FC Aarau

«Keine Fortschritte»: So begründen die Bosse die einstimmige Jurendic-Entlassung – wer wird Nachfolger?

Marinko Jurendic muss den FC Aarau nach knapp einem Jahr verlassen.

Marinko Jurendic muss den FC Aarau nach knapp einem Jahr verlassen.

Brillanter Theoretiker, schwach in der Praxis - so lässt sich die knapp einjährige Amtszeit von Marinko Jurendic als FCA-Coach zusammenfassen. Für die neue Saison werden prominente Namen gehandelt.

Überraschend ist höchstens der Zeitpunkt, nicht aber der Inhalt der Nachricht, die am Mittwochabend um 21 Uhr die AZ-Redaktion erreicht: Der FC Aarau trennt sich per sofort von Cheftrainer Marinko Jurendic. Dass dieser Schritt in der zweiwöchigen Länderspielpause vollzogen wird, war nach der jüngsten Niederlagen-Serie zu erwarten. Dass es bereits gestern passiert, damit konnte jedoch nicht gerechnet werden: Der Mittwoch stand ursprünglich ganz im Zeichen des neuen Stadions im Torfeld Süd.

Der Entscheid der sechs FCA-Verwaltungsräte fiel einstimmig. Kurios: Jurendic durfte am Mittwoch ein letztes Mal das Training leiten, weil er in diesem von einem Inspizienten des Schweizerischen Fussballverbandes im Rahmen einer Weiterbildung geprüft wurde. Am Nachmittag dann wurde ihm die Entlassung von Sportchef Sandro Burki und Vizepräsident Roger Geissberger mitgeteilt.

"Guter Typ, der viel von Fussball versteht"

Geissberger begründet die Entscheidung gegenüber der «Aargauer Zeitung» wie folgt: «Wir haben an einer Verwaltungsrats-Sitzung am Dienstag einstimmig beschlossen, Trainer Marinko Jurendic freizustellen. Menschlich kann man Jurendic nichts vorwerfen. Er ist ein guter Typ und ein hervorragender Kommunikator. Er versteht zweifellos sehr viel von Fussball, konnte seine Kenntnisse aber nicht auf die Mannschaft übertragen.»

Dazu passt: Vor wenigen Tagen hat Jurendic vor Managern einer Grossbank ein Referat gehalten und wurde dafür von höchster Stelle gelobt. Fachlich ist dem 40-Jährigen nichts vorzuwerfen. Die Theorie ist aber nur die halbe Miete, was zählt, ist das, was auf dem Platz geleistet wird. Geissberger sagt weiter: «Zur Freistellung von Jurendic haben die mangelhaften Resultate und die schlechten Leistungen der Mannschaft geführt. Ausserdem konnten wir innerhalb des Teams keine Fortschritte erkennen.»

Wie weiter auf dem Trainerposten?

Wie geht es nun weiter? Im heutigen Testspiel gegen den FC Zürich coacht Keller die Mannschaft, ab morgen leitet er die Trainings. Der ehemalige FCA-Spieler (Frühling 2004) kam im Sommer gemeinsam mit Jurendic ins Brügglifeld. Weil Keller jedoch die nötigen Diplome fehlen, ist er nur eine Lösung auf Zeit. Geissberger sagt: «Stephan Keller wird die Mannschaft interimistisch trainieren und auf das nächste Pflichtspiel vorbereiten.» Dieses findet am Ostermontag, 2. April, (Anpfiff 16.00 Uhr) im Brügglifeld gegen den FC Winterthur statt. Ob Keller dann als Chefcoach auf der Bank sitzt, ist ungewiss.

Vorerst leitet Stephan Keller das FCA-Training.

Vorerst leitet Stephan Keller das FCA-Training.

Für die restlichen elf Ligaspiele gibt es drei Varianten. Erstens: Keller bleibt dank einer Ausnahmegenehmigung von der Swiss Football League Trainer bis zum Saisonende. Zweitens: In den nächsten Tagen wird ein Interimstrainer, der die nötigen Diplome besitzt (Sven Christ?), bis zum Saisonende vorgestellt. Drittens: Der neue Cheftrainer und rechtmässige Nachfolger von Jurendic übernimmt noch in dieser Saison.

Forte, Fischer, Rahmen oder Sforza?

Die letzte Variante ist unwahrscheinlich. Das Risiko, dass der neue Hoffnungsträger bereits zu Beginn seiner Amtszeit verbrannt wird, ist wohl zu gross. Sportchef Sandro Burki, der die Suche nach dem Cheftrainer für die nächste Saison in Angriff genommen hat, sagt zum Vorgehen: «Wir erstellen ein Anforderungsprofil und danach eine Liste mit möglichen Kandidaten. Möglich, dass der Nachfolger von Jurendic im April bekannt ist.»

Namen will Burki nicht kommentieren. Gerüchten zufolge werden aktuell fünf Kandidaten diskutiert: Urs Fischer, Patrick Rahmen, Uli Forte, Ciriaco Sforza und Jürgen Seeberger.

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