Als Sportchef des FC Aarau ist es Sandro Burkis Hauptaufgabe, Personalentscheide zu fällen. Und wie die Zwischenbilanz seiner 520-tägigen Amtszeit zeigt: Burki nimmt seinen Job ernst. Sehr ernst. Seit er am 17. August 2017 in einer Nacht- und-Nebel-Aktion vom Rasen ins Sportchef-Büro wechselte, hat er 25 Spieler verpflichtet, 19 abgegeben und 10 mit neuen Verträgen längerfristig an den Verein gebunden. Dazu kommen 8 Zuzüge und 7 Abgänge im Trainerstab (siehe Listen im Bild).

Macht insgesamt 69 Personalentscheidungen in eineinhalb Jahren. Anders gesagt: Fast ein Transfer (inklusive Vertragsverlängerungen) pro Woche. Eine happige Zahl, wenn man bedenkt, dass der FC Aarau ein KMU mit rund 45 Personen auf der Lohnliste ist. Burki zu den krassen Zahlen: «Ja, 69 Personalien in 17 Monaten sind viel. Aber es war auch nötig, die Mannschaft an der Basis zu verändern. Seit dem Abstieg aus der Super League 2015 rutschte der Klub in der Tabelle immer weiter ab. So konnte es nicht weitergehen.» Vom Kader, das Raimondo Ponte im August 2017 seinemNachfolger Burki überlassen musste, sind lediglich 10 Spieler noch heute beim FC Aarau (Jäckle, Thaler, Deana, Rossini, Tasar, Misic, Giger, Hammerich, Mehidic, Peralta). 13 haben den Klub verlassen. Dazu hat Burki den kompletten Trainerstab ausgetauscht.

«Fluktuation wird geringer sein»

Nachhaltigkeit taugt also nicht als Überbegriff, mit dem Burkis bisherige Arbeit zusammengefasst werden kann. Noch nicht. «In den nächsten eineinhalb Jahren wird die Fluktuation deutlich geringer sein», betont Burki. «Der Umbruch wird zwar nie ganz abgeschlossen sein. Doch langsam, aber sicher entspricht das Kader meinen Vorstellungen, die ich von Anfang an hatte. Als ich als Sportchef anfing, glaubte ich, in wenigen Monaten meine Ideen umsetzen zu können. Ich musste lernen, dass in diesem Job Geduld eine wichtige Tugend ist.»

Wohl eine Anspielung auf die Entlassung von Ex-Trainer Marinko Jurendic, von dem sich Burki im Dezember 2017 trennen wollte, seinen Wunsch vom Verwaltungsrat aber erst im März 2018 erfüllt bekam.

Goldschätze Tasar und Giger

Burki sagt, was ihm für die mittelfristige Zukunft vorschwebt: «Die erfahrenen und etwas älteren Spieler, die in den nächsten zwei Jahren das Gerüst der Mannschaft bilden sollen, haben langfristige Verträge. Nun geht es darum, das Kader für die nächste Saison mit ambitionierten, jungen Spielern aufzufüllen.» Namentlich heisst dies: Thaler, Jäckle, Zverotic, Schneuwly, Neumayr und Thiesson (kommt im Sommer) sindals Führungsfiguren in der kommenden Spielzeit gesetzt. Um sie herum sollen Eigengewächse und junge Leihspieler aus der Super League gedeihen. Das Durchschnittsalter der Mannschaft ist seit Burkis Amtsübernahme um knapp zwei Jahre gestiegen.

Der Hintergrund ist klar: Er hat auch in der tiefen Krise im Herbst 2018 deutlich gemacht, dass er mit dem FCA dereinst in die Super League zurückkehren will. «Dort gehört der Verein hin», so Burki im August im «AZ»-Interview. Da aktuell das Winter-Transferfenster geöffnet ist, wird Burki wohl in Kürze seinen Personalentscheid Nummer 70 fällen. Betrifft dieser Varol Tasar? Nicht, wenn es nach Burki und Trainer Patrick Rahmen geht: Sie wollen ihren besten Skorer auf keinen Fall im Winter abgeben.

Ein Zeichen, dass die Ambitionen auf den Barrage-Platz trotz acht Punkten Rückstand da sind. Spätestens im Sommer aber wird der 22-Jährige wohl gehen: Sein Abgang wird Geld in die FCA-Kasse spülen – im Optimalfall rund 500 000 Franken. Burki könnte sich dann auf die Fahne schreiben, dass unter ihm der FCA endlich wieder einmal seiner Rolle als Ausbildungsverein gerecht wird und einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs für einen grossen Batzen verkauft: Zuletzt war dies 2015 beim Transfer von Joël Mall zu GC der Fall. Neben Tasar peilt auch Raoul Giger im Sommer einen Wechsel in die Super League an. In Zukunft soll es zwar ruhiger werden an der FCA-Transferfront: Doch ausgehen wird Sportchef Sandro Burki die Arbeit nicht.

Alle Personalentscheide seit Amtsantritt von Sportchef Sandro Burki sehen Sie in den Bildergalerien. 

Spielertransfer «Zuzüge»

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Vertragsverlängerungen

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Trainerstab «Abgänge»