Reservisten
Diese drei Handballer spielen beim HSC Suhr Aarau derzeit keine Rolle – warum sie dennoch wichtig sind

Sie simulieren den Gegner, lassen Eisbäder ein oder motivieren von der Bank: Jan Peter, Lukas Laube und Mathias Müller kommen beim HSC Suhr Aarau derzeit nicht zum Zug. Und trotzdem haben sie für das Team grossen Wert.

Frederic Härri
Drucken
Lukas Laube (links, verletzt), Jan Peter (Mitte, Reservist) und Mathias Müller (Reservist) helfen dem HSC derzeit vor allem neben dem Feld.

Lukas Laube (links, verletzt), Jan Peter (Mitte, Reservist) und Mathias Müller (Reservist) helfen dem HSC derzeit vor allem neben dem Feld.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Wenn sich der HSC Suhr Aarau in den Playoffs mit St. Otmar St. Gallen um den Einzug in den Halbfinal streitet, sind drei Spieler bislang aussen vor: Lukas Laube, Jan Peter und Mathias Müller. Der eine verletzt, die anderen beiden als Reservisten. Keiner von ihnen hat in den drei bisherigen Spielen auf der Platte gestanden. Das Leben auf und hinter der Bank ist nicht glorreich, im Rampenlicht stehen andere. Und doch übernehmen die drei jungen Männer wichtige Aufgaben für ihr Team. Hier erzählen sie von ihren Erfahrungen.

Jan Peter: Auf sportlicher Abschiedstournee

Jan Peter wird den HSC am Ende der Saison als Spieler verlassen, dem Verein bleibt er als Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle aber erhalten.

Jan Peter wird den HSC am Ende der Saison als Spieler verlassen, dem Verein bleibt er als Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle aber erhalten.

Marc Schumacher / freshfocus

«Es ist nicht immer einfach», schickt Jan Peter gleich vorweg. «Du trainierst gleich viel, aber du spielst nicht gleich viel.» So simpel lässt sich ausdrücken, was für Peter einer bitteren Erkenntnis gleichkommt. Peter spielt auf dem linken Flügel, er würde es jedenfalls häufiger tun, wenn ihm nicht Timothy Reichmuth vor der Sonne stünde.

Ein einziges Ligator hat Peter in dieser Saison erzielt, die Einsatzminuten sind rar gesät. Meist schickt ihn Trainer Misha Kaufmann ins Geschehen, wenn Sieg oder Niederlage längst beschlossene Sache sind. Nein, so richtig abgefunden habe er sich mit dem Dasein als Reservist nicht, meint Peter. Aber arrangiert, das dann schon. Er habe schon einiges erlebt im Handballsport, sagt der mittlerweile 26-Jährige. Er ist kein Jungspund mehr, nach zwei Spielzeiten in der NLA weiss er, wie die Mechanismen auf der höchsten Stufe funktionieren. Auch deshalb sagt er: «Mich quer zu stellen liegt mir fern.»

Und so ist der Willisauer in den Playoffs zur Stelle, macht Stimmung, wenn es Stimmung braucht, und gibt Inputs, wenn Einfluss von aussen vonnöten ist. In den Dienst der Mannschaft stellen, so nennt das Peter. Sportlich betrachtet ist er mit dem HSC auf persönlicher Abschiedstournee, nach der Saison kehrt er in die 1. Liga zu Partnerverein HV Olten zurück. Peter aber bleibt dem Klub erhalten, nicht länger als Spieler, doch als Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. «Abgeschlossen», sagt Peter, «habe ich mit dem HSC noch lange nicht.»

Der HSC kann am Donnerstag in den Halbfinal einziehen

Der HSC Suhr Aarau führt in der Viertelfinalserie gegen St. Otmar St. Gallen mit 2:1, am Donnerstagabend bietet sich den Aargauern die Chance, den Einzug ins Halbfinale perfekt zu machen. Sie können das Spiel ab 20.15 Uhr bei uns im AZ-Liveticker verfolgen.

Lukas Laube: Der Mann, der ans Eisbad erinnert

Wenn Lukas Laube spielt, geht der 1,93 Meter grosse Kreisläufer in der Abwehrarbeit rabiat zu Werke.

