Snowboard Freestyle
Lia-Mara Bösch: Trotz Verletzungspech noch auf den letzten Zug aufgesprungen

Es ist nie zu spät, um seine Träume zu erfüllen. Bestes Beispiel dafür ist die Aargauerin Lia-Mara Bösch. Mit 17 Jahren googelte die heute 26-Jährige den Begriff Snowboard-Freestyle – vier Jahre später gab sie in derselben Disziplin ihr Weltcupdebüt. Böschs steiler Karriereaufstieg ist eine Erfolgsstory, die seinesgleichen sucht. Es ist aber auch eine Geschichte, die von vielen Rückschlägen geprägt ist.

Nicolas Blust
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Lia-Mara Bösch mit Siegermedaille. Die Aargauer Snowboard-Freestylerin gewann den European Cup 19/20 im Big Air.

Lia-Mara Bösch mit Siegermedaille. Die Aargauer Snowboard-Freestylerin gewann den European Cup 19/20 im Big Air.

Lia-Mara Bösch

In Kreischberg in Österreich findet diese Woche der erste Freestyle-Weltcup des Jahres statt. Mit dabei ist auch die Freiämterin Lia-Mara Bösch. Die 26-Jährige gibt dabei ihr Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause, nachdem sie sich Ende Oktober im Training das Handgelenk gebrochen hat.

Lia-Mara Bösch am Outdoormix Winter Festival 2020. Lia-Mara Bösch am Outdoormix Winter Festival 2020.

Lia-Mara Bösch am Outdoormix Winter Festival 2020. Lia-Mara Bösch am Outdoormix Winter Festival 2020.

Lia-Mara Bösch

Der Wettkampf in Kreischberg ist für die Freestyle-Snowboarderin ein spezielles Event. Hier feierte sie 2015 an der WM ihr Debüt auf der internationalen Bühne. «Die WM 2015 war ein wichtiger Punkt in meiner Karriere. Es war mein erster Grossanlass und ich schaffte dort den Sprung in den Weltcup-Zirkus», erinnert sich Bösch.

Damals hatte sie noch keinen Platz im Nationalkader und fuhr erst vier Jahre Freestyle. Trotzdem holte sie nach dem Sieg in der Qualifikation den fünften Schlussrang im Big Air. Von da an ging es nur noch bergauf mit ihrer Karriere. Wenige Wochen später überzeugte Bösch auch bei ihrer Weltcuppremiere und sprang auf den zweiten Platz. Seither ist Lia-Mara Bösch nicht mehr aus dem Nationalkader der Freestyle-Snowboarderinnen wegzudenken.

Steiler Karriereaufstieg trotz zahlreicher Rückschläge

Der märchenhafte Aufstieg wurde jedoch immer wieder durch Verletzungen unterbrochen. Für Bösch ist es fast schon selbstverständlich, einmal pro Winter verletzungsbedingt auszufallen. Die Freestyle-Snowboarderin hat mittlerweile aber gelernt, mit solchen Rückschlägen umzugehen. Dabei profitiert sie auch von einem gefestigten familiären Umfeld, das sie auffängt: «Meine Familie und mein langjähriger Freund helfen mir in diesen schwierigen Situationen.» Ausserdem versucht die 26-Jährige aus jeder Verletzung ihre Lehren zu ziehen, um so erneuten Verletzungen vorzubeugen.

Kann trotz Verletzung lachen. Ende Oktober brach sich die 26-Jährige ihr Handgelenk bei einem Sturz im Training. Kann trotz Verletzung lachen. Ende Oktober brach sich die 26-Jährige ihr Handgelenk bei einem Sturz im Training.

Kann trotz Verletzung lachen. Ende Oktober brach sich die 26-Jährige ihr Handgelenk bei einem Sturz im Training. Kann trotz Verletzung lachen. Ende Oktober brach sich die 26-Jährige ihr Handgelenk bei einem Sturz im Training.

Lia-Mara Bösch

Sowieso ist Bösch nur schwer unterzukriegen. Ihre aufgestellte Art und ihre Lebensfreude lassen kein Trübsal zu. Trotzdem setzten ihr die zahlreichen Verletzungen zu: «Irgendwann ist man schon an einem Punkt, wo man sich fragt, wie viel ist es mir eigentlich wert.» Trotzdem kam für Bösch aufgeben nicht in Frage. «Ich habe so viele Jahre in meine Karriere investiert, dass ich sie nicht einfach wegwerfen will. Ausserdem würde mir ohne das Snowboarden ein Stück meiner Identität fehlen», sagt Bösch über die Zweifel während den Verletzungen.

Keine zu grossen Erwartungen vor dem Weltcup-Auftakt

Pünktlich zum ersten Weltcup ist Lia-Mara Bösch nun wieder auf dem Snowboard unterwegs. Erst kurz vor Jahresende erhielt sie dafür vom Arzt grünes Licht. Sie muss momentan aber noch eine Schiene tragen, um nicht einen erneuten Bruch des Handgelenks zu riskieren. Mit einer Topplatzierung rechnet die Freiämterin nicht, schliesslich hat sie lediglich vier Trainings in den Beinen. Deswegen wird sie in Österreich auch noch keine riskanten Stunts zeigen: «Ich habe mir einen Trick vorgenommen, bei dem ich recht selbstsicher bin.»

In erster Linie geht es also darum, wieder Wettkampfluft zu schnuppern und nicht zu stürzen. Schliesslich hat Bösch für den restlichen Winter noch einiges vor. Im letzten Jahr vor den Olympischen Spielen will sich die Aargauerin für die Winterspiele qualifizieren. Es wäre für sie eine Premiere, verpasste sie doch die beiden letzten Olympiaden verletzungsbedingt. Olympia ist auch der Grund, dass sie bereits so früh wieder an Wettkämpfen teilnimmt: «Es war eine grosse Motivation, möglichst früh wieder zurückzukehren.»

Ob die Form rechtzeitig zurückkommt, um die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu schaffen, wird sich zeigen. Bösch rechnet sich jedoch gute Chancen aus, sofern sie gesund bleibt. Es würde auf jeden Fall passen, wenn sich die Spätstarterin im letzten Moment noch für den Grossanlass qualifizieren würde. In Sachen Comebacks ist Bösch schliesslich Expertin.