Challenge League

Reaktion auf die Verletzungsorgie: Im FCA-Training herrscht Schienbeinschoner-Pflicht

Die 13-köpfige Trainingsgruppe des FC Aarau: Auffällig ist, dass praktisch alle Spieler Schienbeinschoner tragen.

Die 13-köpfige Trainingsgruppe des FC Aarau: Auffällig ist, dass praktisch alle Spieler Schienbeinschoner tragen.

Mehr als die halbe Stamm-Mannschaft fällt beim tief gesunkenen Verein vom Brügglifeld verletzt aus. Um die Personaldecke nicht noch dünner werden zu lassen, wurden Massnahmen ergriffen.

Marinko Jurendic ist nicht zu beneiden. Der neue Trainer ist mit dem FC Aarau bereits in der ersten Cuprunde gegen die Amateurmannschaft von Echallens ausgeschieden und wartet nach fünf Ligaspielen immer noch auf den ersten Sieg. Der Druck steigt, spätestens im übernächsten Spiel gegen Wohlen müssen Punkte her, noch besser schon am kommenden Freitag im Stade de Genève gegen dem Tabellendritten Servette (Anpfiff 20 Uhr).

Als wäre die sportliche Situation nicht schon schlimm genug,  schrumpft nebenbei Woche für Woche das Kader. Mit Petar Misic, Stephane Besle, Igor Nganga, Miguel Peralta, Raoul Giger, Juan Pablo Garat und Arxhend Cani fallen aktuell sieben Spieler verletzt aus – abgesehen von Garat alle langfristig.

Zwei Tage vor dem Servette-Spiel stehen Jurendic im Training gerade Mal 13 (!) Feldspieler zur Verfügung. Es sind dies: Leo Itaperuna, Mats Hammerich, Olivier Jäckle, Paulinho, Pascal Thrier, Michael Siegfried, Alessandro Ciarrocchi, Michael Perrier, Zoran Josipovic, Patrick Rossini, Varol Tasar, Marco Thaler und Damir Mehidic.

Psychologische Hilfe

Was auffällt: Ausser Stürmer Ciarrocchi tragen alle noch gesunden FCA-Profis Schienbeinschoner. Ein spezielles Bild im Wissen, dass die Plastikdinger für Fussballer ein lästiges Übel sind und sie in den Trainings meistens darauf verzichten. Nachfragen ergeben denn auch: Seit dem Cup-Out in Echallens herrscht im FCA-Training Schienbeinschoner-Pflicht.

Trainer Jurendic sagt zwar, die Spieler seien seit dem ersten Training angehalten, bei Spielformen mit Zweikämpfen Schienbeinschoner zu tragen. Konsequent von den Spielern umgesetzt wird die Regel scheinbar aber erst jetzt, wo die Personaldecke mehr als dünn ist.

Klar: Keiner im Aarauer Lazarett hat sich aufgrund fehlender Schienbeinschoner verletzt. Und: Wenns knallt, dann knallts – Schienbeinschoner hin oder her. Trotzdem wird im FCA-Training alles dafür unternommen, das Risiko von weiteren Verletzungen zu vermeiden. Das Tragen von Schienbeinschonern kann schon psychologisch helfen: Wer geschützt ist, zieht im Zweikampf nicht zurück und ist so weniger verletzungsgefährdet.

FCA-Trainer Marinko Jurendic sucht nach Gründen für die vielen Verletzten - schwierig.

FCA-Trainer Marinko Jurendic sucht nach Gründen für die vielen Verletzten - schwierig.

Dazu machen sich Jurendic und sein Trainerstab laufend Gedanken über die Trainingsgestaltung und -dosierung, damit es zu keiner Überbelastung kommt. Was logischerweise keine Option ist: Trainings ohne Zweikämpfe. Gleichzeitig ist es enorm schwierig, Gründe für die Verletzungsmisere zu finden: Denn ausser Garat, bei dem aufgrund seines Alters Muskelverletzungen kaum zu verhindern sind, sind bei allen anderen Patienten Bänder im Knie, im Knöchel und in der Schulter gerissen. Dahinter steckt vielmehr einfach Pech statt eine Logik. Doch statt zu jammern, will Jurendic das Beste aus der Situation machen: "Ich betrachte die Situation nicht als Bestrafung, sondern als Herausforderung für uns alle."

Mit Mini-Kader nach Genf?

13 Feldspieler und die drei Goalies Steven Deana, Lars Hunn und Olivier Joos – sieht so das Kader für das Spiel in Genf aus? Gut möglich. Denn Spieler aus der U21 mitzunehmen, wird schwierig: Auch bei den Junioren ist die Verletztenliste viel zu lang, zudem spielt die U21 am Samstag gegen Biberist – ein Sieg muss her, um den Anschluss an die Tabellenspitze nicht schon früh zu verlieren.

Sandro Burki, portratiert im Stadion Brügglifeld Sandro Burki, Sportchef FC Aarau

Sandro Burki hat in seiner neuen Rolle als Sportchef viel zu tun, um das FCA-Kader zu verstärken.

Sandro Burki, portratiert im Stadion Brügglifeld Sandro Burki, Sportchef FC Aarau

Und: Eine der ersehnten Neuverpflichtungen wird in Genf auch nicht auf dem Platz stehen. Dafür dürfte die Zeit für den Erhalt der Spielberechtigung zu knapp sein, auch wenn Sandro Burki noch heute Mittwoch seinen ersten Transfer verkünden sollte.

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