NLA-HANDBALL
Alles ganz harmonisch: Nach dem Kantersieg in Basel lobt sich der HSC Suhr Aarau für sein starkes Kollektiv

Der 35:20-Erfolg gegen den RTV Basel löst beim HSC Suhr Aarau Glücksgefühle aus. Abwehr und Angriff greifen bestens ineinander, nach Spielschluss wird die geschlossene Mannschaftsleistung hervorgehoben. Vor Playoff-Beginn liegt nun Rang drei in Reichweite.

Frederic Härri
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HSC-Routinier João Ferraz hat mit fünf Toren und cleveren Zuspielen grossen Anteil am Sieg seiner Mannschaft.

HSC-Routinier João Ferraz hat mit fünf Toren und cleveren Zuspielen grossen Anteil am Sieg seiner Mannschaft.

Marc Schumacher / freshfocus

Die statistischen Kennziffern, die dieses 35:20 des HSC Suhr Aarau im Gastspiel beim RTV Basel untermauern, hinterlassen Eindruck. Über 80 Prozent seiner Würfe schliesst der HSC im ersten Umgang erfolgreich ab, bis zum Halbzeitpfiff unterläuft den Handballern aus dem Aargau kein einziger technischer Fehler, während sich beim Basler Heimteam gleich deren neun in der Statistik niederschlagen. Über die volle Spielzeit gesehen sinken die Werte leicht nach unten, das liegt in der Natur der Sache, am glasklaren Resultat allerdings ändert dies nichts.

Löst man sich vom reinen Blick auf das Zahlenwerk, lässt sich der überaus deutliche Erfolg im drittletzten Auftritt der regulären Saison auch derart beschreiben: Der HSC gewinnt, weil er die Abwehr und den Angriff nicht als gesonderte Einheiten betrachtet, sondern die beiden Komponenten als Wechselbeziehung begreift, getunkt in purer Harmonie.

Die Tore, die der Gast etwa nach schnellen Gegenstössen in Folge von Balleroberungen in der Abwehr erzielt, lassen sich bereits in der ersten Hälfte nicht mehr an zwei Händen abzählen. Hinten resolut und energisch, vorne effizient und fokussiert – zuweilen lässt sich erfolgreicher Handball auf wenige Stichworte reduzieren.

So langsam groovt sich der HSC auf die Playoffs ein

«Das war über weite Strecken sehr gut», schlussfolgert denn auch Cheftrainer Misha Kaufmann, der bekanntlich auch nach deutlichen Siegen nicht mit kritischen Worten geizt. Seine Mannschaft habe diszipliniert angegriffen, gut verteidigt, «die einfachen Goals gemacht».

Und so langsam groovt sich der HSC im Endspurt der Hauptrunde auf die Playoffs ein. Nimmt man nur die Partie in Basel als Massstab, scheint etwa João Ferraz seinen Rhythmus rechtzeitig zum Saisonfinale gefunden zu haben. Nach einigen unglücklichen Auftritten zu Beginn der Spielzeit überzeugt der Routinier mittlerweile mit Reife und Abgeklärtheit. Im Basler Rankhof stimmt nicht nur die Wurfquote (fünf Tore aus acht Versuchen), auch mit vielen cleveren Anspielen zu seinen Mitspielern macht der Portugiese auf sich aufmerksam.

«Jeder wollte, jeder hat gekämpft»: Tim Aufdenblatten streicht nach Spielschluss das starke Kollektiv hervor.

«Jeder wollte, jeder hat gekämpft»: Tim Aufdenblatten streicht nach Spielschluss das starke Kollektiv hervor.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Im Grunde aber wäre es nach einem solchen Sieg wohl verkehrt, einzelne Akteure hervorzuheben. In Basel kommt fast jeder Kaderspieler zu seinem Einsatz, dem gelungenen Spiel tut Kaufmanns Rotationstaktik im Schlussabschnitt keinen Abbruch. «Jeder wollte, jeder hat gekämpft», findet Spielmacher Tim Aufdenblatten und führt die Harmonie des Abends auch verbal fort. «Das kann uns Schub geben für die Playoffs.»

