Nordwestschweizerisches

Jetzt ist auch Überraschungssieger Bieri ein Königsanwärter

Schwang in Allschwil obenaus: Christoph Bieri

Schwang in Allschwil obenaus: Christoph Bieri

In Allschwil besiegte er die beiden Königsanwärter des Eidgenössischen Schwingfestes in Burgdorf, Matthias Sempach und Bruno Gisler. Damit gehört der 28-jährige plötzlich auch zum Favoritenkreis für den Saisonhöhepunkt.

Das letzte Teilverbandsfest der Saison brachte den erwartet spannenden Kampf um den Tagessieg. Doch mit Christoph Bieri als Tagessieger hatten die wenigsten Schwingerkenner gerechnet. Wohl gewann der Untersiggenthaler zum Saisonauftakt das „Baselstädtische" und war am Aargauer Kantonalfest Co-Sieger mit Mario Thürig. Danach geriet er in ein Tief. Auf dem Stoos und am Innerschweizerischen Teilverbandsfest in Emmen verfehlte er sogar den Kranzgewinn.

Der Weissenstein-Kranz wirkte als Moralspritze. An diesem Bergfest vor zwei Wochen trat er erstmals ohne Schmerzmittel an. Dies verlieh neue Zuversicht. So fertigte er in Allschwil zum Auftakt den defensiv starken Berner Beat Salzmann mit einem inneren Haken ab. Nach weiteren Siegen gegen den Südwestschweizer Gast Michael Matthey und Romeo Freund jeweils mit Hochschwung lag Bieri zur Halbzeit alleine an der Spitze.

Bruno Gisler gebremst

Der Fokus der 3000 Zuschauer war zuvor auf Bruno Gisler gerichtet. Der Überflieger der letzten Wochen besiegte im besten Gang des Tages Matthias Sempach mit seinem gefürchteten Hüfter als Konter auf einen Übersprungangriff. Aber vor der Mittagspause bremste der Appenzeller „Jagdhund" Markus Schläpfer den vermeintlich übermächtigen Solothurner.

Deshalb erhielt Christoph Bieri am Nachmittag die groben Brocken vorgesetzt. Den Innerschweizer Gast Peter Imfeld legte er mittels Kurz/Fussstich platt. Im Duell gegen Matthias Sempach sprach die Ausgangslage für den Aargauer, weil ihm ein „Gestellter" zur Schlussgangqualifikation reichte. So suchte vor allem der Berner die Offensive. Einmal rettete sich Bieri mit Glück aus der Unterlage. Wenige Sekunden vor Ende konterte er einen Übersprung Sempachs zum Plattwurf.

Wieder sechs Siege

Die Endausmarchung mutierte zum totalen Triumph des Titelverteidigers. „Wenn ich Bruno Gisler schwinge lasse, kommts nicht gut", sagte sich Bieri und griff von Beginn weg auch selber an. Dabei kam ihm gelegen, dass die Initiative bei Gisler lag. Stets reagierte Bieri gefährlich. Nach sechs Minuten zog der Aargauer am Sägemehlrand kurz und erwischte den Solothurner auf dem falschen Fuss. Blitzschnell ging Bieri in den Kreuzgriff über und legte seinen Widersacher mit einem kontrollierten Wurf ins Kurzholz.

„Für ihn wars einfacher, er konzentrierte sich aufs Kontern meiner Angriffe", kommentierte Gisler die Niederlage. Bieri wiederum zeigte sich erleichtert. „Das ist für mich ein spezieller Sieg, weil mich zuletzt kleine Verletzungen aus dem Rhythmus gebracht hatte."

Für Bieri wars beim 62. Kranzgewinn der 18. Kranzfestsieg. „Nach einer Saison mit vielen Höhen und Tiefen gibt mir dies neues Selbstvertrauen im Hinblick aufs Eidgenössische." Entsprechend kündete der Untersiggenthaler an, dass er in zwei Wochen am Schwägalp-Schwinget nicht antreten werde, sondern das Erfolgserlebnis für Burgdorf mitnehmen wolle. „Ich kann damit leben, dass ich jetzt auch als Favorit gehandelt werden. Aber andere stehen trotzdem mehr im Fokus."

Fehlende starke Mittelschwinger

Hinter dem Nordwestschweizer Topduo Bieri/Gisler überzeugte auch Mario Thürig. Er verlor nach guter Gegenwehr im vierten Gang einzig gegen Matthias Sempach. Dahinter klafft im Nordwestschweizer Verband mehr denn je eine grosse Lücke.

Vermeintliche Kranzanwärter am „Eidgenössischen" wie Guido Thürig, Remo Stalder oder Patrick Räbmatter patzerten. Solide Leistungen zeigten Jürg Mahrer, Andreas Henzer, Henryc Thoenen und mit Abstrichen Michael Gschwind. In Burgdorf werden sie aber allesamt einen Zacken zulegen müssen, wollen sie zum „Eidgenossen" aufsteigen.

In der Kranzbilanz schwangen überraschend die Baselbieter mit acht Auszeichnungen obenaus. Die Solothurner lagen mit fünf Kränzen in den Erwartungen, während fünfmal Eichenlaub für den Aargau zu bescheiden ist. Die acht Gästeschwinger mussten sich mit drei Kränzen begnügen. Für die grösste Überraschung sorgte der Freiämter Andreas Ender, der im sechsten Gang Markus Schläpfer auskonterte und sich damit als Neukranzer feiern liess.

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