Challenge League

Nicht nur ein Qualitäts-Problem: Deshalb kassierte der FC Aarau 25 Gegentore in elf Partien

Lausanne-Stürmer Aldin Turkes jubelt nach dem 1:0 in Aarau – eines von sagenhaften 25 Gegentoren des FCA in elf Spielen.

25 Gegentoren kassierte der FC Aarau in elf Partien. Damit ist die Defensive die schlechteste der Liga. Nicht nur ein Qualitäts-, sondern genauso ein Kopfproblem.

Es gibt Gegentore, bei denen man als kassierende Mannschaft anerkennen muss, dass sie gut und nicht verteidigbar herausgespielt wurden. Zum Beispiel das 0:3 aus Sicht des FC Aarau am vergangenen Freitag gegen Lausanne: Eine blitzsaubere Ballstafette der Gäste, abgeschlossen vom Challenge-League-Toptorschützen Aldin Turkes (10 Saisontreffer).

Entsprechend war die Szene in der 11. Minute nicht das Hauptthema in der Match-Aufbereitung von FCA-Trainer Patrick Rahmen. Sondern die zwei Gegentore davor, das 0:1 und das 0:2, beide nach ruhenden Bällen der Waadtländer. Gegentore basierend auf Eckbällen oder Freistössen gehören ganz klar in die Kategorie «nicht zwingend».

Als verteidigende Mannschaft hat man genügend Zeit, Position zu beziehen und die Gegenspieler am Abschluss zu hindern. Doch sowohl in der 3. als auch in der 8. Minute stimmten Zweikampfverhalten und Zuordnung in der Aarauer Abwehr überhaupt nicht, sodass die Lausanner Turkes und Andi Zeqiri den Ball jeweils ohne nennenswerte Gegenwehr ins Tor köpfeln konnten.

Umstellung von Mann- auf Raumdeckung 

Es waren die Standard-Gegentore acht und neun in der laufenden Saison. Und das im elften Spiel. Auf der anderen Seite hat der FC Aarau selber schon sechs Tore nach ruhenden Bällen erzielt – eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den vergangenen Jahren, in denen man viel zu wenig Profit schlug aus solchen Situationen. Doch was bringt die Trendwende in der Offensive, wenn dafür hinten die Scheune offen steht?

Vor dem Auswärtsspiel am 5. Oktober in Kriens stellte FCA-Trainer Patrick Rahmen bei gegnerischen Standards von Mann- auf Raumdeckung um. Einfach gesagt: Statt den zugeteilten Gegenspieler durch den ganzen Strafraum zu verfolgen, verteidigen die Aarauer seither den ihnen zugeteilten Raum.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, sind Geschmackssache, Experten sind sich einig, dass bei keiner Variante die Vorteile klar überwiegen. Deshalb hat Rahmen vor dem Kriens-Spiel gewechselt. «Wir haben bis zum Kriens-Spiel sechs Standard-Gegentore in neun Spielen erhalten, haben es also auch mit der Manndeckung nicht gut gemacht. Darum der Wechsel auf Raumdeckung.»

In Kriens, wo der FCA 3:2 gewann, ging der Plan auf: Aus 14 (!) Eckbällen und etlichen Freistössen in Strafraumnähe erzielten die Innerschweizer «nur» ein Tor, den Rest wehrten die raumdeckenden Aarauer ab.

Der FCA hat ein grosses Abwehrproblem

Ob Mann- oder Raumdeckung ist nebensächlich – die vielen Standard-Gegentore deuten auf ein Konzentrationsproblem hin. Denn auch physisch ist der FC Aarau jedem Gegner in der Challenge League ebenbürtig. Alles Kopfsache?

Dafür sprechen auch die elf Gegentore, die der FCA nach Ballverlusten und anschliessenden Kontern der gegnerischen Mannschaften erhalten hat. Auch bei dieser Art Gegentore gilt: Vermeidbar, wenn die Spieler sich auch im Ballbesitz Gedanken machen, wie sie sich nach einem allfälligen Ballverlust verhalten.

Neun Gegentore nach Standards; elf direkt nach Ballverlusten; "nur" fünf, bei denen man als Aarauer die Stärke des Gegners anerkennen muss. Ja, Aarau hat ein grosses Abwehrproblem.

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