NLA-Handball
Genf ist eben nicht St. Gallen: Nach Anfangsproblemen schlägt der HSC Suhr Aarau Aufsteiger Chênois klar mit 31:23

Die Mannschaft von Trainer Misha Kaufmann gewinnt den Saisonauftakt deutlich. Auffällig: Ein Torhüter, der dem Team «den Arsch gerettet» hat und ein treffsicherer Portugiese.

Frederic Härri
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João Ferraz darf im nächsten Spiel das Leibchen des Topskorers trafen: Der 31-Jährige warf gegen Chênois elf Tore.

João Ferraz darf im nächsten Spiel das Leibchen des Topskorers trafen: Der 31-Jährige warf gegen Chênois elf Tore.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Zwei Überraschungen hat diese noch sehr junge Saison schon hervorgebracht. Kaum war die Spielzeit aus den Kinderschuhen entwachsen, da schlug St. Otmar St. Gallen Kriens-Luzern mit 25:22, und der BSV Bern gewann 32:30 gegen Meister Pfadi.

Die Frage durfte also gestellt sein: Setzt sich die Serie am Folgetag fort, indem die Aufsteiger von Chênois Genève in ihrem NLA-Debüt den HSC Suhr Aarau übertölpeln? Zur Beruhigung aller, die es mit dem HSC halten, sei gesagt: So weit ist es nicht ­gekommen. Genf ist eben nicht St. Gallen, und auch nicht Bern.

Dabei war es durchaus eindrücklich gewesen, was Chênois, dieses Team von Unbekannten, in der Anfangsphase des Spiels darbot, doch dazu sei später mehr erzählt. Ein nahezu Unbekannter stand nämlich auch auf der Gegenseite im Tor.

Jannis Scheidiger gab sein Debüt als Nummer eins beim HSC, weil der eigentliche Stammtorhüter Leo Grazioli wegen eines Infekts am Knie fehlte. Scheidiger kam in den vergangenen Playoffs zu einigen Minuten, seit dieser Saison besetzt er einen fixen Platz im Kader. Und der 19-Jährige fügte sich bestens ein. So gut, dass sein Trainer nach Schlusspfiff sagen sollte: «Jannis hat uns in der ersten Halbzeit den Arsch gerettet.»

Jannis Scheidiger (ganz rechts) hatte ein glänzendes Debüt.

Jannis Scheidiger (ganz rechts) hatte ein glänzendes Debüt.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Der junge Torhüter startete dabei besser, als es seine Teamkollegen vor ihm taten. Die ersten Angriffsversuche des HSC waren überhastet und von Nervosität geprägt, klare Tormöglichkeiten wie Siebenmeter wurden leichtfertig ausgelassen.

Misha Kaufmann probierte einiges aus in der Anfangsphase. Er setzte seinen Abwehrspezialisten Patrick Strebel in ungewohnter Rolle als Spielmacher ein, was mässig von Erfolg zeugte. Anstelle von Gian Attenhofer auf dem rechten Flügel liess er Lars Hofer starten, der schon im Supercup zu gefallen wusste.

Schnell aber war Kaufmann zu Umstellungen gezwungen. Besonders mit dem defensiven Effort konnte Kaufmann nicht einverstanden sein. Die Genfer erzielten Tor um Tor, und selten war es so, als schlüge ihnen dabei viel Gegenwehr entgegen. Nach zehn Minuten stand es 2:5 aus HSC-Warte, fünf Minuten später 3:8.

Bei seinem Debüt wurde Scheidiger gleich zum besten Spieler gewählt

Doch in der Folge schien es, als sei jetzt auch der HSC gedanklich in der neuen Saison angekommen. Die Spielzüge wurden feiner und schneller, die Abschlüsse besser. Nach 20 Minuten egalisierte die Heimmannschaft das Defizit, wenig später ging sie erstmals in Front. Zur Halbzeit führte der HSC mit einem Tor Vorsprung und durfte durchatmen.

Der zweite Umgang verkam dann zu einer günstigen Gelegenheit, um sich die Finger warm zu spielen gegen einen Gegner, der zunehmend müde wurde und sich nach 37 Minuten durch eine rote Karte selbst schwächte. Noch immer gelang bei weitem nicht alles, was sich der HSC vornahm. Doch jetzt schälten sich bei Suhr Aarau die prägenden Akteure dieses Eröffnungsspiels heraus.

João Ferraz etwa, der sich nach schwachem Beginn steigerte und starke 11 Tore warf. Oder eben der erwähnte Scheidiger, der nicht nur eine ausgezeichnete Abwehrquote von 33 Prozent aufwies, sondern auch zum besten Mann seines Teams gewählt wurde und damit seine aus seiner Sicht «coole Erfahrung» krönte.

Letztlich setzte sich der HSC Suhr Aarau diskussionslos mit 31:23 durch und sammelte die ersten beiden Punkte. Am Sonntag kommt St. Otmar in die Schachenhalle, eine Aufgabe, die deutlich schwerer zu bewältigen sein wird. St. Gallen ist nun mal nicht Genf.

Telegramm

HSC Suhr Aarau - Chênois Genève 31:23 (12:11)

Schachenhalle. – 291 Zuschauer. – SR Keist/Winkler. – 2-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 4-mal 2 Minuten und Rot gegen Chênois.

Suhr Aarau: Scheidiger (11 Paraden); Willecke, Sarlos (2 Tore), Reichmuth (1), Hofer, Zehnder, Ferraz (11), Attenhofer (5), Aufdenblatten (8), Parkhomenko (2), Pejkovic (1), Gomboso, Kalt, Strebel (1), Slaninka.

Chênois: Soullier (8 Paraden), Panchaud (1); Strelnikov (6 Tore), Sonzogni (4), Steinmann, Muresan (3), Isanchuk (3), Ouedraogo, Kerboua, David, Poret (1), Malfondet (2), Chardon (4), Fromaget.

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Laube, Muggli (verletzt), Brandt (krank) und Bieri (nicht im Aufgebot).

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