Kuhns Fussballwelt
Sforza fehlt das Format, um Trainer beim FC Basel zu sein

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den Aargauer Fussball. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben. Heute Ciriaco Sforza.

Ruedi Kuhn
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Ist Ciriaco Sforza als Trainer beim FC Basel gescheitert?

Ist Ciriaco Sforza als Trainer beim FC Basel gescheitert?

Claudio Thoma / freshfocus

Ciriaco Sforza und der FC Basel? Der Wohler als Chef­trainer bei den Rotblauen? In Kenntnis der speziellen Art der Basler und im Wissen um die gespaltene Persönlichkeit von Sforza war von Anfang an klar: Das passt nicht zusammen!

Trotzdem hat sich die FCB-Chefetage mit Verwaltungsratspräsident Bernhard Burgener für Sforza ent­schieden. Ein Entscheid, der die Basler sportlich und finanziell teuer zu stehen kommt.

Ich kenne Sforza seit seiner Zeit als Junior des FC Wohlen. Ich war Ende der 1980er-Jahre sowohl bei seinem Transfer von GC zu Aarau als auch ein Jahr später bei der Rückkehr zu GC mitten drin. Ich spürte in vielen Gesprächen mit ihm, dass er den Fussball im Blut hat. Auf dem Spielfeld war er spitze!

Als Spieler, hier 1988 für GC, war Ciriaco Sforza spitze.

Als Spieler, hier 1988 für GC, war Ciriaco Sforza spitze.

Keystone

Ich spürte aber auch, dass er neben dem Spielfeld hilflos und überfordert ist. Es ist offensichtlich, dass Sforza als Trainer eines Grossklubs, als Trainer im Spitzenfussball das Format fehlt. Er hat zwar Ideen, kann diese aber den Spielern nicht übermitteln. Wenn es nicht läuft, wird er nervös, hektisch, selbstherrlich, unberechenbar und verliert die Übersicht.

Es ist peinlich, wie sich Sforza gegen aussen hin präsentiert. Seine Wortwahl in Interviews ist oft wirr. So gibt sich der 51-Jährige ein ums andere Mal der Lächerlichkeit preis. Stellt man ihm Fragen, flüchtet er sich in Durchhalteparolen.

Er übt selten Selbstkritik. Nach Niederlagen schwafelt er von Vorfreude auf die nächsten Spiele, von Ent­wicklungsprozessen, die es nicht gibt. Ciriaco Sforza wird bei den Baslern weder erfolgreich sein noch sein Glück finden. Er ist gescheitert.

Trotz all dieser schlechten Vorzeichen wird Sforza um seinen Trainerjob kämpfen. Weil er weiss, dass seine ­Trainerkarriere im Profifussball nach einer Entlassung in Basel zumindest in der Schweiz zu Ende ist. Bei nüchterner Betrachtung gibt es in diesem Drama mit zwei Verlierern nur eine Lösung: Die Trennung! Frei nach dem Motto: «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!»

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