NLA-Handball
«Natürlich ist der Zeitpunkt alles andere als gut»: Misha Kaufmann verlässt den HSC Suhr Aarau – ein Nachfolger ist schon gefunden

Der Sieg im Europacup war Misha Kaufmanns letztes Spiel als HSC-Trainer: Der 37-Jährige wechselt in die zweite deutsche Bundesliga. Ein neuer Chefcoach steht in Suhr Aarau bereit.

Frederic Härri
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Misha Kaufmann erfüllt sich mit dem Trainerjob in Deutschland einen «Kindheitstraum», wie er sagt.

Misha Kaufmann erfüllt sich mit dem Trainerjob in Deutschland einen «Kindheitstraum», wie er sagt.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Da ist keine Heiterkeit nach dem Sieg, kein Überschwang. Gewiss hat das damit zu tun, dass gegen Krems erst das Hinspiel absolviert ist. Doch wird bei den ­Spielern auch ein wiederkehrender Gedanke auftauchen: Der Trainer, mit dem sie diesen ­Erfolg teilen, wird morgen nicht mehr hier sein.

Nach fünfeinhalb Jahren als Chefcoach verlässt Misha Kaufmann den HSC Suhr Aarau per sofort. Seine Reise führt ins deutsche Bundesland Thüringen, wo Kaufmann die sportliche Leitung des Zweitligisten ThSV Eisenach übernimmt. Ein Traditionsverein, der beabsichtigt, spätestens in drei Jahren in die Bundesliga aufzusteigen.

Der Abschiedsapplaus von den Rängen, er entfällt am Sonntag in der Schachenhalle. Das Gros der Zuschauer wird nicht geahnt haben, dass sich eine Veränderung anbahnt. Weder der Verein noch Kaufmann wollten angesichts der Aufgabe im Europacup ein grosses Aufheben machen. Das Adieu soll an einem späteren Datum nachgeholt werden.

Ein «Kindheitstraum» geht in Erfüllung

«Natürlich ist der Zeitpunkt alles andere als gut», gesteht Kaufmann. «Doch wie es so ist im Leben: Wenn man grosse Entscheidungen trifft, stimmt der Zeitpunkt nicht immer für alle Parteien.» Entschieden hat sich Kaufmann Mitte der vergangenen Woche. Zuvor hatten sich Vertreter aus Eisenach bei ihm gemeldet. Mit dem Klub stand Kaufmann schon länger in Kontakt, ein Wechsel ab der nächsten oder übernächsten Saison stand im Raum. Doch weil die Eisenacher vor wenigen Tagen ihren bisherigen Trainer freistellten, wurde die Verpflichtung Kaufmanns plötzlich konkret.

Kaufmann sagt, es sei «ein Kindheitstraum», in Deutschland Handball zu trainieren. Dem Verantwortlichen beim HSC dankt er ausdrücklich dafür, «dass sie mir diesen Karriereschritt ermöglichen».

Ein letzter Jubel mit dem HSC: Das 25:23 gegen Krems am Sonntag war Misha Kaufmanns Abschiedsspiel.

Ein letzter Jubel mit dem HSC: Das 25:23 gegen Krems am Sonntag war Misha Kaufmanns Abschiedsspiel.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Auch in seinem letzten Spiel merkt man Kaufmann jene Unnachgiebigkeit an, die sein Wirken bei Suhr Aarau stets begleitet hat. Die gelegentlichen Massregelungen sind so scharf wie immer, Kaufmann verwirft die Hände wie sonst auch und spendet Zuspruch, wenn er es für angezeigt hält. Das Coaching hilft ihm wohl auch, für einen Moment zu vergessen, wie schwer es ihm wirklich fällt, zu gehen. Kaufmann sagt, dass er dem Klub bis zuletzt mit Herzblut verpflichtet war. Er spricht von den guten Gesprächen, der Arbeit mit seinen «Giele», wie er als Solothurner zu sagen pflegt. Nicht zuletzt erwähnt er auch den Weg, den er und die Mannschaft in den letzten Jahren gegangen sind. «Darauf können wir stolz sein.»

Lesen Sie hier auch den Kommentar zum Trainerwechsel beim HSC.

Gleichwohl sagt Kaufmann, dass er nicht gezögert habe, zu Eisenach Ja zu sagen. Und betont, dass er nicht aus purer Lust an der Veränderung in den Osten Deutschlands ziehe. «Im Gegenteil: Ich mache einen riesigen Schritt aus meiner Komfortzone, weil ich meine Familie hierlasse.» Kaufmanns Frau und die beiden Töchter werden in der Schweiz bleiben, sie sollen nicht aus dem gewohnten Umfeld gerissen werden, «nur damit es mir am neuen Ort besser geht», wie er sagt.

Wann immer möglich, wird Kaufmann für Besuche in die Heimat reisen, wenngleich dies der dicht gedrängte Spielplan wohl nur selten zulassen wird. Handball in Deutschland ist eben unnachgiebig. Irgendwie passt das ja.

Der Nachfolger heisst ­Aleksandar Stevic

Der HSC Suhr Aarau indes hat seinen neuen Trainer bereits gefunden. Aleksandar Stevic wird seine Arbeit heute aufnehmen. Der 39-jährige Serbe hat von 2017 bis zum Ende der vergangenen Saison den BSV Bern trainiert und die Hauptstädter zweimal in den Playoff-Halbfinal geführt.

Aleksandar Stevic war vier Jahre lang Trainer beim BSV Bern.

Aleksandar Stevic war vier Jahre lang Trainer beim BSV Bern.

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