Aargauer Cupfinal

Ottmar Hitzfeld: «Ich drücke dem FC Klingnau die Daumen»

Die Stunde des Triumphs: Ottmar Hitzfeld (mit Pokal) und Radi Schibli (rechts) sind Cupsieger 1985 mit dem FC Aarau. OL

Die Stunde des Triumphs: Ottmar Hitzfeld (mit Pokal) und Radi Schibli (rechts) sind Cupsieger 1985 mit dem FC Aarau. OL

Der frühere Nationaltrainer würdigt in der az seinen früheren Trainerkollegen Radi Schibli. Dieser steht am Donnerstag mit seinem FC Klingnau im Aargauer Cupfinal.

Der 27. Mai 1985. Auf der Tribüne des altehrwürdigen Wankdorf Stadions in Bern stemmen Ottmar Hitzfeld und Radi Schibli gemeinsam den Pokal in die Höhe. Der FC Aarau ist Cupsieger. Ein kleines Fussballwunder. 31 Jahre später hat sich Startrainer Hitzfeld aus dem Geschäft verabschiedet, geniesst das Leben, kommentiert für den Pay-TV-Sender Sky und schreibt für den «Blick» Kolumnen.

Schweizer Cupfinal 1985: Aarau - Xamax 1:0

Schweizer Cupfinal 1985: Aarau - Xamax 1:0

Walter Iselin trifft in der 86. Minute zum 1:0 für den FC Aarau - dabei bleibt es. 

Ganz anders sein Co-Trainer zu Aarauer Zeiten. Alfons «Radi» Schibli hat nie internationale Karriere gemacht, ist Kult- und nicht Startrainer geworden. Dafür ist er noch aktiv im Geschäft. Morgen bestreitet er mit dem 2.-Ligisten FC Klingnau den Aargauer Cupfinal in Lenzburg. Gegner: Ligakonkurrent Eagles Aarau (17.30 Uhr).

Für die az erinnert sich Hitzfeld an seinen früheren Weggefährten. Von 1984 bis 1988 war der Lörracher der Cheftrainer in Aarau, Alfons «Radi» Schibli sein Co-Trainer. Auffällig: Hitzfeld nennt Schibli nicht Radi, wie der Rest der Fussballwelt, sondern Alfons. So, wie es im Pass steht.

Hitzfeld über den Menschen Schibli: «Alfons war äusserst zuverlässig, loyal und ehrlich. Wir waren auf der gleichen Wellenlänge. Er war ein unkomplizierter Typ, humorvoll, hat gerne gelacht.»

Hitzfeld über den Co-Trainer Schibli: «Ich hatte grosses Vertrauen in ihn. Ich konnte mit ihm über alles im Team diskutieren und nichts drang nach aussen an die Medien. Auf Alfons war Verlass und er hat Einfluss gehabt. Die Trainings haben wir immer in zwei Gruppen absolviert. Er leitete eine davon. Ich habe ihm Verantwortung übergeben können.»

Kennen gelernt haben sich Hitzfeld und Schibli 1982 in Magglingen. Dort absolvierten sie die Ausbildung zum Nationalliga-Trainer. Die erworbene Lizenz ist vergleichbar mit der heutigen Uefa-Pro-Lizenz. Im halbjährigen Kurs war übrigens auch Gilbert Gress.

1985 wurden Ottmar Hitzfeld und sein Assistenztrainer Radi Schibli (links) mit dem FC Aarau Cupsieger.

1985 wurden Ottmar Hitzfeld und sein Assistenztrainer Radi Schibli (links) mit dem FC Aarau Cupsieger.

Schibli erzählt gerne, dass er die besseren Noten als Hitzfeld hatte. Der zweifache Champions-League-Sieger und ehemalige Schweizer Nationaltrainer erhielt in den Fächern Technik, Kondition und Theorie die Maximalnote 4, in Methodik eine 3. Schibli erhielt viermal die Maximalnote. Schiblis Abschlussarbeit widmete sich dem Thema Pressing, Hitzfelds Thema war die Abseitsfalle.

Hitzfeld über die gemeinsamen Erfolge mit dem FC Aarau: «Es war eine der schönsten Zeiten, die ich im Fussball je erlebt habe. Wir wurden Cupsieger und Vizemeister. Es war auch eine enorm spannende Zeit. Wir spielten mit dem FC Aarau Harakiri-Fussball, gingen ein hohes Risiko ein. Mit unserem Pressing und der Abseitsfalle erregten wir viel Aufmerksamkeit in der Fussball-Schweiz.»

Auch in der Zeit nach Aarau brach der Kontakt nicht ab. Schibli erzählt, dass er sich früher regelmässig mit Hitzfeld in Zürich traf. Im Restaurant Vorderer Sternen assen die beiden Bratwürste oder jassten. «Hitzfeld wollte damals nicht begreifen, warum ich nicht auf die Trainerkarriere setzte», sagt Schibli. Heute gibt sich der einstige Startrainer verständnisvoll.

Hitzfeld über Schiblis Weg: «Ich hätte Alfons eine Karriere zugetraut. Egal, ob als Assistenz- oder Cheftrainer. Er hätte mich auch zu GC oder Dortmund begleiten können. Aber ich kann verstehen, dass er die Sicherheit im Beruf als Techniker im AKW Leibstadt gesucht hat. Das Trainergeschäft ist immer mit einem Risiko behaftet. Dennoch habe ich ihn immer mal wieder nach seiner Meinung gefragt und liess ihn den Schweizer Markt nach Spielern sondieren.»

Hitzfeld über Schiblis Kultstatus: «Ich kann verstehen, dass Alfons im Aargauer Regionalfussball Kultstatus geniesst. Aufgrund seiner Leistungen und seiner Persönlichkeit hat er diesen Status verdient. Er war immer sehr zugänglich, unkompliziert und beliebt, aber auch unkommerziell. Er hatte immer einen Spruch auf den Lippen, versprühte viel Energie und konnte die Leute begeistern.»

Hitzfeld über den Aargauer Cupfinal: «Natürlich drücke ich Alfons und seinem FC Klingnau beide Daumen. Die gemeinsame Zeit verpflichtet. Jeder Erfolg und jeder Final ist etwas Besonderes und eine Herausforderung. Alfons weiss, wie man einen Cupfinal gewinnt.»

Nach dem Gespräch erkundigt sich Ottmar Hitzfeld nach der Natelnummer von Radi Schibli. Er möchte seinem ehemaligen Weggefährten vor dem Cupfinal eine SMS schicken und viel Erfolg wünschen. Man darf gespannt sein ...

Meistgesehen

Artboard 1