NLA-HANDBALL
Mit den Fans kommen die Emotionen: Der HSC Suhr Aarau schlägt Kriens-Luzern zum Abschluss der Hauptrunde mit 26:22

Vor 50 Zuschauern in der Schachenhalle feiert der HSC einen diskussionslosen Sieg gegen die Innerschweizer. Auch wegen der Fans im Rücken fühlen sich die Spieler bereit fürs Playoff-Duell gegen St. Otmar St. Gallen.

Frederic Härri
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Flügelspieler Timothy Reichmuth freute sich gegen Kriens-Luzern über die Unterstützung der Heimfans.

Flügelspieler Timothy Reichmuth freute sich gegen Kriens-Luzern über die Unterstützung der Heimfans.

Marc Schumacher / freshfocus

Die Zuschauer sind wieder da. Nun ja, gänzlich zurück sind sie nicht, schliesslich dürfen sich nach den neuesten Bestimmungen des Bundesrats nur deren 50 ein Handballspiel in der Nationalliga A anschauen gehen. Und doch hatten die Fans in der spärlich gefüllten Schachenhalle am Donnerstagabend eine ganz spezielle Funktion inne: Sie fungierten als Resonanzkörper.

Ihr rhythmisches Klatschen und Trommeln brachte Konstanz in das turbulente Auf und Ab der 60 Minuten gegen Kriens-Luzern. Auf Aktionen folgten Reaktionen, weil die Zwischenrufe den Spielern auf der Platte vermittelten: Das, was wir hier tun, kommt an – oder eben nicht. Nachdem der HSC Suhr Aarau 0:3 zurück lag, kaum war das Spiel gegen die Innerschweizer angepfiffen, setzten die Fans bei den schläfrig wirkenden Akteuren scheinbar neue Energie frei. Der Koffeinschock wirkte.

Spätestens als Keeper Dragan Marjanac in der 14. Minute einen Siebenmeter hielt und David Poloz und Timothy Reichmuth mit ihren Toren aus einem Gleichstand eine Zwei-Tore-Führung zimmerten, war man versucht zu sagen, dass die Halle ein erstes Mal tobte. Fortan beförderten die HSC-Spieler die ekstatische Ambiance gleich selbst: Bis zur Halbzeitpause legten sie sieben weitere Treffer auf, während sie den Gästen nur noch zwei Torerfolge gestatteten. Beim Stand von 15:8 ertönte der Pausenpfiff.

Nach dem Schlusspfiff tobten die HSC-Spieler wie gewohnt im Kreis. (Archivbild)

Nach dem Schlusspfiff tobten die HSC-Spieler wie gewohnt im Kreis. (Archivbild)

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Die zweite Halbzeit gestaltete sich holpriger, Kriens-Luzern spielte mit Wut im Bauch, zuweilen schien es, als könnte die Angelegenheit noch knapp werden. Doch in den richtigen Momenten fand der HSC zu seinem Spiel. Das Endresultat von 26:22 war letztlich diskussionslos.

50 Zuschauer sind eben besser als nichts

«Von den Emotionen her war das heute überragend», sagte im Nachgang Flügelspieler Timothy Reichmuth, der in der Vorwoche die 100-Spiele-Marke im Dress des HSC durchbrach und gegen Kriens-Luzern die Nummer 101 folgen liess. Auch er verkannte den Wert der anwesenden Fans nicht, auch er war der Ansicht, dass «50 Zuschauer besser als nichts» sind. «Nur schon 50 Personen können einen grossen Lärm machen», fand Reichmuth.

Die Dezibelanzeige in der Schachenhalle, sie schlägt also wieder obenaus. Und der Zeitpunkt könnte für den HSC besser nicht sein. Denn nun folgen die Wochen, in denen die Mannschaft ihre Saison möglichst weit nach hinten ausdehnen möchte. Ab dem 5. Mai misst sich der HSC im Playoff-Viertelfinal mit St. Otmar St. Gallen, dem Team des im Aargau bestens vertrauten Trainers Zoltan Cordas. Es ist das Duell des Vierten gegen den Fünften der Hauptrunde, in der Best-of-five-Serie geniesst der HSC Heimrecht. Mit Fans im Rücken – mögen es auch nur 50 sein – kann dies nur zum Vorteil gereichen.

Und überhaupt: In den Playoffs komme es vor allem auf die Emotionen an, wiederholte Reichmuth. Die Emotionen, sie wurden am gestrigen Abend zum liebsten Ausdruck des 22-Jährigen. Und ja, bei den St. Gallern seien ein paar ganz clevere und routinierte Jungs dabei, sagte er, nur im gleichen Atemzug zu betonen:

«Wir müssen die Härte, den Kampf und die Emotionen auf die Platte bringen. Dann wird das eine gute Serie für uns.»

Telegramm

HSC Suhr Aarau - HC Kriens-Luzern 26:22 (15:8)

Schachenhalle, Aarau. – 50 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Suhr Aarau, 4-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.