Ja, die Playoffs. Zwei Hauptrundenpartien hat der HSC noch zu bestreiten, erst gegen GC Amicitia, dann gegen Kriens-Luzern. Doch in der Mannschaft kreisen die Gedanken schon um das, was danach kommt. Derzeit liegt der HSC auf Rang vier, mit ein bisschen Wettkampfglück liegt auch der dritte Tabellenplatz drin. Dann wären die Aussichten für das Saisonfinale noch schöner – und rund um den HSC würde alles noch einmal ein klein wenig harmonischer werden, als es ohnehin schon ist.

Telegramm

RTV Basel – HSC Suhr Aarau 20:35 (12:21)

Rankhof, Basel. – 10 Zuschauer. – SR Boshkoski/Stalder. – Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen RTV Basel, 5-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau.

RTV Basel: Willimann (2 Paraden)/Klauer (2); Basler, Berger, Buob, Engler (2 Tore), Karvatski (2), Khadkevich, Krause (2), Mangue (4), Schärer, Spende (4), Voskamp (4).

Suhr Aarau: Marjanac (2 Paraden)/Grazioli (8); Aufdenblatten (5 Tore), Ferraz (5), Hofer (1), Oliveira (4), Parkhomenko (1), Peter, Poloz (6), Reichmuth (2), Slaninka (4), Strebel, Willecke (1), Zehnder (6).

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Laube (verletzt), Gomboso und Müller (ohne Einsatz), Brandt, Sorlos und Muggli (nicht im Aufgebot). – Verhältnis verschossener Penaltys: 2:0.

Der Spielverlauf zum Nachlesen:

Der HSC tut sich in seinen ersten Angriffen im Basler Rankhof schwer, Lücken in der Abwehr der Hausherren zu finden. Das erste Tor wirft Manuel Zehnder bezeichnenderweise denn auch per Siebenmeter. Doch nicht nur der RTV deckt anfänglich stark, auch die HSC-Verteidigung bekommt viele Hände an die Bälle der Basler, wodurch sich Möglichkeiten durch schnelle Gegenstösse ergeben. Diese verwerten die Spieler konsequent zu einer raschen Zwei-Tore-Führung.

Der RTV jedoch kommt wieder ran und gleicht durch Aleksander Spende nach neun Minuten zum 6:6 aus. In der Folge tun sich schliesslich für den HSC endlich die ersehnten Lücken im gegnerischen Abwehrbeton auf. Der RTV deckt jetzt offensiver und mit grösseren Abständen zwischen den eigenen Spielern – dieser taktische Kniff erweist sich als fatal: Der HSC schiesst drei weitere Tore, beim Stand von 6:9 aus Sicht der Heimmannschaft reagiert der Basler Coach mit der ersten Auszeit in der Hoffnung auf Besserung.

Doch für den RTV wird es nicht besser, im Gegenteil. Der HSC spielt phasenweise wie im Fluss, lässt bis zehn Minuten vor der Pause nur noch zwei Treffer zu und erzielt selbst deren sechs. Auffällig sind weiterhin die vielen Gegenstoss-Tore. Bis zum Pausenpfiff schrauben die Gäste das Skore bis auf 21:12 in die Höhe. Bereits nach der Hälfte der Spielzeit scheint das Spiel entschieden.

Auch in Hälfte zwei kommt Basel nicht mehr gefährlich heran

Die Basler kommen leicht besser aus der Pause und werfen drei schnelle Tore. Doch der Anfangseifer verpufft, weil sich der HSC rasch auf seine Stärken besinnt, in der Abwehr resolut und effektiv zu Werke geht und vorne seine Möglichkeiten nutzt. Nach 43 Minuten steht es 28:15 für den Gast, woraufhin sich der RTV Basel ins nächste Team-Timeout rettet.

An den Kräfteverhältnissen ändert sich nach dieser Unterbrechung allerdings nichts. Suhr Aarau wirft Tor um Tor, Basel kommt nicht hinterher. Auch wenn dem HSC angesichts des Spielverlaufs in der Offensive zuweilen die letzte Konsequenz abgeht, droht der Vorsprung kein einziges Mal mehr in ernsthafte Gefahr zu geraten. Am Ende steht ein diskussionsloser 35:20-Erfolg für die Gäste zu Buche.

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