Challenge League

Nach der Barrage ist vor dem Aufstieg: Der FC Aarau startet in die Saisonvorbereitung

Ein torgefährlicher Mittelfeldspieler: Olivier Jäckle bejubelt auf seine Art einen seiner fünf Meisterschaftstreffer der letzten Saison.

Ein torgefährlicher Mittelfeldspieler: Olivier Jäckle bejubelt auf seine Art einen seiner fünf Meisterschaftstreffer der letzten Saison.

Der FC Aarau mit seinem Aufbauer Olivier Jäckle nimmt heute um 10 Uhr die Vorbereitung auf die neue Saison in Angriff. Das Kader des Beinahe-Aufsteigers dürfte bis zum Saisonstart in einem Monat noch die eine oder andere Retusche erfahren.

Am Tag, an dem Aarau fest in der Hand der Turnerinnen und Turner aus der ganzen Schweiz ist, wollen auch die Fussballer nicht zurückstehen. Um 10 Uhr nehmen sie auf einem der Trainingsplätze beim Brügglifeld die Vorbereitung auf die neue Saison auf. Sie tun gut daran, die angenehmen Temperaturen noch richtig zu geniessen, denn das Thermometer wird in der nächsten Woche auf bis zu 36 Grad klettern.

«Eigentlich liebt ja kein Spieler die Vorbereitungsphase», sagt Olivier Jäckle, «aber vier Wochen sind schon noch auszuhalten.» Obwohl viel gerannt und noch mehr geschwitzt wird, freut sich der 26-Jährige, dass es nach der dreiwöchigen Sommerpause wieder losgeht. Die Kumpels wieder zu sehen und mit ihnen trotz der Schinderei Spass zu haben, ist ja ein wichtiger Teil im Leben eines Fussballers.

Viele positive Reaktionen

Jäckle hat seine freien Tage in Spanien und Amsterdam verbracht. Das bittere Saisonende mit dem so knapp verpassten Aufstieg hat ihm die Ferien zwar nicht gerade verdorben, aber die ersten Tage nach dem Xamax-Schock seien schon schwierig gewesen. «Zu fassen, was da genau passiert ist, war nicht einfach», sagt Jäckle.

Das einzig Gute an jenem Sonntag sei gewesen, dass der von GC umworbene Sportchef Sandro Burki gleich nach dem Spiel seinen Verbleib beim FCA vermeldet habe. Gut getan hätten auch die fast ausschliesslich positiven Reaktionen im Umfeld und von den Fans. «Es wurde uns versichert, es sei trotz der abschliessenden Enttäuschung ein super Jahr gewesen und die Fans brachten zum Ausdruck, wie gern sie zu unseren Spielen gekommen und wie stolz sie auf den FC Aarau seien», berichtet Jäckle.

Vermutlich wird Trainer Patrick Rahmen bei seiner Saison-Antrittsrede noch einmal kurz auf die Geschehnisse vom 2. Juni eingehen, dann aber gleich den Blick nach vorne richten. Denn schon am Freitag, 19. Juli, eröffnet der FC Aarau auf der Schützenwiese in Winterthur die neue Saison. «Wir wollen auf jeden Fall besser starten, als im letzten Jahr», sagt Jäckle. Was angesichts jener sechs Niederlagen allerdings auch keine Kunst sein sollte.

Er geht davon aus, dass der FCA erneut zum Kreis der Mitfavoriten auf einen Spitzenplatz in der Challenge League gehört. «Natürlich ist der Aufstieg unser Traum. Aber wir sind gut damit gefahren, leise Töne anzuschlagen», sagt Jäckle, der im zentralen Mittelfeld gut zu Elsad Zverotic passt und mit diesem das Herz der Aarauer Mannschaft bildet.

Erleichtert, dass Rahmen bleibt

Jäckle hat aus der Distanz mitverfolgt, wie Rahmen als neuer Trainer des FC Basel gehandelt wurde. «Mehr als das, was in den Zeitungen stand, wusste ich aber auch nicht», sagt Jäckle. Er räumt ein, eigentlich damit gerechnet zu haben, dass Rahmen den FC Aarau verlassen werde. «Ich hätte es auch verstanden, wenn es dazu gekommen wäre. Wir Spieler würden ein Jobangebot des FCB ja auch nicht ausschlagen.»

Nun aber ist Jäckle happy, dass Rahmen bleibt. Es hat ihn beeindruckt, wie es der Trainer verstanden hat, ein Kader von 26 Spielern mehr oder weniger bei Laune zu halten. «Die Unzufriedenheit jener, die nicht so oft spielten, hielt sich in Grenzen. Rahmen hat das Team gut zusammengehalten», sagt Jäckle. Was dank der ab Mitte Oktober gestarteten Siegesserie auch leichter fiel.

Wenn er heute ins Brügglifeld kommt, wird Jäckle einige seiner bisherigen Teamkollegen nicht mehr antreffen. Nicolas Bürgy (YB), Varol Tasar (Servette), Gianluca Frontino (Diessenhofen) und Martin Liechti (Winterthur) sowie Mickael Almeida (offen) haben den Klub verlassen. Nicht aber Angreifer Stefan Mayerhofer, dessen Vertragsverlängerung am Donnerstag bekannt gegeben worden war. Und schon länger fixiert sind die Zuzüge von Kevin Spadanuda (Baden) und Jérôme Thiesson (Rapperswil).

Pepsi bleibt, Obexer geht

Daneben gibt es noch ein paar Fragezeichen. Wird Torhüter Djordje Nikolic, der im Moment beim FC Basel trainiert, von Rot-Blau eine weitere Saison ausgeliehen? Bleibt Steven Deana, die bisherige Nummer 2? Noch unklar ist die Zukunft von Norman Peyretti, dessen Vertrag ausgelaufen ist. Offen ist auch, was mit Stürmer Goran Karanovic passiert.

Er wird heute aber zum Training erscheinen. Im Fall von Aussenverteidiger Linus Obexer stehen die Zeichen gemäss Sportchef Burki auf Abschied, während er über Aufbauer Gezim Pepsi sagt, dass dieser mit grosser Wahrscheinlichkeit bleibe. Die Chance, sich im Training und in den Testspielen aufzudrängen, haben die Eigengewächse Yvan Alounga, Stevan Lujic, Noah Boakye (zuletzt an Baden ausgeliehen) sowie Matja Randjelovic.

Nach einer verlorenen Barrage folgt der Aufstieg

Das Kader dürfte bis zum Saisonstart in einem Monat noch die eine oder andere Retusche erfahren, eine willkommene Abwechslung das Trainingslager in Oberstaufen vom 14. bis 17. Juli sein. Dort werden die Aarauer kurz vor dem Meisterschaftsstart den letzten Schliff erhalten.

Was ihnen Mut machen sollte, ruft Olivier Jäckle in Erinnerung: «Nachdem wir vor sieben Jahren die Barrage gegen Sion verloren hatten, sind wir in der nächsten Saison aufgestiegen!»
Ziemlich souverän sogar unter Trainer René Weiler mit 16 Punkten Vorsprung auf den FC Winterthur. So gesehen lässt sich prognostizieren: Nach einer verlorenen Barrage folgt immer der Aufstieg.

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