NLA-Handball

Nach acht Jahren beim TV Endingen: Nemanja Sudzums Abgang durch die Hintertür

Vertrag nicht verlängert: Rückraumspieler Nemanja Sudzum läuft künftig nicht mehr für den TV Endingen auf.

Vertrag nicht verlängert: Rückraumspieler Nemanja Sudzum läuft künftig nicht mehr für den TV Endingen auf.

Nach acht gemeinsamen Jahren verlängert der TV Endingen den Vertrag mit Nemanja Sudzum nicht mehr. Das haben der NLA-Verein und der Spieler gemeinsam entschieden. Der 37-jährige Serbe hat 210 Pflichtspieleinsätze für die Surbtaler absolviert und dabei nicht weniger als 862 Treffer erzielt.

Im allgemeinen Wirbel um das Coronavirus, die daraus folgende Krise und den Abbruch der Handballmeisterschaft ist im vergangenen Frühling etwas vorgegangen, von dem kaum jemand Notiz genommen hat: der Abgang von Routinier Nemanja Sudzum beim TV Endingen.

Nach acht gemeinsamen Saisons haben die Surbtaler den Vertrag des serbischen Shooters nicht mehr verlängert. Der 37-jährige und 1,88 Meter grosse Linkshänder läuft künftig nicht mehr für den TVE auf. Zu diesem Entscheid sind die Vereinsverantwortlichen in Gesprächen mit dem Rückraumspieler gekommen. «Das war für mich ein sehr schwieriger Entscheid», sagt Sudzum.

Ursprünglich hätte Nemo, wie er von seinem Umfeld genannt wird, gerne noch eine Saison angehängt: «Ich war fit und habe mich in letzter Zeit nicht mit Verletzungen herumplagen müssen – aber dann kam Corona», sagt er. In seinem Alter sei ein Wiederaufbau nach monatelanger Trainingspause schwierig. «Das hätte keinen Sinn mehr gemacht», sagt Sudzum.

Auch die Zeit war ein ausschlaggebender Faktor

Neben dem von 20 Jahren als Handballprofi gezeichneten Körper sprach aber auch die Zeit gegen eine Fortsetzung der Karriere: Seit dem Frühsommer 2019 arbeitet Sudzum mit Vollpensum in einem Scan-Center.

Daneben ist der zweifache Familienvater auch noch als Nachwuchstrainer in der HSG Aargau Ost tätig. Für Frau und Kinder blieb da nicht viel Zeit. «Nun geniesst die Familie erst einmal Priorität. Sie mussten in den vergangenen Jahren immer wieder hinten anstehen», sagt Sudzum.

Der Faktor Zeit war denn auch für den Verein von wichtiger Bedeutung: «Wir gehen künftig bezüglich Trainingsbesuch keine Kompromisse mehr ein», sagt TVE-Geschäftsführer Christian Villiger. Heisst: Die sechs bis acht wöchentlichen Trainingseinheiten müssen von jedem Kaderspieler absolviert werden.

«Nemo, der so richtig ins Berufsleben eingestiegen ist, kann das neben dem Job gar nicht mehr stemmen. Also haben wir uns schweren Herzens für diesen Schritt entschieden», sagt Villiger.

Vom unbekannten Legionär zum Leader im Team

«Nemo» und der TV Endingen – das passte. Während acht Saisons lief der sympathische Serbe im Trikot der Surbtaler auf. Er erlebte den Cupfinal 2017 (26:35 gegen Wacker Thun), zwei Aufstiege in die NLA (2017 und 2019), einen Abstieg in die NLB (2018) und den Ligaerhalt im vergangenen Frühling hautnah mit. 210 Pflichtspiele hat er in dieser Zeit für den TVE bestritten und dabei insgesamt 862 Treffer erzielt.

«Ich habe beim TV Endingen die beste Zeit meiner Karriere erlebt», sagt Sudzum, der sich über die Jahre vom unbekannten aber routinierten Legionär zu einem der unbestrittenen Leader im Team entwickelt hat.

Offizielle Verabschiedung erfolgt am Aargauer Cup

Sudzum wird von seinem langjährigen Arbeitgeber am Aargauer Cup (21. und 22. August) gebührend verabschiedet. «Weil das durch den vorzeitigen Saisonabbruch im vergangenen Frühling verunmöglicht worden ist, holen wir das nun bei der Premiere des Saisonvorbereitungsturniers mit den vier stärksten Aargauer Vereinen nach», sagt TVE-Geschäftsführer Villiger.

Der leise Abgang durch die Hintertür war nur eine aus der Not geborene Zwischenlösung. In zwei Wochen darf sich Sudzum, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Nussbaumen wohnt, in der GoEasy-Arena von den Fans verabschieden.

Ob er sich in diesem Moment auch definitiv vom aktiven Handballsport verabschiedet, ist noch offen: «Im Spitzensport wird es wohl eher schwierig. Aber wer weiss, vielleicht kommt ja irgendwann noch einmal ein interessantes Angebot», sagt Sudzum und lacht – so ganz abgeschlossen scheint das Kapitel Spieler noch nicht zu sein.

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