Challenge League

Lösungen gefunden: So bringen der FC Aarau und der FC Winterthur die Fans zum Sitzen

Auch im Gästeblock sollen im Brügglifeld Sitzplätze für die (Heim-)Fans aufgebaut werden

Auch im Gästeblock sollen im Brügglifeld Sitzplätze für die (Heim-)Fans aufgebaut werden

Die heutigen Direktkonkurrenten Winterthur und Aarau galten als Hauptbetroffene der Sitzplatzpflicht in den Schweizer Fussballstadien. Nach vielen Abklärungen und Planungsarbeiten sind Lösungen gefunden. Der FC Winterthur profitiert dabei von seiner Infrastruktur.

Dass die Swiss Football League bis zuletzt stark dafür lobbyierte, dass in der Challenge League auch bei Spielen mit mehr als 1000 Zuschauern Stehplätze erlaubt sind, lag an zwei Klubs: am FC Winterthur und am FC Aarau. Beide Klubs hatten vor Corona an ihren Heimspielen einen stolzen Zuschauerschnitt von rund 3500, gemessen daran aber nur wenige Sitzplätze: 1700 (Winterthur) und 1187 (Aarau). Die vom Bundesrat beschlossene Sitzplatzpflicht in beiden Profiligen bedrohte die beiden Klubs finanziell: Wollen die je gut 2000 Saisonkarten-Inhaber ihr Geld zurück, wenn ihnen der Besuch der Spiele nicht garantiert werden kann?

Anfang September begann ein Wettlauf mit der Zeit – verbunden mit vielen Fragen wie: Sitzplatz gleich Sitzschale? Braucht es eine Baubewilligung? Was kostet die Umrüstung? Ist letztlich die Beibehaltung der 1000er-Grenze sinnvoller?

Vor dem Direktduell am zweiten Spieltag der neuen Saison geben beide Klubs grünes Licht: Sofern die Behörden in den nächsten Tagen auf die mündliche die schriftliche Erlaubnis für die jeweiligen Pläne geben, werden auf der Schützenwiese und im Brügglifeld ab Oktober die Tore für mehr als 1000 Zuschauer geöffnet.

Die Begleitumstände sind indes von grossem Unterschied: Das grosse Glück des FC Winterthur ist die 2015 eingeweihte Gegentribüne im Stadion Schützenwiese. Sie ist überdacht und wird, obwohl als Stehplatz-Bereich angegeben, von vielen Zuschauern seit jeher sitzend benutzt. Das Vorhaben, mit Farbe Vierecke auf den Beton zu zeichnen und diese zu nummerieren, hat der Kanton Zürich gemäss FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli mündlich abgesegnet. Eine «Corona-Kapazität» von 2600 Sitzplätzen ist das Ziel. Mösli geht davon aus, dass dies ausreiche: Gästefans  sind verboten und wegen der Corona-Ansteckungsgefahr verzichten momentan viele Fans auf den Stadionbesuch.

Die überdachte Gegentribüne im Stadion Schützenwiese (oben links) - für den FC Winterthur in diesen Zeiten Gold wert

Die überdachte Gegentribüne im Stadion Schützenwiese (oben links) - für den FC Winterthur in diesen Zeiten Gold wert

Umbau kostet den FC Aarau sechsstellige Summe

Rund 3400 Sitzplätze will der FC Aarau anbieten können. Und dies, obwohl die Grundvoraussetzungen für die Umrüstung im Vergleich zum FC Winterthur mit rauen, flachen und unüberdachten Stehrampen viel schlechter sind. Nach vielen Abklärungen heisst die Lösung: Holzbalken, die im ganzen Stehplatz-Bereich (inkl. Gästesektor) im Boden verschraubt werden und als Halterung für Sitzschalen dienen. Eine sturmsichere Bedachung ist nicht nötig und zu teuer. Kantonsärztin Yvonne Hummel hat grünes Licht gegeben; die Bauverwaltung der Gemeinde Suhr hat mitgeteilt, dass es kein Baugesuch brauche, da sich optisch und punkto Nutzung wenig ändere.

1600 Sitzschalen sind bereits auf dem Weg nach Aarau, sie sollen bis am 24. Oktober, wenn der FCA auf Xamax trifft, montiert sein. Weitere 1000  Sitzschalen kann der Hersteller erst später liefern, ab November dann sollen 3500 Personen im Brügglifeld Platz nehmen.

Zwischen 100'000 und 150'000 Franken wird das Umrüsten den FCA kosten, den Preis drücken könnten Zustüpfe aus dem Klubumfeld und Mithilfe der Fans beim Aufbau. Bonorand: «Das Ziel war, mindestens die Saisonabonnenten ins Stadion lassen zu können. Nun sieht es so aus, als könnten wir einige Einzeltickets verkaufen.» Eine Preiserhöhung für all jene, die ein Stehplatz-Abonnement gekauft haben, ist nicht geplant.

Meistgesehen

Artboard 1