Die Irrungen und Wirrungen im Weltsport reichen bis in die Ostschweiz. Bis nach Schwellbrunn, wo Beat Hefti mit seiner Frau und den drei Töchtern lebt. Hefti beendete das olympische Zweierbobrennen 2014 im russischen Sotschi mit seinem Appenzeller Hintermann Alex Baumann auf dem zweiten Platz.

Nachträglich stellte sich heraus, dass der russische Gewinner Alexander Subkow gedopt war. Der internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne entschied deshalb vor gut einem Jahr, dass die mittlerweile vom Spitzensport zurückgetretenen Hefti und Baumann die Olympiasieger sind.

Den sauberen Sportler besser schützen

Zu Olympiasiegern gehören Goldmedaillen. So weit ist es im Appenzellerland freilich noch nicht gekommen. Hefti erkundigte sich bei Swiss Olympic, nachdem er die Bestätigung für den Olympiasieg erhalten hatte, was nun gehe. Er sei auf Mitte nächstes Jahr vertröstet worden.

«Alles ist politisch», sagt der 40-jährige Hefti. Schlaflose Nächte hat er nicht wegen der fehlenden Goldmedaille. Aber es ärgert ihn, dass der saubere Sportler nicht besser geschützt wird von den mächtigen Verbänden. Es geht ihm nicht um sich. Er sagt: «So geht der olympische Sport doch kaputt. Dieses Theater kann niemand mehr ernst nehmen. Da kann man ja die Wada, die Weltantidoping-Agentur, gleich abschaffen.»

Eine lebenslange Rente

Hefti wurde in seiner Karriere fünf bis sechs Mal pro Jahr auf Doping kontrolliert. Er musste immer angeben, wann er sich wo aufhielt. In Schwellbrunn waren die Kontrolleure von Antidoping Schweiz schon oft. In Russland, so vermutet nicht nur Hefti, bietet das «Antidopingsystem» grössere Schlupflöcher. Fast alle russischen Olympiasieger von 2014 stehen unter Dopingverdacht. Deshalb wurde Russland von den Olympischen Spielen 2016 und 2018 ausgeschlossen.

Für den 44-jährigen Subkow, mittlerweile Präsident des russischen Bobverbandes, geht es um viel. Denn jeder russische Olympiasieger von 2014 erhält lebenslang eine Rente. Er wandte sich deshalb an ein Moskauer Gericht. Und dieses entschied, dass Subkow seine Goldmedaillen behalten dürfe. Der Doppel-Olympiasieger sei in Russland nicht verpflichtet, einen anders lautenden Entscheid des internationalen Sportgerichtshofs zu erfüllen. Subkow behielt die Medaillen und erhält weiterhin die Rente. Andere russische Winterathleten von 2014 gingen den gleichen Weg.

«Die Glaubwürdigkeit des Sports steht auf dem Spiel»

Der Moskauer Richterspruch im Fall von Subkow könnte den Konflikt zwischen Russland und dem Internationalen Olympischen Komitee IOC weiter befeuern. Denn das IOC ist nach wie vor der Auffassung, dass das Urteil des internationalen Sportgerichtshofs rechtskräftig ist, wonach das Appenzeller Bobteam mit Hefti und Baumann Olympiagold verdient hat. Denn der Entscheid sei innerhalb der vorgeschriebenen Frist nicht beim Schweizer Bundesgericht angefochten worden.

Nun liegt der Ball wieder beim Internationalen Olympische Komitee, das auch schon angekündigt hat, dass es die Rückgabe der russischen Medaillen verlangen wird. «Jetzt steht die Glaubwürdigkeit des Sports auf dem Spiel», sagt Hefti. «Ich bin ja gespannt, was Herr Bach nun macht.» Thomas Bach ist Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. «Ich hoffe sehr, dass er im Sinn der sauberen Athleten entscheidet», so Hefti.

Zweiter Olympiasieger arbeitet

Hefti geht es nicht ums Geld, auch wenn er noch weitere Prämienzahlungen von Swiss Olympic erhalten würde, wenn er das Gold endlich in den Händen hielte. Er ist seit dem 1. Mai im Innovationsmanagement eines grossen Schweizer Unternehmens tätig. Die neue Aufgabe gefällt Hefti. Zwei Büros nebenan in Bazenheid arbeitet sein Olympiakollege Baumann – und ebenfalls potenzieller Olympiasieger – als Qualitätsprüfer.