Wenn Lukas Laube spielt, geht der 1,93 Meter grosse Kreisläufer in der Abwehrarbeit rabiat zu Werke.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Und plötzlich machte es «Klack». Zwei Monate ist es her, dass sich Lukas Laube im Training eine Patellaluxation zugezogen hat. Das tönt kompliziert, man könnte auch einfach sagen: Die Kniescheibe ist rausgesprungen. So oder so ist das Resultat dasselbe: Laube, der 1,93 Meter grosse Kreisläufer, darf derzeit nicht Handball spielen. Gute Chancen hätte er ja gehabt, hinter Stammkraft Martin Slaninka zu vielen Minuten zu kommen. Laube kann für eine Mannschaft wertvoll sein. Vor allem in der Defensive hat er seine Qualitäten als robuste Abwehrkraft, was aufgrund der Statur nicht verwundert.

Nun ist Laube zum Zuschauen verdammt. Doch liegt er nicht einfach auf der faulen Haut, nein, der 21-Jährige findet sich gewissermassen in der Rolle des Statistikers wieder. Während den Spielen sitzt er hinter der Bank, wo auf seinem Tablet die Live-Übertragung läuft. Laube schreibt sich interessante Szenen raus, und reicht seinem Trainer das Tablet, wenn dieser es verlangt. Und: «Ich zähle die Zahl der Fouls mit, die wir pro Match begehen.» Es sind Informationen, die nützlich sein können – in der Halbzeitpause oder in der Analyse danach. Daneben hilft Laube in den Trainings aus, nach den Matches erinnert er seine Kollegen freundlich aber bestimmt daran, dass sie denn bitteschön ins Eisbad zur Regeneration steigen möchten.

«Mädchen für alles», so formuliert das Laube etwas salopp und politisch inkorrekt. Seiner Stimme ist zu entnehmen, dass ihm das Ganze durchaus Spass bereitet. Auch wenn er sich eigentlich viel lieber selbst in die Zweikämpfe stürzen würde. Wer kann ihm das verdenken.

Mathias Müller: Er imitiert im Training den Gegner

Hochsteigen und werfen: Mathias Müller simuliert in der Vorbereitung zurzeit St. Otmars Rückraumschützen Dominik Jurilj.

Hochsteigen und werfen: Mathias Müller simuliert in der Vorbereitung zurzeit St. Otmars Rückraumschützen Dominik Jurilj.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Ball annehmen, springen, werfen. Ball annehmen, springen, werfen. Und das immer wieder. Es ist die Reihenfolge an Aktionen, die Mathias Müller derzeit in Sekundenschnelle in den Trainings vollführt. Obwohl dies eigentlich nicht Müllers Naturell als Spieler entspricht. Er, der den Ball lieber laufen lässt und die Eins-gegen-Eins-­Situationen sucht. Dem 25-Jährigen kommt in der Vorbereitung die Aufgabe zu, den gegnerischen Rückraumspieler zu simulieren. Und in dieser Serie gegen St. Otmar heisst der Gegner eben Dominik Jurilj, der genau das macht: springen und werfen.

Auch das Zügeln der eigenen Erwartungen gehört zu Müllers Rolle als Reservist. «Realistisch gesehen muss ich davon ausgehen, dass ich in den Playoffs kaum zum Zug komme – oder gar nicht.» Und doch müsse er bereit sein, im Falle einer Verletzung, einer roten Karte oder anderen Eventualitäten. «Ich bin auf alles vorbereitet», sagt er. Dass Müller in der Schlussphase der Saison etwas abseits steht, hat sich angebahnt. Nach zwei Jahren beim HSC wurden die Möglichkeiten, sich auszuzeichnen, immer weniger.

Gerade verbringt er die letzten Wochen mit den Aargauer Kollegen. Im Sommer verlässt Müller den Verein in Richtung Stäfa, es winkt ein Stammplatz auf der linken Rückraumposition. Natürlich reut es ihn, wenn er nur selten auf der Platte stehen darf. Für Müller aber ist dies kein Grund, sich hängen zu lassen. «Nur weil ich nicht spiele, heisst das nicht, dass ich nichts zum Erfolg beitragen kann.» An Spieltagen ist Müller einer der Antreiber. Der, der sich die Mühe macht, jeden einzelnen abzuklatschen. Klapps auf den Rücken, weiter gehts. Wenn es eng wird am Ende des Spiels, schnellt der Puls auch in Abwesenheit von sportlicher Betätigung hoch. Die Mannschaft stehe an oberster Stelle, sagt Müller. «Da ist es mir letztlich egal, wie viele Minuten ich bekomme.» Man möge es ihm glauben.

Aktuelle Nachrichten