Kuhns Fussballwelt
Die Grasshoppers und der Irrtum des Herrn Bernard Schuiteman

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den Aargauer Fussball. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

Ruedi Kuhn
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Bernard Schuiteman ist seit dem vergangenen Frühling als GC-Sportchef im Amt.

Bernard Schuiteman ist seit dem vergangenen Frühling als GC-Sportchef im Amt.

Bild: Keystone

18 Spieler hat GC-Sportchef Bernard Schuiteman vor und während dieser Saison verpflichtet. Oskar Buur ist der sechste Spieler, der Anfang dieses Jahres von den Wolverhampton Wanderers zu den Zürchern transferiert wurde.

GC wird der Zielsetzung der Challenge League, eine Ausbildungsliga für Schweizer Talente zu sein, längst nicht mehr so gerecht wie in früheren Jahren. Trotzdem sagt Schuiteman, dass GC kein Farmteam sei. Er ist überzeugt, dass sich die Fans heute noch mit dem Klub identifizieren können.

Herr Schuiteman, da irren Sie sich! Glauben Sie tatsächlich, dass sich die älteren Fans noch mit GC identifizieren können? Mag sein, dass Sie etwas von Fussball verstehen. Aber vom stolzen GC der 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre, von den Spielen gegen europäische Spitzenteams im Hardturm, von Schweizer Stars wie Andy Egli, Raimondo Ponte, Heinz Herrmann, Claudio Sulser, Roger Wehrli, Martin Brunner und Roger Berbig und von der Tradition des Zürcher Nobelklubs scheinen Sie keine Ahnung zu haben.

GC-Sportchef Bernard Schuiteman (r.) bei der Präsentation des neuen Trainers João Carlos Pereira im vergangenen Sommer.

GC-Sportchef Bernard Schuiteman (r.) bei der Präsentation des neuen Trainers João Carlos Pereira im vergangenen Sommer.

Bild: Keystone

Der eine oder andere GC-Mäzen würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, dass der Rekordmeister von chinesischen Investoren bezahlt und dirigiert wird. Und dass Talente aus der Nachwuchsabteilung wie Euclides Cabral, Allen Njie, Djibril Diani und Anthony Goelzer in den vergangenen Monaten ausser Rang und Traktanden gefallen sind, ist schade.

Ein Kompliment muss ich Ihnen aber machen, Herr Schuiteman! GC scheint seine Hausaufgaben nach dem langweiligen Fussball-Geschiebe in der Vorrunde gemacht zu haben. Beim 2:0-Sieg gegen Stade Lausanne-Ouchy waren Ansätze von temporeichem Offensivspektakel zu sehen. Obwohl die Waadtländer gegen Ende des qualitativ hochstehenden Spiels dem 1:1 näher waren als GC dem 2:0, hat mir der Auftritt der Zürcher gefallen.

Eines ist vor dem Heimspiel vom Freitag gegen den FC Aarau klar: Alles andere als der Aufstieg ist für GC eine sportliche Ohrfeige. Sollte es nicht klappen, stellt sich die Frage: Wie lange haben die Geldgeber aus China noch Lust auf ihr kleines Spielzeug?

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