Suhr Aarau: Marjanac (8 Paraden)/Grazioli (1); Attenhofer (1 Tor), Aufdenblatten, Ferraz (4), Muggli, Oliveira (7), Parkhomenko (1), Poloz (3) (4), Reichmuth (4), Slaninka (2), Strebel (1), Willecke (1), Zehnder (2).

Kriens-Luzern: Bar (9 Paraden); Eicher (2), Blättler (5 Tore) Delchiappo, Gavranovic (1), Harbuz (4), Idrizi, Lapajne, Lavric, Oertli (1), Piroch (5), Rellstab (3), Schlumpf, Stadelmann.

Bemerkungen: Suhr Aarau ohne Gomboso, Sarlos, Brandt, Kalt (nicht im Aufgebot), Hofer, Müller, Peter (ohne Einsatz) und Laube (verletzt).

Das Spiel:

Der HSC erwischte gegen den HC Kriens-Luzern einen denkbar schlechten Start: Nach drei Minuten lag man 0:3 in Rückstand. Erst danach erlöste Joao Ferraz die 50 erlaubten Fans in der Halle mit dem ersten Treffer. Martin Slaninika verkürzte zum 2:3. Jetzt hatte sich das Heimteam in der Defensive besser sortiert, den Kriensern gelang der vierte Treffer dennoch.

Abermals Slaninka erzielte das 3:4 und der HSC hätte sofort ausgleichen können, doch Timothy Reichmuth traf nach einem Gegenstoss nur die Torumrandung. Der linke Flügelspieler machte seinen Fehlwurf allerdings sofort wieder gut, als er nach neun Minuten perfekt freigespielt wurde und den Ausgleich zum 4:4 erzielte.

Danach aber schlichen sich in der Deckung wieder einfache Fehler ein, die die Gäste erfolgreich für zwei weitere Tore nutzten. Der HSC aber steckte nicht auf und stellte nach 14 Minuten abermals auf Gleichstand. Gleich danach glänzte HSC-Goalie Dragan Marjanac ein erstes Mal und entschärfte einen Siebenmeter. Die Parade verschaffte dem Heimteam die Gelegenheit, erstmals in der Partie in Führung zu gehen. Und David Poloz nutzte seine Chance und traf zum 7:6. Als Timothy Reichmuth gleich darauf auf 8:6 stellte, tobte die Halle ein erstes Mal.

Das Angriffsspiel der Krienser verlor in ihrer Ausführung merklich an Gefahr; in den nächsten rund fünf Minuten markierten sie nur noch zwei weitere Treffer, während der HSC fünf weitere Tore auflegte. In der 24. Minute hiess es 12:8 aus Sicht der Hausherren, die fortan mit dem Torewerfen nicht aufhören wollten. Während sie Kriens-Luzern bis zur Halbzeitunterbrechung keinen einzigen Treffer mehr gestatteten, warf der HSC drei weitere Tore. Beim Stand von 15:8 ertönte der Pausenpfiff.

Die zweite Halbzeit startete mit Vorteilen für die Gäste. Kriens-Luzern griff mit Wut im Bauch an und erzielte drei schnelle Tore, der HSC war einmal erfolgreich. Tim Aufdenblatten musste mit einer Zeitstrafe von der Platte. Es lief nicht nach Wunsch aus Sicht von Trainer Misha Kaufmann, der mit einem Timeout reagierte.

Und Kaufmann schien die richtigen Worte gefunden zu haben. Seine Spieler traten wieder bestimmter auf, waren offensiv effizienter und bauten ihren Vorsprung wieder auf sieben Tore aus. Immer wenn es schien, als könnte Kriens-Luzern noch einmal zurückkommen, schlug der HSC wieder zurück. Und so gab der Spielstand Misha Kaufmann die Gelegenheit, zu rotieren und auch der zweiten Garde Einsatzzeit zu verschaffen. Am Ende gewann der HSC klar mit 26:22.

Der TV Endingen führt lange - und verliert doch

St. Otmar St. Gallen - TV Endingen 35:29 (17:19)

Wäre die Partie in der Kreuzbleiche in der 48. Minute abgepfiffen worden, der TV Endingen hätte seinen zweiten Saisonsieg eingefahren. Zu diesem Zeitpunkt stand es 25:24 für die Endinger, die zwischenzeitlich gar mit vier Toren führten. Am Ende aber verlor der TVE bei St. Otmar St. Gallen mit 29:35 und beendet die Hauptrunde der NLA damit mit einer weiteren Niederlage. «Wir sind selber schuld», sagte Trainer Zoltan Majeri nach der Partie. «Wir hatten unsere Chancen, aber auch Fehlwürfe ohne Ende.» Nun muss Majeri Aufbauarbeit leisten: In zwei Wochen beginnt für Endingen in den Playouts gegen GC Amicitia der Kampf um den Ligaerhalt. (frh)

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