FC Aarau

Ottmar Hitzfeld im Barragefieber: «Traue Patrick Rahmen und dem FC Aarau das Wunder zu»

Ottmar Hitzfeld auf der Brügglifeld-Tribüne – fürs Barrage-Rückspiel will er wieder kommen.

Ottmar Hitzfeld auf der Brügglifeld-Tribüne – fürs Barrage-Rückspiel will er wieder kommen.

Ottmar Hitzfeld gewann gegen Xamax seinen ersten Titel als Trainer – 34 Jahre später kann Patrick Rahmen gegen den gleichen Gegner den ersten grossen Coup als Cheftrainer landen. Doch Hitzfeld und Rahmen verbindet mehr als dieser Zufall.

Am Ende unseres Gesprächs fragt Otmar Hitzfeld: «Wann genau ist das Rückspiel in Aarau?» Die Fussball-Euphorie ist aus dem Brügglifeld bis nach Deutschland in die Grenzstadt Lörrach geschwappt, wo Hitzfeld wohnt. «Wenn es mein Terminplan zulässt, komme ich am Sonntag ins Stadion, um dem FC Aarau die Daumen zu drücken.

Ich freue mich auf die tolle und einzigartige Atmosphäre im Brügglifeld.» Bis Hitzfeld weiss, ob er kommt, dürfte das Stadion wegen des gigantischen Ansturms auf die Tickets bereits ausverkauft sein – doch für die prominenteste und grösste Figur der Klubgeschichte hat der FC Aarau immer einen freien Platz übrig.

Champions-League-Sieger mit Bayern München und Borussia Dortmund, Welttrainer 1997 und 2001, siebenfacher Deutscher Meister und 2010 sowie 2014 als letzter Karriereakt zwei WM-Teilnahmen mit der Schweizer Nationalmannschaft – Hitzfelds Repertoire gehört zum imposantesten weltweit.

Enges Verhältnis

Den ersten von 25 Titeln gewinnt er mit dem FC Aarau: Am 27. Mai 1985 im Cupfinal gegen Xamax. Xamax? Die Neuenburger sind 34 Jahre später der FCA-Gegner in der Barrage. Und somit wie damals für Hitzfeld auch für den aktuellen Aarau-Trainer Patrick Rahmen die letzte Hürde auf dem Weg zum ersten grossen Erfolg als Cheftrainer.

«Der Druck ist bei Xamax»: Entspannte FCA-Spieler beim Training

«Der Druck ist bei Xamax»: Entspannte FCA-Spieler beim Training

Am Donnerstag steht für den FC Aarau das Barrage-Hinspiel gegen Xamax in Neuenburg an. Beim Training am Montag gaben sich die Spieler entspannt.

Die «AZ» erfuhr: Den 70-jährigen Hitzfeld und den 20 Jahre jüngeren Rahmen verbindet mehr als dieser Zufall. Die beiden pflegen ein engeres Verhältnis, regelmässig treffen sie sich in der Region Basel zum Nachtessen und zum Fachsimpeln. Hitzfeld weiss also genau, wie Rahmen sich während der Achterbahn-Fahrt durch die Saison fühlte. Wie er nach dem Katastrophen-Start die Nerven behielt und die Aufholjagd lancierte.

Kindheitsidol des FCA-Trainers

Hitzfeld sagt: «In einer Krise, wie sie der FC Aarau im vergangenen Herbst erlebte, ist Empathie gefragt. Patrick hat ein feines Gespür für die verschiedenen Charaktere innerhalb einer Mannschaft. Und er ist ein hervorragender Analytiker, er erkennt die Probleme und findet Lösungen. In Krisen darf sich ein Trainer nicht verzetteln, sondern muss mit klaren und einfachen Ansprachen den Spielern Selbstvertrauen vermitteln.»

Für Rahmen war Hitzfeld in den Siebziger- und Achtzigerjahren ein «Kindheitsidol». Rahmens Vater Bruno spielte gemeinsam mit Hitzfeld in der legendären Ära des FC Basel unter Trainer Helmut Benthaus, Rahmen senior und Hitzfeld holten mit Rot-Blau zwei Meistertitel.

Später stürmten sie zwei Jahre gemeinsam für den FC Luzern, ehe Hitzfeld 1983 seine Spielerkarriere beendete. Sollte er am kommenden Sonntag tatsächlich im Brügglifeld auftauchen, würde er auch auf seinen Sturmpartner aus früheren Zeiten treffen – Bruno Rahmen besuchte in dieser Saison bislang praktisch jedes FCA-Heimspiel.

Was für den FC Aarau spricht

Und was traut Hitzfeld dem FC Aarau in der Barrage gegen Xamax zu? Um die Qualität der Mannschaft im Detail beurteilen zu können, dafür sei er zu weit weg. «Aber ich informiere mich nach jedem Spiel über das Resultat. Meine langjährige Erfahrung sagt mir: Wenn eine Mannschaft wie der FC Aarau sich von ganz unten bis auf den zweiten Platz hochkämpft, ist ihr alles zuzutrauen. Eine solche Entwicklung beflügelt die Spieler.

Xamax ist der Favorit und als solcher auf dem Papier die stärkere Mannschaft. Und die Neuenburger sind sich aus der Super League, wo sie gegen Top-Teams wie Basel und YB gespielt haben, einen höheren Rhythmus gewöhnt. Doch in den zwei Barrage-Spielen ist die psychologische Komponente genauso wichtig wie die Qualität: Und psychologisch sehe ich Aarau im Vorteil.

Der Aufstieg wäre nach diesem Saisonstart ein Wunder, aber ich traue es Patrick Rahmen und der Mannschaft zu.» Auch hinsichtlich des neuen Stadions wäre ein Aufstieg förderlich. Hitzfeld, der sich im vergangenen Jahr auch am Unterstützer-Projekt «meinstadion.ch» beteiligt hat: «Ein erfolgreicher FC Aarau ist beste Werbung für eine erfolgreiche Volksabstimmung.»

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