jahren den Ruf der Unabsteigbaren. Als Saibene auf die Saison 2009/10 Cheftrainer wurde, nahm das Unheil seinen Lauf.

Der Luxemburger leitete mit einer Horror-Bilanz von neun Niederlagen in 13 Spielen den erstmaligen Abstieg nach knapp drei Jahrzehnten aus der höchsten Spielklasse ein und wurde im Oktober 2009 entlassen. Für mich war es ein schwacher Trost, dass Saibenes Nach­folger Martin Andermatt mit 14 Niederlagen in 18 Spielen eine noch schlechtere Bilanz aufwies und ebenfalls ent­lassen wurde.

Elf Jahre nach seinem Rausschmiss im Brügglifeld übernahm Saibene am 2. Oktober das Traineramt beim 1. FC Kaiserslautern. An seiner Seite ist Assistent Ryszard Komornicki. Die Zwei arbeiteten von 2007 bis 2009 erfolgreich beim FC Aarau. Damals war Komornicki der Chef und Saibene der Assistent. Nun sind die Zwei in der Pfalz tätig und sollen Kaiserslautern in die 2. Bundesliga führen. Die Realität sieht anders aus. Nach der jüngsten 0:3-Heimpleite gegen 1860 München ist Kaiserslautern mit den beiden früheren Aarauern auf einem Abstiegsplatz.