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Suche nach Rohdiamanten macht sich bezahlt: Warum Aufsteiger FC Windisch bereits zu den Topteams der Liga gehört

Der FC Windisch beeindruckt die Konkurrenz mit einem jungen Kader und stellt dabei die zweitgefährlichste Offensive der Liga. Nun hat sich das Team von Angelo Ponte zum Ziel gesetzt, die grossen Teams zu ärgern.

Nik Dömer
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Die Windischer haben derweil viel Selbstvertrauen.

Die Windischer haben derweil viel Selbstvertrauen.

Alexander Wagner

6:2 gegen den FC Kölliken, 6:2 gegen Menzo Reinach: Der FC Windisch ist im Spielrausch und steht in der 2. Liga AFV plötzlich als erster Verfolger von Leader FC Sarmenstorf da. Dass der Aufsteiger sogleich vorne mitmischt, kommt für Trainer Angelo Ponte jedoch nicht überraschend.

Die Windischer haben derzeit viel Selbstvertrauen, dies machte sich bereits nach dem ersten Saisonspiel beim FC Schönenwerd-Niedergösgen bemerkbar. Kaum eine Spur von Zufriedenheit nach dem 1:1-Unentschieden, der Aufsteiger wollte den Sieg. Schon damals betonte Trainer Ponte, dass ­seine Mannschaft noch besser werde.

25 Punkte hat sich der FC WIndisch in 12 Partien erkämpft.

25 Punkte hat sich der FC WIndisch in 12 Partien erkämpft.

Alexander Wagner

Und er behielt recht. Elf Partien später hat Windisch 24 Punkte mehr auf dem Konto. «Wir wussten, was in diesem Team schlummert. Als Auf­steiger kannst du zwar keine grossen Töne spucken, doch ­intern war uns schon klar, dass wir vorne mitspielen wollen», erklärt Ponte.

Bei Windisch gibt es noch keine klare Startelf

Aber warum stellt ein Aufsteiger ein derart hochwertiges Kader? Natürlich lässt sich da vermuten, dass der Geldbeutel weit ge­öffnet wurde. Doch Ponte kann darüber nur lachen: «Schön, wenn das so wäre. Aber Geld ist bei uns garantiert nicht der Anreiz. Nach der Herbstrunde, gibt es eine Punkteprämie, die ist jedoch überschaubar und für alle Spieler gleich hoch angesetzt. Mehr ist da nicht.»

Liga-Höchstwert? 29 Spieler kamen für den FC Windisch in dieser Saison bereits zum Einsatz.

Liga-Höchstwert? 29 Spieler kamen für den FC Windisch in dieser Saison bereits zum Einsatz.

Alexander Wagner

Der Trainer und sein Sportchef Agusi Bardilj wollen auch gar nicht auf Söldner setzen, viel eher haben sie es auf talentierte Junioren abgesehen, deren Laufbahn ins Stocken geraten ist.

So sind mit Aleksandar Ange­lov, Omid Jafari, Alen Velic und Slobodan Stoilovski vier Spieler im Kader, die beim Team Aargau oder dem FC Baden nicht mehr weitergekommen sind: «Sportchef Bardilj war Assistenz­trainer bei den A-Junioren des FC Baden und hat ein gutes Netzwerk. Nebenbei schauen wir uns viele Spiele an und versuchen die Rohdiamanten zu finden. Ich denke, da zahlt sich nun unser Engagement aus», erklärt Ponte.

Das grosse Engagement von Ponte und seinem Sportchef macht sich bezahlt.

Das grosse Engagement von Ponte und seinem Sportchef macht sich bezahlt.

Alexander Wagner

Tatsächlich wird beim genaueren Studium der Auf­stellungen ersichtlich, dass beim FC Windisch junge Spieler viele Einsatzminuten erhalten. Bislang wurden 15 Akteure mit Jahrgang 1999 oder jünger eingesetzt, neun davon waren mehrheitlich als Stammkräfte. Eine klare Startelf gibt es bei Ponte jedoch nicht: «Wir haben eine unglaubliche Breite im Kader, Und ich versuche, allen Spielzeit zu geben. Bei mir hat bis auf den Goalie kaum jemand eine Stammplatz-Garantie.»

«Wenn die Spieler ihr Potenzial abrufen, ist alles möglich»

Insgesamt hat der Trainer schon 29 Spieler aufs Feld geschickt. Darunter auch Tyrique James Bartlett, der Sohn des ehemaligen FCZ-Stürmerstars Shaun Bartlett. Sieben Tore konnte der einstige U23-Spieler von Newcastle in acht Partien erzielen. Doch nun ist er wieder nach Südafrika abgereist. «Er muss eine Verletzung am Fussgelenk auskurieren und fällt bis zur Winterpause aus. Deshalb entschied er sich, zurück zu ­seiner Familie zu gehen.»

Ob Tyrique James Bartlett zurückkehren wird, ist aktuell noch nicht bekannt.

Ob Tyrique James Bartlett zurückkehren wird, ist aktuell noch nicht bekannt.

Alexander Wagner

Ob er nach Windisch zurückkehrt, weiss Ponte nicht. Sorgen macht er sich deshalb keine: «Natürlich hätte ich ihn gerne behalten, aber wenn er Profi werden möchte, kann er nicht lange bei uns bleiben. Dessen war ich mir bewusst. Ausserdem habe ich zuletzt gesehen, dass die Offensive auch ohne ihn funktioniert.»

Eher stellt sich die Frage, zu was dieses Team noch fähig ist. «Wenn meine Spieler ihr Potenzial abrufen, dann ist alles möglich. Der Titel ist zwar noch nicht unser Ziel, aber wir wollen als Aufsteiger ­jeden Gegner nerven. Besonders die grossen Teams.»

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