Berikon

Plötzlich Bobfahrerin: Wie aus der Aargauer Volleyballerin Melanie Hasler eine Wintersportlerin wurde

Melanie Hasler aus Berikon wurde als Wintersportlerin geboren, nur wusste sie das lange nicht. Erst ein zweifacher Olympiasieger zeigte ihr den Weg.

Wer hier steht, träumt gross und wenn alles nach Plan läuft, dann befinden sich an diesem warmen Sommermorgen in Magglingen zukünftige Olympiamedaillen­gewinner des Wintersports. Und so unwahrscheinlich ist das nicht. Die Spitzensport-RS der Schweizer Armee ist ein Erfolgsprojekt. So mancher Absolvent  wurde später zum olympischen Helden. Entsprechend begehrt sind die Plätze. Die im Sommer besonders bei Wintersportlern, wenn deren Wettkampfsaison ruht.

35 haben es schliesslich geschafft und einige stehen nun da und erzählen von ihrem Glück, vom Militär zum verheissungsvollen Sportnachwuchs erkoren worden zu sein. Einige sind schon Stars wie NHL-Senkrechtstarter Nico Hischier. Andere wiederum sind dem breiten Sportpublikum noch eher unbekannt wie die Aargauer Bobfahrerin Melanie Hasler. 

Zeit, das zu ändern. Also, Melanie Hasler, wie ist das mit dem Traum vom Olympiasieg? Die 22-Jährige lacht. Sie träumt gerne gross. Entsprechend gut passt sie nach Magglingen, wo der olympische Traum ver­mittelt wird. Doch eigentlich hätte im Leben der jungen Aargauerin auch alles andersherum laufen können – quasi gespiegelt – und Hasler hätte in der Winter-RS vom Erfolg im Sommersport geträumt.

Und dann stand da der zweifache Olympiasieger

Doch der Reihe nach. Und damit drei Jahre zurück. Genauer: nach Tenero in die Hitze des Tessins. Hasler hat ihre Füsse im Sand, als ihr Weg sie in den Eiskanal führt. Im ersten Moment glaubt sie an einen Scherz, als ihr Trainer im nationalen Nachwuchskader des Beachvolleyballs sagt: «Da ist einer da, der will wissen, ob du nicht Bobfahren willst.» Haha! 

Melanie Hasler im Einsatz als Bobfahrerin.

Melanie Hasler im Einsatz als Bobfahrerin.

Schon seit Hasler ein Kind ist, investiert sie in eine Karriere als Volleyballerin. Mit 13 trainiert sie siebenmal in der Woche, besucht später die Sportschule in Zürich, dann die United School of Sports. Mit Steinhausen spielt die Aargauerin Volleyball in der NLB und gehört im Beach­volleyball zum hoffnungsvollen Nachwuchs. Und dann kommt da einer und fragt, ob sie nicht Lust habe, ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen. «Als ob es normal wäre, einfach so die Spitzensportart zu wechseln», erinnert sich die junge Frau aus Berikon. Und trotzdem ist sie neugierig.

Schliesslich ist der Mann nicht irgendwer. Christoph Langen ist zweifacher Olympiasieger. Der deutsche Nachwuchsnationaltrainer der Schweizer Bobfahrer hat die Leistungstestdaten von Hasler erhalten und erkennt: Da ist eine Bobfahrerin geboren worden. Nur weiss sie es noch nicht. «Meine Sprungkraft hat die Experten offenbar verblüfft», sagt sie.

Aus der Angst wird ein Kick, der süchtig macht

Dann also Bob. Einfach mal versuchen. «Ich dachte niemals, dass ich wirklich hängen bleibe», sagt Hasler. Doch sie tut es, obwohl der Trainer vor der ersten Fahrt sagt: «Falls ihr stürzt: einfach festhalten!» Da war es noch Angst. Heute ist es ebendieser Adrenalinkick, der Hasler so sehr fasziniert.
In der ersten Saison, die sie nur zur Hälfte und noch als An­schieberin bestreitet, pendelt Hasler zwischen den Welten. Oder vielmehr: versucht es. Denn schnell einmal stellt sie fest: verbinden lässt sich das alles nicht. Weil niemand richtig zufrieden ist. 

Was also tun? Hasler entscheidet sich nicht für die einfache Variante, folgt stattdessen ihrem Herzen und verlässt den eingeschlagen Weg, der sie zur Profivolleyballerin machen sollte. Fortan ist sie Bobfahrerin. Trotzdem muss sie, in ihrer ersten Saison also Pilotin, gelegentlich zurück in ihr altes Leben. «Um zu arbeiten», wie sie sagt. Erst in der vergangenen Saison setzt sie ganz auf den Bobsport, ist von Oktober bis Mitte März mit Ausnahme von Weihnachten nie zu Hause.

Obwohl sie sich unerwartet für die EM und WM qualifiziert, und damit viel früher, als von ihr erhofft, ist es für Hasler nicht einfach, finanziell zu überleben. «Ich bin wie eine eigene Firma, muss schauen das es läuft», sagt sie. Ein neuer Schlitten kostet schnell einmal 60'000 Franken. Nur dank Sponsoren und der Unterstützung des St. Moritz Bobsleigh Club und von Swiss Sliding sind die Ausgaben zu stemmen.

Die Spitzensport-RS ist eine willkommene Ergänzung. Nun wird Hasler zusätzlich unterstützt. So bleibt mehr Zeit, um grosse Träume zu erfüllen.

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