Aargauer Sport-Gala

Randy Vock: «Diese Medaille ist für mich überraschend gekommen»

Randy Vock (rechts) gegen Rasul Israpilov.

Randy Vock (rechts) gegen Rasul Israpilov.

In unserer Portraitserie stellen wir die sechs Nominierten für die Wahl zum «Aargauer Sportler des Jahres» vor. Einer davon ist Ringer Randy Vock aus Muri, der im vergangenen Jahr als erster Schweizer seit 1946 eine EM-Medaille im Freistil-Ringen gewann.

Eigentlich begann Randy Vock viel zu spät mit Ringen. Zuerst versuchte er sich im Kunstturnen und im
Fussball. Erst mit 14 Jahren stand er zum ersten Mal auf der Matte. Die meisten seiner Konkurrenten –
vor allem diejenigen, die international antreten – trainieren zu diesem Zeitpunkt bereits seit sieben
oder acht Jahren.
Doch der späte Start war für Randy Vock kein Hindernis. Vom ersten Moment an gab der mittlerweile
25-Jährige Vollgas. «Ich wurde in der Ringerstaffel Freiamt vom ersten Moment an optimal
aufgenommen. Alle haben mich unterstützt und mir geholfen», blickt Vock zurück. Bereits nach zwei
Jahren kürte er sich zum Schweizer Meister und lancierte nur ein Jahr später seine internationale
Ringerkarriere.

Am Tag X hat alles gepasst

Die Krönung erlebte Randy Vock im April des letzten Jahres. An der Europameisterschaft gewann er im
Freistil-Ringen bis 61kg die Bronzemedaille. Es ist die erste EM-Medaille eines Schweizers seit 12
Jahren. Gar die erste im Freistil-Ringen seit 1946. «Diese Medaille ist für mich überraschend
gekommen», so Vock. «In den Jahren davor war ich immer wieder verletzt und habe wichtige
Wettkämpfe verpasst. An diesem Tag ist aber alles aufgegangen. Ich habe zwei Topathleten
geschlagen und stand plötzlich auf dem Podest.»
Bevor Randy Vock seinen grossen Erfolg feiern konnte, musste er jedoch seinen Durchhaltewillen
unter Beweis stellen. Nach seiner Juniorenkarriere, die er mit einem 9. Rang an der EM abschloss,
wollte er bei der Elite durchstarten. Doch das klappte nicht wie gewünscht. Sein Leistungsniveau
reichte nicht. «Das war ernüchternd. Der Unterschied war schlicht zu gross. Ich konnte weder
technisch noch physisch mithalten. Das war eine andere Welt.»

200 Tage pro Jahr im Ausland

In dieser Phase hatten die Schweizer Ringer zudem keinen Nationaltrainer. Für Vock war daher klar,
dass er in der Schweiz nicht weiterkommt. Sein früherer Coach vermittelte ihm eine
Trainingsgelegenheit in der Ukraine. «Ich habe schnell gemerkt, dass ich dort finde, was ich brauche.
Ich konnte bis zu drei Mal am Tag trainieren und hatte mehr als 20 potenzielle Sparringpartner auf
bestem Niveau. Das war schlicht genial», so Vock. In jener Saison trainierte er mehrmals länger in der
Ukraine. Und mit Rang 5 an der U23-EM im Jahr 2017 kam auch der Erfolg zurück.
Obwohl die Schweizer Ringer seit der Saison 2017/18 wieder einen Nationaltrainer haben, weilen sie
noch immer oft im Ausland. «200 Tage pro Jahr sind wir unterwegs. Wir trainieren in Russland,
Moldawien, Rumänien, Polen und Deutschland, damit wir gute Trainingspartner haben und unsere
Konkurrenz beobachten können», sagt Vock.

Auf der Strasse erkannt

Insbesondere in Osteuropa, aber auch in Asien und Kuba geniesst der Ringsport ein viel grösseres
Ansehen als in der Schweiz. Hierzulande ist Randy Vock nur in Ringerkreisen und vielleicht noch bei
einigen eingefleischten Sportfans ein Begriff. In Ländern wie Russland, Aserbaidschan, der Türkei oder
Moldawien sind EM- und WM-Medaillengewinner im Ringen grosse Stars, die Millionen verdienen.
Auch Randy Vock wird dort von den Leuten auf der Strasse erkannt. «Das ist einerseits sehr schön,
aber andererseits auch ein komisches Gefühl, dass du im Ausland erkannt wirst, aber in der Schweiz
nicht», sagt Vock. «Ich wünschte mir schon, dass wir Ringer in der Schweiz mehr Anerkennung
bekommen für unsere Leistungen.»

Kampf ums Olympiaticket

Randy Vock, der seit mehreren Jahren als Halbprofi unterwegs ist, hat mit dem Gewinn der EMMedaille
ein grosses Ziel erreicht. Nun träumt er von Olympia 2020 in Tokio. Doch die Qualifikation ist
hart. Vock kann lediglich noch an zwei Turnieren starten, an denen Olympia-Startplätze vergeben
werden. Und an beiden gibt es nur deren zwei Olympia-Tickets. «Ich verspüre keinen Druck für
Olympia, aber sollte ich mich qualifizieren, wäre das das i-Tüpfchen auf meiner Saison. Vor allem auch
deshalb, weil ich derzeit noch verletzt bin und wohl erst in der zweiten Januarhälfte wieder voll
trainieren kann», so Vock.

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